26.11.2012 08:02 mehr als eine russische Nationaloper

Theater Dortmund: Was ist die Macht wert? Der Aufsteiger "Boris Godunow" geht über Leichen am 23.12.2012

Theater Dortmund: Was ist die Macht wert? Der Aufsteiger "Boris Godunow" geht über Leichen am 23.12.2012

©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Von: GFDK - Theater Dortmund

Was ist die Macht wert? Der Aufsteiger Boris Godunow ist über Leichen gegangen, um sich die Zarenkrone aufzusetzen. Vor allem über eine: Er hat den rechtmäßigen Thronfolger, den Zarensohn Dimitri, im Kindesalter ermorden lassen. Nun ruft ihn ein gleichgültiges russisches Volk zum Herrscher aus. Doch der Fluch der bösen Tat klebt an Boris' Leben wie ein Blutfleck, der sich nicht abwaschen lässt.

Während Boris versucht, seine zerbrechliche Herrschaft zu befestigen, wittert der junge Mönch Grigorij in Litauen seine große Chance. Als Pimen, der im Kloster an einer großen Chronik der russischen Geschichte schreibt, ihm vom Verbrechen des Boris Godunow an Dimitri erzählt, beschließt Grigorij, sich als der wunderbar wieder erstandene Zarensohn auszugeben. Das hungernde Volk, das Nachbarland Polen und die katholische Kirche bauen den vermeintlichen Dimitri zum Rivalen des Boris Godunow auf.

Bald steht er mit einem Heer vor Moskau. Boris, zernagt von Gewissensbissen und zermürbt von den Strapazen der Herrschaft, stirbt, bevor er nochgestürzt werden kann. Alle Augen, alle Hoffnungen richten sich auf den falschen Dimitri. Doch auch mit seiner Herrschaft nimmt das Leiden des russischen Volkes kein Ende. 

Mit seinem Boris Godunow nach dem Versdrama von Alexander Puschkin hat Modest Mussorgsky nicht nur eine russische Nationaloper geschaffen, sondern eine ewige Frage nach dem Wesen und nach der Vergänglichkeit der Macht gestellt. Sein Boris ist ein großer Zweifler, ein Getriebener, ein Herrscher mit guten Ideen, dem sich alles unter den Händen in Niedergang und Verderben verwandelt.

Auch seinem Schöpfer hat der Boris Godunow wenig Glück gebracht: Mussorgsky musste die 1869 vollendete Oper vollständig umarbeiten, um sie am Petersburger Mariinski-Theater unterzubringen; erst 1874 wurde sie dort uraufgeführt. Doch erst viel später wurde die Einzigartigkeit von Mussorgskys Musik erkannt und angemessen gewürdigt. Heute gilt seine große Choroper unumstritten als einer der Höhepunkte im Opernrepertoire des 19. Jahrhunderts.

Nach 30 Jahren steht sie in der Regie von Hausregisseurin Katharina Thoma wieder auf der Dortmunder Bühne.

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