25.03.2014 09:00 von William Shakespeare

Theater in Köln: Der Kaufmann von Venedig - Fragen nach Recht und Unrecht, nach Gesetz und Moral

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Ich weiß nicht, warum ich so traurig bin; (c) Thomas Aurin

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Von: GFDK - Schauspiel Köln

»Ich weiß nicht, warum ich so traurig bin.« Mit diesen ersten Worten stolpert der Kaufmann Antonio mitten hinein in Shakespeares Komödie. Und damit hinein in ein Venedig, das nicht nur einer der größten und modernsten Handelsplätze der Welt ist, sondern auch ein Ort des Feierns, des Rausches und der ewigen Suche nach Glück und Liebe.

Theater in Köln

Der traurige Antonio ist umringt von einer Horde wilder junger Männer, die sich vor allem darauf verstehen, die guten Seiten des Lebens zu genießen. Der von ihnen, der Antonio am nächsten, ja der liebste von allen ist, ist Bassanio. Und Bassanio braucht Geld. Er selbst hat gerade nichts: zuviel gelebt, zuviel gefeiert. Doch nun benötigt er dringend das nötige Kleingeld um die schöne und reiche Portia zu freien. So kommt es zu einem Pakt: zwischen dem Kaufmann Antonio und dem Juden Shylock, der wiederum zwar Geld hat, dessen Ruf als Wucherer aber denkbar schlecht ist. Doch nicht Zinsen will Shylock diesmal von Antonio, der für Bassanio bürgt, sondern »Ein Pfund Fleisch von Eurem Fleisch« herausgeschnitten aus dem Leib des Bürgen Antonio, sollte der Schuldschein platzen.

Ein Scherz unter Geschäftsleuten, unter verhassten Konkurrenten, vielleicht sogar eine Art Friedensangebot. Bassanio jedenfalls gewinnt Portia, doch Antonio verliert alle seine Schiffe und kann nicht zahlen. Und Shylock macht Ernst aus dem vermeintlichen Scherz und fordert seinen Schuldschein ein.

Freunde der Kunst

Es sind nur vordergründig die Fragen nach Recht und Unrecht, nach Gesetz und Moral, die Shakespeares »Kaufmann« so aufregend machen. Die eigentliche Geschichte erzählt Shakespeare in der Doppelbödigkeit der Menschen, die hinter diesen Fragen stecken. Denn sie alle haben zwei Gesichter, sind mal Opfer und mal Täter. Mal leidet man mit ihnen, mal verachtet man sie. Oft beides zur gleichen Zeit. Denn es lässt sich eben nicht objektiv klären, wer hier eigentlich gut und wer böse ist. Und auch nicht, wer in diesem hochemotionalen Spiel wen wirklich liebt. Vielleicht erklärt das, warum Antonio so traurig ist.

nicola.vonjenisch@stadt-koeln.de