24.06.2014 08:00 William Shakespeare

Theater in Kassel: Macbeth - Shakespeares kürzeste und schwärzeste Tragödie

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Ein Drama schlafloser Nächte, die der Held durchwandert, von Vision zu Vision, wie der Prophet einer Bibel ohne Gott; (c) N. Klinger

Von: GFDK - Staatstheater Kassel

Macbeth ist ein Held. König Duncan hieß ihn eine Revolte niederschlagen und Macbeth war siegreich.

Theater in Kassel

Als der Feldherr und sein Freund Banquo vom Schlachtfeld ziehen, erscheinen drei Hexen. Sie prophezeien, künftiger König von Schottland werde – Macbeth! Es ist vor allem Lady Macbeth, die daraus den Schluss zieht: Königsmord. In gleicher Nacht schreitet das Ehepaar zur Tat. Geschickt lenkt die Lady den Verdacht auf den Königssohn, der nach England flieht. Am nächsten Morgen ist Macbeth König. Die Hexen sprachen indes ein zweites Orakel: Banquo werde zwar nicht König, aber Vater eines Königs. Die Macbeths sind kinderlos, ihr Kind starb.

Macbeth handelt sofort, er dingt Mörder. Der Anschlag auf Banquo und Sohn gelingt zwar nur halb, doch die Kettenreaktion des Mordes ist bereits unaufhaltsam. Mehr Terror, noch mehr Tote, so viele neue Prophezeiungen, dass jede Zukunft implodiert. Das Nichts, das sich in Schottland ausbreitet, treibt die Lady in den Wahn. In England rüstet Duncans Sohn zum Gegenschlag. Aber Macbeth schreitet entschlossen weiter, sehenden Auges, mit immer blutigeren Händen.

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Shakespeares MACBETH von 1606 ist seine kürzeste und schwärzeste Tragödie. Ein Drama schlafloser Nächte, die der Held durchwandert, von Vision zu Vision, wie der Prophet einer Bibel ohne Gott. Je mehr er sieht, dass seine Welt nur absurdes Märchen ist, desto furchtloser und wilder wird er, um der Natur ein Schicksal abzutrotzen. So ist MACBETH, jenes Stück der Visionen, zugleich Shakespeares Vision: die des postmodernen Menschen. Denn sein Macbeth glaubt nicht an Schuld. Nicht an Vergebung. Nur an Macbeth.

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