03.05.2013 09:00 von Ödön von Horváth und Lukas Kristl

Theater in Göttingen: Glaube Liebe Hoffnung - beginnt vor dem Anatomischen Institut einer großen Stadt

glaube liebe hoffnung goettingen

Es ist der Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932. Die Arbeitslosigkeit hat einen historischen Höchststand erreicht; (c) Michaela Oswald

Von: GFDK - Deutsches Theater in Göttingen

GLAUBE LIEBE HOFFNUNG beginnt vor dem Anatomischen Institut einer großen Stadt. Es ist der Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932.

Theater in Göttingen

Die Arbeitslosigkeit hat einen historischen Höchststand erreicht, heute würde man wohl leider von »griechischen Verhältnissen« reden müssen. Elisabeth braucht dringend 150 Mark, um eine Vorstrafe für das Arbeiten ohne Wandergewerbeschein zu bezahlen. Deshalb möchte sie schon jetzt zu Lebzeiten ihre zukünftige Leiche für die Forschung verkaufen. Aus Mitleid leiht ihr der Präparator das Geld, um ihr damit einen neuen Wandergewerbeschein und die Existenz zu finanzieren. Später wird er herausfinden, dass sie mit seinem Geld ihre Vorstrafe bezahlt hat, und erstattet Anzeige gegen sie. Elisabeth wird wegen Betrugs zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt.

Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf. Sie lernt vor dem Wohlfahrtsamt einen jungen Polizisten kennen und verliebt sich in ihn. Doch als der von ihren Vorstrafen erfährt, verlässt er Elisabeth aus Angst um seine Karriere. Verzweifelt und völlig entkräftet sieht die junge Frau bald keinen Ausweg mehr.

Freunde der Kunst

Ödön von Horváth schrieb GLAUBE LIEBE HOFFNUNG zusammen mit dem Gerichtsreporter Lukas Kristl. Ziel war es, sich einmal mit den kleinen Verbrechen, denen, die aus der absoluten Not der Zeit heraus geschehen, auseinander zu setzen. Eine kleine Verfehlung führt dazu, dass in diesem »kleinen Totentanz« eine junge Frau versucht anständig zu bleiben und doch stellvertretend für eine ganze Gesellschaft dem Abgrund entgegen taumelt. Nachdem Heinz Hilperts geplante Uraufführung des Stückes 1933 von den frisch gewählten Nationalsozialisten verboten wurde, ermöglichte er 1954 die Deutsche Erstaufführung am Deutschen Theater in Göttingen.

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