15.11.2012 05:02 Inszenierung Andrea Thiesen

Staatstheater Darmstadt: Der Chinese heute, Kammerspiele

Bild: Barbara Aumüller (Bildlegende: Noch freut sich die deutsche Vorzeigefamilie über ihren Chinesen...)

Von: GFDK - STAATSTHEATER DARMSTADT

Deutschland in ferner Zukunft. Umweltprobleme, Krankheiten und Bildungsnotstand gehören der Vergangenheit an. Man lebt nachhaltig, ohne Elektrizität, ernährt sich von Bio-Food und fühlt sich in dieser ökologischen Idylle „reich beschenkt“.

Die ganze Welt blickt auf die Deutschen als leuchtendes Beispiel. So auch die Regierung Chinas, die ausgewählte Vertreter ihres Landes in deutsche Familien schickt, um von diesem Staat im Glück zu lernen.

Der Empfang von Herrn Ting in der Familie des jungen Erfinders Alexander samt Frau Gwendolyn und der beiden Kinder ist auf beiden Seiten höflich und herzlich. So ein netter Gast. Und auch noch mit perfekten Deutschkenntnissen. Die Familie ist stolz, die Glückseligkeit ihres Alltags vorzuführen.

Und auch der Chinese repräsentiert sein Land – durch Mitbringsel. Alles aus Plastik und Polyester. Die Kinder sind entzückt, die Mutter entsetzt. Nun gut, deswegen ist er ja hier, um ein Vorbild vor Augen geführt zu bekommen.

Doch als der Chinese ein Handy mit LED-Leuchte zückt und zum Einschlafen sogar ein Pillendöschen hervorzieht, werden erste Zweifel wach. Dann beginnt er sich auch noch für den streng geheimen „Teiler“, eine Erfindung des Vaters, zu interessieren. Die friedliche Harmonie beginnt zu bröckeln, und plötzlich werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Chinesen wieder loszuwerden.

Mit seinem Stück Der Chinese war der 1975 geborene Benjamin Lauterbach 2011 zum Workshop des Berliner Stückemarkts eingeladen. Mit bitterböser Schärfe und ironischer Leichtigkeit führt er die Mentalität der deutschen Gesellschaft mit ihrem Hang zu Welterklärung, Regelhaftigkeit und Obrigkeitsgehorsam ins Absurde.

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