19.09.2013 08:00 Zarskaja newesta

Theater in Berlin: Die Zarenbraut - Oper von Nikolai Rimsky-Korsakow

Die Zarenbraut am staatsoper berlin

Daniel Barenboim eröffnet die Saison mit einem zentralen Werk der slawischen Opernliteratur; (c) Stephanie Lehmann

Von: GFDK - Staatsoper Berlin

Daniel Barenboim eröffnet die Saison mit einem zentralen Werk der slawischen Opernliteratur, das hierzulande viel zu wenig bekannt ist: »Die Zarenbraut« von Nikolai Rimsky-Korsakow. Regie führt Dmitri Tcherniakov, der seit seinem Boris Godunow an der Staatsoper Unter den Linden 2005, seiner ersten Arbeit außerhalb Russlands, einer der gefragtesten Opernregisseure weltweit ist.

Theater in Berlin

Die Moskauer Alexandrowkische Vorstadt, im Herbst des Jahres 1571. In Russland herrscht Zar Iwan IV., von seinen Zeitgenossen »Grosny« (eigentlich »der Strenge«, zumeist aber mit »der Schreckliche « übersetzt) genannt. Mit Hilfe seiner Leibgarde, den Opritschniki, hat er ein regelrechtes Terrorregime errichtet, das Wenige begünstigt und Viele unterdrückt. Als Witwer drängt es ihn, sich erneut, zum mittlerweile dritten Mal, zu vermählen. Nicht weniger als 2000 junge Frauen werden ihm vorgestellt, eine von ihnen soll seine Braut werden. Die Wahl des Zaren fällt auf die schöne Marfa Sobakina, die Tochter eines Kaufmanns aus Nowgorod. Sie liebt zwar den Bojaren Iwan Lykow, beugt sich aber dem Willen des Monarchen und dem Wunsch ihres Vaters.

Eingebettet ist diese Brautschau in eine tragische Geschichte von Liebe, Eifersucht, Intrige, Verrat und Tod. Denn kurz nach der Hochzeit erkrankt Marfa und stirbt unter mysteriösen Umständen. Offensichtlich war Gift im Spiel – wer es gemischt und wann wem gegeben hat, kommt erst am Ende wirklich ans Licht. Gleich mehrere Personen sind in das undurchsichtige Geschehen verwickelt: der einflussreiche, machtbewusste Opritschnik Grigory Grjasnoj ebenso wie dessen frühere, zunehmend verzweifelter werdende Geliebte Ljubascha und des Zaren skrupelloser Leibarzt Bomelius. Der Zar selbst tritt nur einmal stumm auf, häufiger kommt jedoch die Rede auf ihn – und auch musikalisch ist er überaus präsent. Mehrfach erklingt seine Hymne, seine Anhänger singen ihm Lob, und doch liegt der Schatten seiner Schreckensherrschaft drohend über allem.

Oper in Berlin

Nikolai Rimsky-Korsakow, der jüngste Vertreter des sogenannten »Mächtigen Häufleins«, das sich dem Aufbau einer national geprägten russischen Musikkultur verschrieben hatte, wollte mit seiner Zarenbraut eine große tragische Oper vor einem realen geschichtlichen Hintergrund schreiben, ähnlich wie Mussorgsky mit »Boris Godunow«. Die damals wie heute umstrittene Gestalt von Zar Iwan Grosny hatte Rimsky-Korsakow bereits in seinem ersten Opernwerk »Das Mädchen von Pskow« von 1868 in den Mittelpunkt gestellt. Drei Jahrzehnte später nun komponierte er »Zarskaja Newesta« (»Die Zarenbraut«) – die neunte seiner insgesamt fünfzehn Opern – nach dem von ihm hochgeschätzten gleichnamigen Drama von Lew Mej, dessen Handlung und Figurenkonstellation er im Wesentlichen beibehielt.

Musikalisch orientierte sich Rimsky-Korsakow weniger an Mussorgsky und den ästhetischen Prinzipien des »Mächtigen Häufleins«, sondern weit stärker an Michail Glinka, dem 1857 in Berlin verstorbenen Begründer der russischen Operntradition. Statt einer möglichst realistischen Deklamation des Textes setzte er in der »Zarenbraut« auf fest umrissene musikalische Formen wie Arien, Duette, Ensembles und Chöre.

Freunde der Kunst

Das 1899 in Moskau uraufgeführte Werk gehört unzweifelhaft zu den Höhepunkten der Opernliteratur der Zeit. Rimsky-Korsakow hat eine ungemein farbige Partitur geschrieben, mit attraktiven Aufgaben für die Sängerinnen und Sänger der Hauptpartien sowie für Chor und Orchester. Viele Melodien erinnern an russische Folklore, wenngleich der Komponist auf direkte Zitate verzichtete. »Die Zarenbraut« ist ein vielschichtiges Werk sowohl im Blick auf das gewählte Sujet, das ein in Mittel- und Westeuropa nicht allzu gut bekanntes Kapitel der russischen Historie reflektiert, als auch hinsichtlich ihrer Musik, die in vielen Teilen sicher zum Eindrucksvollsten zählt, was Nikolai Rimsky-Korsakow komponiert hat.

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