02.04.2012 07:40 verschmilzt religiöse Legenden und mythologische Anspielungen

Theater in Kassel: PARSIFAL - Bühnenweihfestspiel in drei Akten von Richard Wagner am 6.4.2012

Von: Juliane Clobes

Bei den Rittern der Gralsburg herrscht tiefe Niedergeschlagenheit: König Amfortas leidet an einer unheilbaren Wunde, zugefügt vom Widersacher Klingsor, den er mit dem heiligen Speer vernichten wollte. Doch in Klingsors Zauberschloss erlag Amfortas den Reizen Kundrys und verlor den Speer. Rettung könne, so die geheimnisvolle Ankündigung des Grals, nur von jemandem kommen, der „durch Mitleid wissend, der reine Tor“ sei.

Als ein Jüngling auftaucht, der in offensichtlicher Unkenntnis des Grals und seiner Regeln einen Schwan erlegt hat, ahnen die Ritter, er könnte es sein. Doch bis aus dem törichten jungen Mann der ersehnte Erlöser wird, muss er noch einen weiten Weg zurücklegen. In Klingsors Zaubergarten trifft er Kundry, die einst Jesus verlacht hatte und seitdem Erlösung von ihrer Schuld sucht. Sie nennt ihm seinen Namen: Parsifal. Es gelingt ihm, ihren Verführungskünsten zu widerstehen, doch erst nach Jahren des Irrens findet er am Karfreitag zurück zur Gralsburg, heilt Amfortas und wird selbst zum Gralskönig.

 

In seinem letzten Musikdrama verschmilzt Wagner religiöse Legenden und mythologische Anspielungen mit dem mittelalterlichen „Parzival“-Stoff zum „Bühnenweihfestspiel“, das zwei Sphären einander gegenüber stellt: die reine Welt der Gralsritter, die durch Amfortas‘ Wunde und den Verlust des Speers versehrt ist, und die sinnlich lockende Welt Klingsors, der die Ritter zum Bruch ihres Keuschheitsgelübdes verleiten will. Über allem steht der Gedanke der „Erlösung“ mittels einer von Schopenhauer inspirierten Ethik des Mitleids und der Askese.

Musikalisch erschließt „Parsifal“ eine neue Klangwelt. Es ist das Werk, „in dem Wagner ankommt in seiner ganz eigenen Tonsprache“ (Patrik Ringborg).

 

Christian Elsner (Parsifal) hat sich mit seiner gefeierten Interpretation der Titelpartie in einer konzertanten „Parsifal“-Aufführung in der Philharmonie Berlin im April 2011 endgültig auch als Wagnertenor etabliert. Der Tagesspiegel schrieb: „Parsifal hat in Christian Elsner seinen Trauminterpreten gefunden, glasklar in der Artikulation, mit dem überwältigenden Nuancenreichtum seines biegsamen lyrischen Tenors.“

Christian Elsner studierte Gesang bei Martin Gründler, Dietrich Fischer-Dieskau und Neil Semer und ist Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe. Als Konzertsänger ist er regelmäßiger Gast bei internationalen Festivals und in allen wichtigen Konzertsälen der Welt. Er arbeitete mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Adam Fischer, Carlo Maria Giulini, Nikolaus Harnoncourt, Thomas Hengelbrock, Marek Janowski, Mariss Jansons, Fabio Luisi, Sir Neville Marriner sowie David Zinman zusammen und war an zahllosen Rundfunkaufnahmen und vielen CD-Produktionen beteiligt. Darüber hinaus unterrichtet Christian Elsner als Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in Würzburg.

 

Silvia Hablowetz (Kundry) studierte Gesang an der Musikhochschule in Detmold und an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Bei zahlreichen renommierten Wettbewerben wurde sie mit Preisen ausgezeichnet und sie wirkte noch während des Studiums in verschiedenen Opernproduktionen mit. Ein erstes Festengagement führte Silvia Hablowitz an das Theater Bielefeld, weitere Stationen waren Karlsruhe, Freiburg und Lübeck. Am Pfalztheater Kaiserslautern verkörperte sie in der Spielzeit 2007/2008 vier verschiedene Frauenfiguren in Erwin Schulhoffs Oper „Flammen“. Am Staatstheater Wiesbaden gab sie 2009 ein viel beachtetes Debüt als Brangäne in Wagners „Tristan und Isolde“. 2010 debütierte die Mezzosopranistin an der Opéra National de Paris als Waltraute in der Neuproduktion „Die Walküre“.

 

Espen Fegran (Amfortas) schloss sein Studium an der Osloer Musik- und Opernhochschule 1985 ab und bekam direkt im Anschluss ein Engagement an der Nationaloper Oslo. 1988 zog es ihn an das Hessische Staatstheater in Wiesbaden, und 1990 verkörperte er in der Fernsehoper „Juri Gagarin“ von Haakon Berge die Titelrolle. Ab 1992 arbeitete Espen Fegran freiberuflich. Seit der Spielzeit 2009/2010 gehört er zum Ensemble des Staatstheaters Kassel, wo er seitdem u.a. als Beckmesser in „Die Meistersinger von Nürnberg“, als Lear in Aribert Reimanns gleichnamiger Oper, als Jago in „Otello“ und Graf Telramund in „Lohengrin“ zu erleben war.

 

Patrik Ringborg, geboren in Stockholm, ist seit der Spielzeit 2007/2008 Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel und hat hier bereits die Wagner-Produktionen „Der fliegende Holländer“, „Die Meistersinger von Nürnberg“  und „Lohengrin“ geleitet. Gastdirigate führten ihn zu zahlreichen deutschen Orchestern, zu allen großen schwedischen Orchestern sowie nach Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Norwegen, Spanien, Ungarn und Österreich.

Als 1. Gastdirigent der Göteborger Oper dirigierte er dort seit dem Debüt mit „Tannhäuser“ 1998 sämtliche Wagner-Produktionen, darunter 2003 die Göteborger Erstaufführung von „Tristan und Isolde“. Sein Operndebüt in Stockholm folgt im kommenden Jahr mit einer Neuproduktion von „Parsifal“.

 

Helen Malkowsky studierte Musik in ihrer Heimatstadt Dresden. Nach ersten Regie-Erfahrungen in der Opernklasse der Hochschule für Musik folgten Engagements als Regieassistentin und Abendspielleiterin und parallel dazu schon erste eigene erfolgreiche Inszenierungen. Von 2004 bis 2008 war Helen Malkowsky Oberspielleiterin am Staatstheater Nürnberg (Inszenierungen u.a. „Der Rosenkavalier“, „Der fliegende Holländer“). Seit der Spielzeit 2010/11 ist sie Operndirektorin am Theater Bielefeld, wo sie zuletzt „Don Giovanni“ und „Peter Grimes“ inszeniert hat.

 

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Helen Malkowsky, Bühne: Harald B. Thor, Kostüme: Tanja Hofmann, Dramaturgie: Dorothee Hannappel, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

 

Mit Christian Elsner a. G. (Parsifal), Silvia Hablowetz (Kundry), Espen Fegran (Amfortas),  Marc-Olivier Oetterli (Klingsor), Mario Klein (Gurnemanz), Krzysztof Borysiewicz (Titurel), Jürgen Appel (1. Gralsritter/4. Knappe), Tomasz Wija (2. Gralsritter), Nina Bernsteiner (1. Knappe/Blumenmädchen), Maren Engelhardt/Egle Sidlauskaite (2. Knappe/Blumenmädchen), Gideon Poppe (3. Knappe), LinLin Fan (Blumenmädchen), Ingrid Fröseth a. G. (Blumenmädchen), Runette Botha (Blumenmädchen), Ulrike Schneider (Blumenmädchen/Stimme aus der Höhe)

 

Premiere: Freitag, 6. April (Karfreitag), 17 Uhr, Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 9.4., 22.4., 29.4., 6.5. und 12.5. jeweils um 16 Uhr

 

Juliane Clobes 

Pressereferentin 

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