28.11.2013 08:00 Kammerspiele

Theater in Bonn: Leonce und Lena - ein Lustspiel von Georg Büchner

leonce und lena am theater bonn

Müßiggang ist aller Laster Anfang; (c) Thilo Beu

Von: GFDK - Theater Bonn

≫Müßiggang ist aller Laster Anfang≪, sagt Leonce, Prinz vom Reiche Popo, und streckt die Beine aus. Er soll die Staatsgeschäfte von seinem regierungsmüden Vater, König Peter, übernehmen, doch Leonce denkt gar nicht daran. Als König Peter ihn zu allem Überfluss auch noch mit einer fremden Prinzessin verheiraten will, ergreift Leonce die Flucht.

Theater in Bonn

Unterwegs trifft er auf eine Unbekannte: Prinzessin Lena, die sich ebenfalls auf der Flucht vor der staatlich verordneten Ehe befindet. Den jeweils anderen nicht erkennend, erleben Leonce und Lena ein bisher unbekanntes, von Überdruss und Übersättigung betäubtes Gefühl: Liebe? Erst nach der Trauung erkennt sich das zukünftige Königspaar.

Leonce und Lena von Georg Büchner

Valerio, von Leonce zum Staatsminister ernannt, beschließt die Geschichte mit einem verheißungsvollen Dekret, ≫dass, wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird; dass, wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist; dass jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird; und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommode Religion!≪

Freunde der Kunst

Valerios kühnes Bekenntnis zur Faulheit wird zum Leitmotiv der Aufführung von MIRJA BIEL und  JOERG ZBORALSKI. Die neuen Hausregisseure des Theaters Bonn arbeiten seit 2008 als Regie-Duo zusammen und haben ihre Wurzeln in der bildenden Kunst und Popkultur. Mirja Biel, gelernte Theatermalerin, studierte Regie in Hamburg, Joerg Zboralski studierte Kunst in Düsseldorf, ist Meisterschüler von Gerhard Richter und musikalischer Leiter des Festivals Theaterformen. Am Theater Bremen haben sie ihre Zusammenarbeit begonnen, die sie bisher u. a. an das Deutsche Theater Göttingen, das Nationaltheater Mannheim und ans Schauspiel Leipzig führte.

Geschichte von Leonce und Lena mit viel Musik und  Slapstick

Knapp vier Wochen nach Büchners 200. Geburtstag [17.10.1813] erzählen Biel/Zboralski die Geschichte von Leonce und Lena mit viel Musik, Slapstick und überbordender Groteske als Portrait einer verwahrlosten Müdigkeitsgesellschaft. Der legendäre Hamburger Musiker Knarf Rellöm führt als Conferencier und Liedermacher durch die Inszenierung, und Valerio und Leonce singen hedonistisch-heroisch statt von dem Fleig’ an d’r Wand den Rellöm-Bernadette-La-Hengst-Hit: Lass uns Drogen nehm’ und rumfahrn’.

michael.seeboth(at)bonn.de