20.03.2015 09:00 von Albert Camus

Theater in Graz: Das Missverständnis - man kann im Vergessen nicht glücklich sein

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Mit Jans Heimkehr lässt Camus, selber Wanderer zwischen den Welten, zwei historisch und geografisch weit auseinander liegende Lebensgefühle kollidieren; (c) Lupi Spuma

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Von: GFDK - Schauspielhaus Graz

„Man kann im Vergessen nicht glücklich sein“. Also kehrt Jan zurück in seine Heimat, die er vor zwanzig Jahren verlassen hatte.

Theater in Graz

Entgegen dem Rat seiner Frau Marie mietet er sich unter falschem Namen in dem unwirtlichen Gasthof bei Mutter und Schwester ein. Aus der Deckung will er die Verhältnisse beobachten, um entscheiden zu können, was ihm Heimat und Familie bedeuten. Aber der Erkennungsprozess gerät zum kommunikativen Missverständnis. Jan weiß nicht, dass die beiden Frauen ihre Existenz mit Raubmord an Alleinreisenden bestreiten.

Längst haben sie alle moralischen Skrupel abgelegt. Gewohnheit beginnt beim zweiten Verbrechen. Und „was man nicht kennt, ist leichter zu töten.“ In seinem dreiaktigen Drama, uraufgeführt 1944 im besetzten Paris, behandelt Camus die Frage von Heimat und Exil mit der Wucht einer antiken Schicksalstragödie. Sein Roman Der Fremde (1942), der Essay Mythos des Sisyphos (1943) und Das Missverständnis bilden einen Themenkomplex, in dem Camus die als absurd empfundene menschliche Existenz verarbeitet.

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In Das Missverständnis setzt er der Vernichtungskraft Europas die Vision einer freien menschlichen Existenz entgegen; das Synonym dafür ist das Meer. Mit Jans Heimkehr lässt Camus, selber Wanderer zwischen den Welten, zwei historisch und geografisch weit auseinander liegende Lebensgefühle kollidieren.

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