23.09.2013 08:00 Gott würfelt nicht

Theater in Linz: Cage Stage - ein Musiktheater von und nach John Cage

Cage Stage am landestheater linz

ein neues spielerisches Kaleidoskop; © Ursula Kaufmann

Von: GFDK - Landestheater Linz

„Gott würfelt nicht“: Der legen­däre, Albert Einstein zugeschriebene Ausspruch, der als Kommentar zur Quantenmechanik in einem Brief an Max Born oder Nils Bohr gefallen sein soll, sagt vermutlich mehr über Einstein aus als über Gott und womöglich auch etwas über Betrachtungsweisen der Welt, die mit den Begriffen „Plan“ oder „Spiel“ gefasst werden könnten. – „Cage aber würfelt“, könnte man Einstein entgegenhalten, was den 1912 in Los Angeles geborenen Dichter, Komponisten, Maler, Kunsttheoretiker und Pilzexperten zwar nicht zur Gottheit stilisieren soll, aber ein Gesamtwerk als „Schöpfung“ kennzeichnen mag, das den ganzen avantgardistischen Kunst-Kosmos des 20. Jahrhunderts bereits antizipierend in einem globalisierten Bewusstsein zusammenfasst und veranschaulicht.

Theater in Linz

John Cage, Kompositionsschüler von Arnold Schönberg, Lebens- und Arbeitsgefährte des Tänzers und Choreographen Merce ­Cunningham und genialischer Zahlenjongleur mit Hilfe des altchinesischen „I Ching“-Orakels, hat den „Musik“-Begriff im 20. Jahrhundert nicht nur erweitert, sondern schlichtweg revolutioniert.

In der zunehmend in sein komposi­torisches Schaffen ein­gehenden zen-buddhistischen Auffassung, dass jeder Ton, jeder Klang und auch jeder Mensch ein eigenes Zentrum sei, verlässt Cage nach seinem ersten und einzigen tra­ditionellen Orchesterstück The Seasons (1947, Ballettmusik für Merce Cunningham) alle ausgetretenen „Tutti-Pfade“; fortan entstehen nur noch Orchesterstücke für kleinere Ensembles von In­strumentalsolisten, bei denen das Verhältnis von Stille und Musik, Komponist und Interpret sowie von Werk und Aufführung nach und nach neu definiert wird: Stille ist Musik (was nicht allein am Skandalstück 4’33 ablesbar ist), der Interpret immer auch Komponist, und die Aufführung das Werk – was in Cage Stage dadurch auf­gegriffen wird, dass die Szenenfolge jeder einzelnen Aufführung grundsätzlich variiert. Aus dem jeweils aktuell entschiedenen ­musikalischen Ablauf ergibt sich Abend für Abend ein neues spielerisches Kaleidoskop.

Freunde der Kunst

Achim Freyer, Meisterschüler von Bertolt Brecht und weltweit erfolgreicher Regisseur, Bühnen-, Kostümbildner und Maler, inszenierte an zahlreichen bedeutenden Bühnen in ganz Europa, Asien und den Vereinigten Staaten sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater. Seine Aufführungen zeitgenössischer Opern von Philip Glass, Helmut Lachenmann, ­Mauricio Kagel, Dieter Schnebel und Salvatore Sciarrino schrieben Musiktheatergeschichte. Aber auch im klassischen Repertoire setzte Freyer Marksteine – ob mit Webers Freischütz oder Wagners Ring des Nibelungen (in Los ­Angeles und aktuell in Mannheim).

ardelt@landestheater-linz.at