13.02.2012 07:50 Eine deutsche Alltagsgeschichte

Theater in Frankfurt: IRRUNGEN, WIRRUNGEN nach dem Roman von Theodor Fontane Frankfurt - Premiere am 15.2.2012

(c) DIE KATAKOMBE FRANKFURT

Von: DIE KATAKOMBE FRANKFURT

IRRUNGEN, WIRRUNGEN, behandelt das Thema einer nicht standesgemäßen Liebesbeziehung zwischen einem Kürassier-Offizier der königlich-preußischen Garde, Baron Botho von Rienäcker, und einer "Plätterin", Magdalene (Lene) Nimptsch, zum Ende des 19. Jahrhunderts. Lene und Botho lernen sich bei einer Bootsfahrt kennen.  Er bringt sie nach Hause und taucht immer öfter als gern gesehener Gast im Hause Nimptsch auf. Beide verbringen unbeschwerte gemeinsame Stunden, doch schwebt der Standesunterschied wie ein Damoklesschwert über der Beziehung.

Die Landpartie zu Hankels Ablage – von beiden als idyllischer Ausflug erhofft – bringt den sozialen Unterschied deutlich zu Tage: Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht tauchen plötzlich Bothos Offiziersfreunde auf und stören die innige Zweisamkeit aufs Empfindlichste. Ihr phrasenhafter Smalltalk und ihr offensichtliches Einverständnis zu unverbindlichen Affären bestärken Lenes Ahnung, dass ihre Liebe keine Zukunft hat: Botho gehört in eine andere Welt als die ihre. Bothos Mutter weist ihren Sohn eindringlich auf die Schulden der Familie Rienäcker hin. Sein Onkel Kurt Anton übt ebenso Druck auf ihn aus: Botho solle seine reiche Cousine Käthe von Sellenthin heiraten. Schließlich entscheidet sich Botho zur schmerzhaften Trennung, die, wie Lene sagt, "alles wieder zurechtrücken" soll.

Er heiratet Käthe, die sich als fröhliche, lebenslustige, aber äußerst oberflächliche Frau erweist. Doch er  kann die Erinnerung an Lene nicht verdrängen. Als Lene das scheinbar glückliche Paar Botho und Käthe auf der Straße beobachtet, bricht sie zusammen – auch für sie wiegen die Erinnerungen so schwer, dass sie Frau Nimptsch überredet, sofort umzuziehen. Nur weg aus dieser Gegend, die stets die Gefahr birgt, Botho zufällig über den Weg zu laufen.Schließlich entscheidet sich auch Lene für eine neue Ordnung: Sie heiratet Gideon Franke, einen wesentlich älteren, lebenserfahrenen Mann. Als Botho von Lenes Heirat durch eine Anzeige in der Zeitung erfährt, konstatiert er: "Gideon ist besser als Botho."

 

DIE INSZENIERUNG

Wenn man einen Roman für die Bühne bearbeitet bedeutet das zwangsläufig eine Beschränkung auf den Kern der Geschichte. Man kann schwerlich das bei Fontane breit geschilderte  Milieu der Berliner Gründerzeit auf die Bühne bringen, das war auch gar nicht unser Interesse.
Wir haben für diese Inszenierung bewusst einen radikal heutigen Ansatz gesucht, uns gefragt, was heutige Jugendliche noch an der Geschichte interessieren könnte.  Botho und Lene sind zwei junge Leute von heute, deren Liebesgeschichte an ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und der Unmöglichkeit, oder dem Unvermögen ihrer Herkunft zu entrinnen, scheitert. Beide bleiben in ihrem jeweiligen Milieu gefangen.
Dieses „Gefangensein in seiner Welt“ unterstreichen Bühnenbild und Dekoration mit einfachen, klaren Bildern.

Wir spielen in einem Käfig  aus Bauzaunelementen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Statt Möbel im klassischen Sinne gibt es  Würfel, deren verschiedene Seiten die unterschiedlichen Milieus – Lenes ärmliches Zuhause, Bothos Polstergarnitur, grünes Gras, in dem man für einen kurzen Moment vermeintliche Freiheit genießen kann – kennzeichnen. Sie dienen auch als Spielelement zum Erbauen von Türmen, Stegen und Landschaften. Theater ist jederzeit als lustvolles Spiel mit Fontanes Romanvorlage erkennbar.
Auch arbeiten wir mit dem Medium Film, das vor allem die Künstlichkeit und Unnatur von Bothos Welt veranschaulicht. Nach dem Bruch mit Lene ist für ihn nichts mehr wirklich, alles nur Oberfläche und Schein, seine Ehefrau ein Videoclip, den man an- und abschalten kann.

Auch den preußischen Militarismus, der in Fontanes Roman geschildert wird, übersetzen wir in heutige Bilder. Die Gewaltbereitschaft einer Gesellschaft wird durch Videokriegsspiele vorgeführt.  Wir haben uns von der konkreten Zeit des Romans  gelöst und führen eine heutige Spielart mit brutalen Videospielen und männlicher Aggression vor, die sich Opfer sucht. Diese Verrohung, der auch Botho in seinem Milieu unterliegt,bildet auch den Hintergrund, vor dem die Beziehung zwischen Lene und Botho scheitert.

 

 

DIE KATAKOMBE FRANKFURT
Versuch Nr. 315
52. Spielzeit 2011/2012
Premiere 15. Februar 2012, 20 Uhr

IRRUNGEN, WIRRUNGEN
Eine deutsche Alltagsgeschichte nach dem Roman von Theodor Fontane

Für die Katakombe dramatisiert und inszeniert von Carola Moritz
Bühnenbild: Atelier Fantomas
Videos: Mariana Brzostowski
Ton: Folker Seipelt
Musikproduktion: Ben Engel
Regieassistenz: Vera Hannah Schmidtke

Auf der Bühne:

Carolin Sophie Göbel - Lene Nimptsch
Hans-Peter Gastiger - Herr Dörr, Baron von Osten, Wirt, Balafré, Gideon Franke
Artur Molin - Baron Botho von Rienäcker
Carola Moritz / Christine Richter - Frau Nimptsch, Johann, Kellner Isabeau
Gabriele Nickolmann - Frau Dörr, Wedell, Baronin von Rienäcker


Virtuell zugeschaltet:

Felicia Groh -Käthe von Sellenthin
Vera Hannah Schmidtke - Käthes jüngere Schwester

 

Spieldauer:        ca. 2 Stunden 15 Minuten / 15 Minuten Pause

Termine:             15.2. (Premiere), 16.2., 29.2.,1.3.,7.3., 8.3., 9.3., 10.3, 28.3., 29.3. – 20 Uhr
                                 28.2., 27.3. – 19 Uhr


weitere Termine bis Sommer siehe  www.katakombe.de

Eintrittspreise:  28,-- / 24,-- / 20,--                                                          RMV-KombiTickets ermäßigt 15,--, Schulklassen  12,--                          RMV-KombiTickets      

Karten an allen bekannten Vorverkaufststellen sowie unter     www.katakombe.de,  
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