23.09.2014 08:00 von Leo Tolstoi

Theater in Essen: Anna Karenina - jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise

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Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich. Jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise; (c) Birgit Hupfeld

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Von: GFDK - Schauspiel Essen

“Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich. Jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.” – Mit diesen berühmten Worten, die das Unglück als nur individuell erfahrbar beschreiben, beginnt der zwischen 1873 und 1877 entstandene große Roman von Leo Tolstoi.

Theater in Essen

Das Verlangen nach der absoluten Liebe als private Utopie wird anhand dreier Handlungsstränge erzählt. Den Mittelpunkt bildet die Dreiecksgeschichte: Die verheiratete Anna und Graf Wronski lernen sich zufällig kennen und taumeln umgehend in ausschweifenden Gefühlen. Doch die bedingungslose Liebe wird nur kurz glücklich er- und gelebt, denn moralische Verpflichtungen, die Anna ihrem Mann Karenin und vor allem dem gemeinsamen Kind gegenüber empfindet, sowie die gesellschaftliche Ablehnung, die das Liebespaar erfährt, trüben die Beziehung.

Schuldgefühle, Wahnvorstellungen und die Eifersucht Annas führen schließlich in die Katastrophe. Zur gleichen Zeit steht die Ehe zwischen Dascha und Stefan, Annas Bruder, auf der Kippe. Er frönt dem Rausch, dem Seitensprung, so oft, bis für Dascha die Kluft zwischen ihrem Anspruch an die Liebe und der tristen Realität zu groß wird. Dagegen endet das Verhältnis zwischen Kitty, Daschas Schwester, und Lewin nach einigem Kummer, Zögern und Zaudern schließlich doch gut: Die beiden heiraten. Und kontrastieren damit deutlich den Misserfolg der anderen Beziehungen. Oder sind die beiden nur noch glücklich?

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In rasanten Wechseln aus epischen und dialogischen Passagen hat Armin ­Petras Tolstois Geschichte auf die wesentlichen Figuren komprimiert sowie die Konflikte zwischen den jeweiligen Partnern geschärft, womit er einen sehr aktuellen Beziehungsreigen entwirft. In dem behutsam modernisierten Text findet er poetische Sprachbilder, die die verzweifelte Sehnsucht nach persönlichem Glück und emotionaler Unbedingtheit illustrieren.

martin.siebold@tup-online.de