20.12.2013 08:00 Bete zu Gott

Theater in Köln: Judith - Tragödie von Friedrich Hebbel

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Holofernes ist nicht Gott, aber er fühlt sich ihm ebenbürtig; (c) Klaus Lefebvre

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Von: GFDK - Schauspiel Köln

Am Ende trägt sie in ihrem Bauch möglicherweise sein Kind. Und ganz gewiss in einer Plastiktüte seinen Kopf, den sie ihm mit seinem eigenen Schwert abgeschlagen hat. Was ist das für ein Gott, der solches Spiel zulässt? Und wer sind die Menschen, die zu solchem Wüten und zu solcher Leidenschaft im Stande sind?

Holofernes ist nicht Gott, aber er fühlt sich ihm ebenbürtig. Denn am Anfang steht sein Wort, und sein Wort wird Vernichtung: Als Feldherr unterwirft er mit gnadenloser Grausamkeit ganze Völker, eine Blutspur der Tyrannei markiert seinen Weg durchs Land. Er hat geschworen, das Volk komplett auszulöschen, das sich ihm als letztes unterwerfe.

Theater in Köln

Dieses Volk, das sind die Ebräer, deren Stadt Bethulien Holofernes belagern lässt und von der Wasserversorgung abschneidet, so dass es in der Stadt nur zwei Möglichkeiten gibt: ohne Wasser zugrunde gehen oder sich dem Blutrausch des Holofernes ausliefern. Eine Situation, in der man nur verlieren kann. Zumal auch Gott hier noch ein Wörtchen mitzureden hat. Denn die Ebräer sind nicht irgendein, sondern Gottes auserwähltes Volk.

Judith glaubt an diesen Gott und fühlt sich ihm nahe, wie kaum eine in Bethulien. Ihr Glaube ist ihre Stärke, wie sonst nur noch ihre Schönheit. Und schön ist sie. Fast furchterregend schön. Und mutig. Als in der Stadt keine Hoffnung mehr ist und Gott nur noch widersprüchliche Zeichen sendet, begibt sie sich in das Lager des Holofernes. Und in sein Bett. Um ihre Stadt durch dieses Opfer zu befreien. Eine Heldin. Eine Märtyrerin.

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Wirklich? Oder ist es doch die Anziehungskraft dieses rücksichtslosen Mannes, der sie nicht widerstehen kann? Und sucht er nicht endlich eine, die den Mut hat, sich ihm entgegenzustellen und ihn so zu überwinden?

Hebbel entlehnt die Geschichte seiner Judith den apokryphischen Schriften des Alten Testamentes. Mit der Wucht dieser großen alten Geschichte lässt er zwei Menschen aufeinanderprallen, die sich in ihrem Stolz, ihrer Unerschrockenheit und der Unmäßigkeit ihrer Gefühle gleich und dadurch bei aller Feindschaft nahe sind. Und von denen einer sich unterwerfen muss. Deshalb ist Holofernes am Ende tot. Und sein Kopf in Judiths Plastiktüte. Doch in Judith lebt er weiter, mit aller Macht, der nur einer Einhalt gebieten kann. Gott. Der sich endlich bekennen muss. »Ich will dem Holofernes keinen Sohn gebären! Bete zu Gott, dass mein Schoß unfruchtbar sei. Vielleicht ist er mir gnädig!«

nicola.vonjenisch@stadt-koeln.de