13.06.2014 09:00 Trauerspiel von Friedrich Hebbel

Theater in Bonn: Die Nibelungen - kühne Helden und stolze Frauen, Macht und Rache, Liebe und Verrat

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Was als beinahe scherzhaftes Spiel beginnt, führt tief in die Abgründe menschlichen Handelns; (c) Thilo Beu

Von: GFDK - Theater Bonn

Kühne Helden und stolze Frauen, Macht und Rache, Liebe und Verrat, Eifersucht und Mord: Ausgehend vom deutschen Nationalepos Das Nibelungenlied, erzählt Hebbel mit DIE NIBELUNGEN seine Version der populärsten aller germanischen Heldensagen.

Es ist Ostersonntag am Hof des Burgunderkönigs Gunther. Man vertreibt sich die Zeit mit Musik und entspannten Gesprächen. Im Mittelpunkt des Interesses: die unbesiegbare Brunhild aus Isenland, die von Gunther begehrt wird. Da taucht der stürmische Held Siegfried auf und prahlt mit seinen Taten. Er erzählt vom Nibelungenhort, von Schwert und Tarnkappe – und vom Bad im Blut eines getöteten Drachen, das ihn unverwundbar gemacht hat. Als Siegfried sich in Gunthers schone Schwester Kriemhild verliebt, schlägt der König ihm einen Handel vor: Verschafft Siegfried ihm Brunhild, erhält er dafür Kriemhild zur Frau.

Theater in Bonn

Gemeinsam mit Gunther, seinen Brüdern und ihrem Onkel, Hagen von Tronje, bricht Siegfried nach Isenland auf. Dank der Tarnkappe gelingt es ihm, Brunhild für Gunther zu überwinden, und sie muss dem König als seine Braut nach Worms folgen. Doch weil sie sich Gunther körperlich verweigert, schickt Hagen Siegfried noch einmal unter dem Schutz der Tarnkappe zu Brunhild, um ihren Widerstand zu brechen. Als Kriemhild von dem falschen Spiel erfährt, setzt sie, ohne es zu wollen, eine Kette von Ereignissen in Gang, die mit Siegfrieds Ermordung beginnt und in einen Rachefeldzug Kriemhilds mündet, der in der Weltliteratur seinesgleichen sucht.

Was als beinahe scherzhaftes Spiel beginnt, führt tief in die Abgründe menschlichen Handelns. Im Jahr nach Hebbels 200. Geburtstag kehrt Siegfried nach Bonn zurück. Der Legende nach tötete er den Drachen unweit der Kammerspiele am Drachenfels in Königswinter und wurde so unverwundbar. Der bildkräftige Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson stammt aus Island, wo mit der Edda einst eine Verbindung zwischen Götterliedern der nordischen Mythologie und germanischer Heldendichtung wie der Nibelungensage geschaffen wurde.

Freunde der Kunst

Aus seiner ganz eigenen Perspektive unternimmt Arnarsson eine Annäherung an diesen ≫immer noch deutschesten aller Stoffe≪, wie Heiner Müller die Nibelungen nannte. 1978 in Reykjavik geboren, studierte Arnarsson Schauspiel an der Kunstakademie Island und Regie in Berlin. Seither inszeniert er als Reisender zwischen unterschiedlichen Theaterwelten in Island, Australien, Finnland, Deutschland und der Schweiz. Mit seinem Luzerner Peer Gynt gewann er das alternative Theatertreffen des Online-Portals nachtkritik.

michael.seeboth(at)bonn.de