31.03.2015 09:00 Gotthold Ephraim Lessing

Theater in Leipzig: Emilia Galotti - eine dunkle, scharf gestanzte Geschichte

Emilia Galotti leipzig

Der Lauf eines einzigen Tages genügt Gotthold Ephraim Lessing, um in größter Dichte und Verschneidung den Figuren den Boden ihres Lebens zu entreißen; © Rolf Arnold

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Von: GFDK - Schauspiel Leipzig

Am Morgen ihres Hochzeitstages wird Emilia Galotti in der Kirche überfallartig von einem unbekannten Verehrer angesprochen, der ihr seine glühende Bewunderung gesteht – dann aber über ungelenkes Stammeln nicht hinauskommt. Die verstörte Emilia beschließt, diesem Vorfall keine Aufmerksamkeit zu geben – schließlich soll heute ein Tag der Freude sein.

Theater in Leipzig

So beginnt ein Tag, dessen Verlauf sehr verschiedene Figuren aus gegensätzlichsten Welten in die Katastrophe führt: Für Emilia und ihre Eltern bedeutet dieser Tag das Ziel ihrer Träume – die Hochzeit mit Graf Appiani. Ebenso ist es der Tag des Abschieds, der Emilia mit ihrem Mann weit hinaus führen soll, auf dessen Besitzungen in die Berge, endlich fort aus den Intrigen der Stadt. Aber für Graf Appiani beginnt ein Tag des Zweifels – muss er sich vom Prinzen verabschieden, muss er ihm von seiner Hochzeit erzählen, bevor er endgültig den Hof verlässt? Für den Prinzen beginnt ein fürchterlicher Tag – allerdings nur ein weiterer in einer langen Reihe.

Während seine vormalige Geliebte Gräfin Orsina immerfort Zugang zu ihm begehrt, erfährt er, dass die unerreichte Frau seiner vielen Tagträume heute heiraten wird: Emilia Galotti. Sein Versuch, Emilia in der Kirche zu sprechen, scheitert ebenso kläglich wie seine Versuche, sich für den Alltag des Regierens zu interessieren. Für Marinelli, den Berater des Prinzen, wird dieser Tag zur Meisterprüfung: Mit großer Kaltblütigkeit wird er, der Unterschätzte und Übersehene, derjenige sein, der seinem Prinzen die junge Emilia zuführt – koste es, was es wolle. Und Gräfin Orsina wird am Ende des Tages diejenige sein, die mit großer Klarheit diesen Tag durchschaut, der Emilia Galotti und Graf Appiani das Leben kostet.

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Der Lauf eines einzigen Tages genügt Gotthold Ephraim Lessing, um in größter Dichte und Verschneidung den Figuren den Boden ihres Lebens zu entreißen. Eine dunkle, scharf gestanzte Geschichte erzählt Lessing – in unaufhaltsamer Motorik angetrieben von labilen, überhitzten und zerstörerischen Charakteren. Eine Geschichte, in der weniger die Frage der Zugehörigkeit zu Hof oder Bürgertum eine Trennlinie bildet als vielmehr die Frage, wer mit sich selbst im Reinen ist und wer nicht. Und wer sich zu früh freut, der hat als Allererster verloren.

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