01.09.2014 09:00 drei Freundinnen

Theater in Köln: Die Präsidentinnen - Fäkaliendrama von Werner Schwab

theater koeln

Die drei Freundinnen Erna, Grete und Mariedl treffen sich zum gemeinsamen Fernsehabend; (c) Leonard Zubler

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Von: GFDK - Schauspiel Köln

Die drei Freundinnen Erna, Grete und Mariedl treffen sich zum gemeinsamen Fernsehabend. Auf dem Programm steht eine Live-Übertragung der Papstmesse.

Theater in Köln

Es ist eigentlich ein ganz normaler Abend: ein Glaserl Wein, gegenseitige Beschimpfungen, Bloßstellungen, Bezichtigungen. Die geizige Erna beschwert sich über ihren Sohn Herrmann, der lieber säuft, als ihr Enkelkinder zu schenken. Auch Gretes Tochter Hannelore ist in den Augen ihrer Mutter ein Problemkind. Sie lebt in Australien und hat den Kontakt abgebrochen. Die Putzfrau Mariedl schwärmt von ihrem Beruf, der für sie eine Berufung ist – sie reinigt Aborte mit frommem Eifer: »Mich würgt es halt auch wirklich überhaupt nicht, wenn ich hinunter greife in die Muschel, ich opfere das auf für unseren Herrn Jesu Christ, der für uns am Kreuze gestorben ist.«

Kraft ihrer Phantasie gelingt es den Dreien schließlich, sich aus dem Alltagsmief hinauszukatapultieren. Sie finden sich auf einem großen Volksfest wieder. Erna sinkt in die Arme des im Geheimen schon lange begehrten Mannsbildes und Fleischers Wottila. Grete träumt sich ins Eheglück mit dem stattlichen Tubaspieler der örtlichen Tanzcombo. Und Mariedl zelebriert unter dem Jubel der Menge die Reinigung von Aborten als heiligen Akt. Sie reißt schließlich den Traum ganz an sich und beschmutzt die schöne Illusion, indem sie Herrmann auf dem Volksfest erscheinen lässt, der sogleich auf seine Mutter Erna und ihren Wottila losgeht. Und auch Grete bekommt ihr Fett weg. Ihre Träume aber lassen sich Erna und Grete nicht beschmutzen. Kurzerhand gehen sie Mariedl an die Gurgel.

Freunde der Kunst

Jan Bosses Inszenierung erlebte 2005 am Zürcher Schauspielhaus Premiere. Aufgrund des großen Erfolgs wanderte sie zusammen mit den drei Darstellerinnen Olivia Grigolli, Yvon Jansen, Karin Neuhäuser von Theater zu Theater – von Zürich über Frankfurt, Berlin und Hamburg nach Köln.

am 14.09.2014

nicola.vonjenisch@stadt-koeln.de