25.09.2014 09:00 von Felicia Zeller

Theater in Bern: X-Freunde - es war Liebe auf den ersten Blick

theater bern

Mit abgründigem Humor, Sprach(aber)witz und tragikomischen Pointen serviert die Autorin ein Sprachkunstwerk über die Realitäten der Arbeitswelt; (c): Annette Boutellier

schauspiel bern
Von: GFDK - KONZERT THEATER BERN

Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen Anne und Holger: zwei Bestimmer, die füreinander bestimmt waren.

Theater in Bern

Jahre später arbeitet Anne Tag und Nacht in ihrer Werbeagentur, derweil Holger arbeitsloser Spitzenkoch ist, der mit radioaktiv verseuchten Scampi seinen Ruf ruiniert hat. Holgers bester Freund Peter, der als Bildhauer an einer Serie mit dem Titel «X-Freunde» arbeitet, steht kurz vor deren Vollendung, verbringt jedoch seine Tage lieber mit dem Verfassen von Twitter-Nachrichten als dem Bearbeiten von Steinen.

Als Holger einen Luxusurlaub organisiert, um die von Annes Arbeitswut bedrohte Ehe zu retten, eskaliert das Ganze, da Anne selbst auf der Trauminsel lieber mit ihrem Laptop zusammen ist als mit ihrem Mann. Der in jeder Hinsicht überflüssig gewordene Holger bringt sich um, und Peter zertrümmert seinen «Letzten Freund» zu Staub – womit er in der Kunstwelt einen riesigen Erfolg landet.

Die arbeitssüchtige Chefin, die mit ihrem «Anti-Gleichgültigkeitskonzept» die kapitalistischen Marktmechanismen bedient; der Künstler in der Schaffenskrise, bedroht von digitalen Ablenkungen aller Art; der Arbeitslose, dem Geld, Hoffnung und Privatleben abhandenkommen – hinter allen lauert die Frage, was eigentlich auf der Strecke bleibt, wenn der Mensch sich ausschliesslich über seine Arbeit definiert.

Mit abgründigem Humor, Sprach(aber)witz und tragikomischen Pointen serviert die Autorin ein Sprachkunstwerk über die Realitäten der Arbeitswelt und die Neurosen der heutigen kreativen Leistungsträger.

Freunde der Kunst

susanne.schaefer[at]konzerttheaterbern.ch