11.10.2013 09:00 von Anton Tschechow

Theater in Hamburg: Platonow - bildet das pralle Leben in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit ab

platonow am thalia theater in hamburg

genaue Beobachtung des Banalen; (c) Krafft Angerer

platonow stueck von  Anton Tschechow am thalia theater hamburg
Von: GFDK - Thalia Theater

Wie jedes Jahr: Die Städter ziehen auf ihr Gut aufs Land, um dort den Sommer zu verbringen. Die Ortsansässigen erwachen aus ihrem langen Winterschlaf und wie immer trifft man sich bei der Generalin Anna Petrowna, der jungen Witwe, um die ewigen Rituale der Saison wieder aufzunehmen.

Theater in Hamburg

Neuigkeiten werden ausgetauscht, der Alkoholpegel steigt und zwischen den Themen Liebe und Geld erahnt man das Endspiel einer Gesellschaft, in dem alle hungrig nach Möglichkeiten zum Aufbruch in ein neues Leben suchen – gierig nach Veränderung, gleichzeitig in ihren Krisen festgefahren. Platonow, der mit seinen schonungslosen Bemerkungen für gefährliche Unterhaltung sorgt, wirkt wie ein Brandbeschleuniger.

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Selbst unfähig, aus seinen Beobachtungen prinzipielle Konsequenzen für sein eigenes Leben zu ziehen, übt er eine fatale Anziehungskraft auf Frauen aus. Es kommt zu unent wirrbaren emotionalen Verstrickungen. Und am Ende wird bezahlt: mit dem Besitz, der einem schon längst nicht mehr gehört und dem bisherigen Leben, in dem man sich nicht einrichten konnte. Die einen kassieren ab, die anderen werden vertrieben.

Schauspiel in Hamburg

„Das Stück ohne Titel“, auch „Die Vaterlosen“ und üblicherweise „Platonow“ genannt, hat Tschechow vermutlich im Alter von 18 Jahren geschrieben. Schon in diesem ersten Theaterstück zeigt sich seine große Gabe, über die genaue Beobachtung des Banalen den Kern des existentiellen Dramas wiederzugeben. Es ist ein wildes Ungetüm, ein bewundernswerter Versuch, das pralle Leben in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit abzubilden.

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