23.06.2014 08:00 Theaterhaus

Theater in Jena: König Ubu - Sommerspektakel von Alfred Jarry
 zur Eröffnung der Kulturarena Jena 2014

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Vater Ubu, der dümmste, gefräßigste, feigste und stinkendste König der Theatergeschichte, ist nur durch einen hinterhältigen Mord auf den polnischen Thron gekommen; (c) Theaterhaus Jena

Von: GFDK - Theaterhaus Jena

Mutter Ubu:An deiner Stelle würde ich ebendiesen Arsch auf einen Thron setzen. Dann könntest du deine Reichtümer sagenhaft vermehren, jede Menge Leberwurst essen und in einer Kutsche durch die Straßen fahren. Vater Ubu:Ach Schoiße, du bist eine Laberwurst, aber was für eine!

Theater in Jena

Ritter in Unterhosen, Dixi-Klos als Wachhäuschen, Shakespeare-Pathos, Slapstick, alberne Schlachten und ein moderner Sängerkrieg: im diesjährigen Sommerspektakel ist alles möglich.

Vater Ubu, der dümmste, gefräßigste, feigste und stinkendste König der Theatergeschichte, ist nur durch einen hinterhältigen Mord auf den polnischen Thron gekommen. Und selbst das war nicht seine eigene Idee, seine Frau musste ihn mit der Aussicht auf jede Menge Leberwurst zum Putsch überreden. Einmal an der Macht tyrannisiert er die Bevölkerung mit maßlosen Steuern, die einzig seiner persönlichen Bereicherung dienen, und jeder, der sich widersetzt, wird kurzerhand „enthirnt“ – bis der russische Zar Ubus Armee auf seinem Feldzug vernichtend schlägt. Doch Ubu kann sich feige nach Frankreich flüchten, wo er sich zum Finanzminister ernennen lassen will.

Vater Ubu: Bei meiner grünen Rotze, das wird schön!

Die Uraufführung von „König Ubu“ 1896 provozierte einen Theaterskandal. Schon nach dem ersten Wort, „Merdre!“ – abgeleitet vom französischen „Merde“, Scheiße – verließ ein Großteil des Publikums den Saal. Schon nach zwei Aufführungen musste das Stück abgesetzt werden und wurde dann erst mit dem Entstehen des absurden Theaters wiederentdeckt.

Was damals als Verstoß gegen die Wohlanständigkeit auf der Bühne für Aufsehen sorgte, ist heute immer noch auf einer mehr inhaltlichen Ebene anstößig: da kommt ein zutiefst unmoralischer Mensch in eine hohe Machtposition, mordet und stiehlt und versucht nicht einmal seine egoistischen Absichten hinter gesalbten Worten zu verbergen – ganz offen spricht er sein Regierungsprogramm aus: persönliche Bereicherung zu Lasten des Volkes. In der Figur des König Ubu versammeln sich alle schlechten Eigenschaften und niederen, animalischen Triebe des Menschen.

Freunde der Kunst

Alfred Jarry hat mit seiner berühmten Figur eine Umkehrung der großen Könige aus den Shakespeare’schen Dramen, die neben Jarrys Physiklehrer aus dem Gymnasium als Vorlage dienten, geschaffen. Waren in der Theatergeschichte bis dahin die Könige wenn nicht als moralische Vorbilder, so doch stets als feingeistige, gebildete und kluge Helden aufgetreten, ist von Erhabenheit bei König Ubu rein gar nichts mehr zu spüren. Was als großes Festessen beginnt, endet mit einer Klobürste, wo gewählte, tiefsinnige Worte stehen sollten, hört man Vater und Mutter Ubu fluchen, wo Tapferkeit und Ehrgefühl zu erwarten wären, regieren Feigheit und Kleingeistigkeit.

Der ständige Wechsel zwischen erwarteter Größe und tatsächlichem Blödsinn ist auch Ausgangspunkt für die Inszenierung. Gemäß des Formats Sommerspektakel treten Ensembleschauspieler und Statisten in groß angelegten Schlachtaufstellungen auf die Bühne, die dann wohl eher in albernen Kloppereien enden. Auf Pathos folgt Groteske, auf Shakespeares „Macbeth“ und „Hamlet“ Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“.

10.07.2014, 21:30 Uhr, Theatervorplatz

presse@theaterhaus-jena.de