12.04.2012 07:45 Die Liebe kommt und geht, Schuld ist ewig

Theater in Bamberg: Die Eisbären von Jonas Gardell bis 6. Mai 2012

(c) E.T.A.-Hoffmann-Theater

Von: Dirk Müller

„Man sollte seine Beziehungen nicht auf etwas so Zerbrechliches wie Liebe bauen. Man sollte seine Beziehungen auf Schuld und Erpressung aufbauen. Die Liebe kommt und geht, Schuld ist ewig.“

Ilse feiert Geburtstag und es verspricht, lustig zu werden. Ein kleines ritualisiertes Spiel wie jedes Jahr.

Ihr Sohn kommt nicht, denn er hat einen Fernsehauftritt. Er ist nämlich ein berühmter Autor und der ganze Stolz seiner Mutter; jeden Schnipsel sammelt sie von ihm. Gekommen sind dafür die weit weniger geschätzten Töchter, die die Abwesenheit des Lieblingssohnes nutzen, um unverhohlen um Aufmerksamkeit und Zuneigung der Mutter zu buhlen. Gekämpft wird mit harten Bandagen: selbstlose Aufopferung, besondere Geschenke, und natürlich der jeweils Anderen eins auswischen, sie bloßstellen und diskreditieren mit allen Mitteln – stets ohne das erwünschte Ergebnis. Ebenso unerwidert ist Ilses Liebe für ihren Sohn – und die Töchter versäumen keine Gelegenheit, ihr das zu vergegenwärtigen.

Die unerwiderte Liebe entlädt sich in gegenseitiger Verletzung und die gegenseitige Erniedrigung kulminiert in dem abendlichen Fernsehinterview des Sohnes, der das spezielle Verständnis von Liebe in seiner Familie schonungslos offenlegt…

Jonas Gardell versteht es meisterhaft, die tragische Lebenserkenntnis in eine Komödie umzuwandeln. Als solche erlaubt das Stück, über Menschen und ihr Unglück zu lachen, gleichzeitig Mitleid mit den Figuren zu haben und vor allem: sich selbst in ihnen zu erkennen.

DIE EISBÄREN ist einer von drei Bamberger Beiträgen zu den 30. Bayerischen Theatertagen in Augsburg und wird dort am 12. Mai um 19:30 Uhr im TiM aufgeführt.

Inszenierung: Peter Kesten
Ausstattung: Karlheinz Beer

Mit: Olivia Sue Dornemann, Iris Hochberger, Karin M. Schneider

Premiere: 25. März 2012 | 20:00 | Studio
Vorstellungen: 29. – 31. März; 1., 13. + 14., 26. + 27., 29. April; 5. + 6. Mai
Nachmittagsvorstellung: 28. April | 15:20

Dauer: 75 min | Keine Pause

 

Dirk Müller

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