26.02.2013 08:11 highlight Tanzhafenfestival

TANZTAGE 2013 im Posthof Linz mit der zeitgenössischen Tanzcompagnie Australian Dance Theatre vom 5. MÄRZ bis 26. APRIL

TANZTAGE 2013 im Posthof Linz mit der zeitgenössischen Tanzcompagnie Australian Dance Theatre vom 5. MÄRZ bis 26. APRIL

1. Australian Dance Theatre - Proximity

Quelle: Chris Herzfeld

2. Gallim Dance - Pupil Suite Quelle: Franziska Strauss

3. Wayne McGregor | Random Dance - FAR

Von: Wilfried Steiner - 4 Bilder

Immer wieder ist es eine inspirierende Aufgabe, mit den TanzTagen eines der wichtigsten Festivals für diese Kunstsparte in Österreich programmieren zu dürfen. Die Herausforderung wird angesichts rasant neu aus dem Boden schießender Compagnien und ebenso rasant sinkender Budgets immer größer...

 

Die Aufgabenstellung empfinde ich dabei als eine doppelte: einerseits die aktuellsten, innovativsten, die neuesten Entwicklungen in der Tanzszene spiegelnden Stücke zu zeigen, andererseits aber auch eine Auswahl zu treffen, die nicht nur Experten begeistert, sondern auch einem Publikum, das sich noch nicht ausgiebig mit Tanz beschäftigt hat, einen Einstieg in diese faszinierende Welt ermöglicht. Das Festival soll also für Menschen, die sich intensiv mit den neuen Tendenzen auseinandersetzen, ebenso verlockend sein wie für jemanden, der das erste Tanzstück seines Lebens sieht. Man könnte dieses Unterfangen auf die scheinbar paradoxe Formel bringen: Präsentation leicht zugänglicher Avantgarde.

 

Heuer könnte dies exemplarisch gelungen sein: mit dem Australian Dance Theatre gastiert eine Truppe erstmals in Österreich, die sich den komplexen Möglichkeiten des Wechselspiels zwischen Bühnenaktion und Videoprojektion verschrieben hat. Was Choreograf Garry Stewart bei dieser Erforschung zutage fördert, ist kein intellektueller Bühnendiskurs für Eingeweihte, sondern eine spektakuläre Bilderflut, ein betörendes Kaleidoskop von Bewegungsmustern. Die Tänzer fotografieren einander live; die Ergebnisse verwandeln sich durch Projektion auf riesige Leinwände dank eindrucksvoller Technik und überbordenden Ideenreichtums in ein surrealistisches Gesamtkunstwerk. Eine nie zuvor erlebte Perspektive auf das Wunderwerk Mensch.

 

Auch Philippe Saire, lebende Legende der Schweizer Tanzszene, punktet mit einer gewagten Kombination: die elegische, spätromantische Klangmasse von Arnold Schönbergs "Verklärter Nacht" konfrontiert er mit den verspielten Klängen Vivaldis ("Konzert für 2 Violinen"). Die TänzerInnen bewegen sich durch einen magischen Kosmos, wirken wie Geister des Waldes und erzählen dabei in loser Assoziation die wundervoll-märchenhafte Geschichte über Verrat und Vergebung aus Richard Dehmels Gedicht, das der Komposition Schönbergs zugrunde liegt.

 

Wayne McGregor wird in Großbritannien mit glamourösen Beinamen bedacht, etwa "David Bowie of Dance" oder "Nosferatu on Acid". Unbestritten ist er eine der schillerndsten Figuren der Tanzwelt. Mit seiner Random Dance Company gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, sein Publikum zu überraschen. Im neuen Stück "FAR" finden sich einige Parallelen zu Garry Stewarts "Proximity": auch McGregor arbeitet mit spektakulären Licht- und Filmelementen, auch in seinem Stück stehen neue Perspektiven auf den menschlichen Körper im Fokus des Interesses. Und dass auch seine Performer technisch und künstlerisch zu den besten der Welt gehören, hat sich auch schon bis Linz herumgesprochen. Es empfiehlt sich, sich rasch ein Ticket zu besorgen...

 

Aus New York schließlich reisen Gallim Dance in den Posthof, und "very New-Yorkish" ist auch ihre Double-Bill aus "Pupil Suite" und "Mama Call". Intelligente Ironie, kinetischer Witz, das Lebensgefühl, das man etwa auch in Paul Austers "Brooklyn-Revue" findet, sowie ein spritziges, unverbrauchtes Bewegungsrepertoire machen diesen Abend zu einer idealen Einstiegsdroge für Tanzskeptiker. Andrea Miller thematisiert ihr sephardisch-jüdisches Erbe auf liebevoll-wehmütige Weise und mit einem Humor, der Woody Allens Filme nicht fern scheinen lässt. Virtuos spielt sie mit dem Zauber der Fantasie und dem Rausch der Bewegung.

 

Gleich drei Uraufführungen bietet heuer das TanzTageLabor, das sich wie immer der spannenden heimischen Tanz- und Performance-Szene widmet. Natascha Wöss, Butoh-Tänzerin, und die Schauspielerin Doris Schüchner lassen sich von den luziden Gedichten der soeben mit dem Rauriser Förderpreis ausgezeichneten Lyrikerin Renate Silberer anregen und erschaffen eine suggestive, traumaffine Bildwelt. Doris Jungbauer und Tanja Brandmayr widmen sich mit den Mitteln aus Tanz, Text, Performance und Theater dem Thema Reisen, oder besser: dem Zerrissensein zwischen Bodenhaftung und Fluchtsehnsucht.

 

Der krönende Abschluss des TanzTageLabors ist gleichzeitig der Auftakt zum brandneuen Tanzhafenfestival, das von Ilona Roth und Ulrike Hager ins Leben gerufen wurde. Im Posthof zu sehen: ein dreiteiliger Abend mit sehenswerten Kurzstücken, u. a. von Marina Koraiman und dem Vertebra Dance Collective. Das furiose Finale bestreitet dabei die neue Senkrechtstarterin der österreichischen Tanzwelt: Doris Uhlich zeigt ihre hinreißende Performance "Rising Swan".

Wilfried Steiner

 

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