12.01.2013 08:02 In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Staatsoper im Schiller Theater, Berlin: Maria Stuarda - Oper von Gaetano Donizetti am 17.1.2013

Staatsoper  im Schiller Theater, Berlin: Maria Stuarda - Oper von Gaetano Donizetti am 17.1.2013

(c) Monika Rittershaus

Von: GFDK - Staatsoper im Schiller Theater - 2 Bilder

Als Gaetano Donizetti 1834 seine neue Oper »Maria Stuarda« in Neapel zur Uraufführung bringen wollte, verbot die Zensur einen Tag nach der ersten Kostümprobe überraschend die Aufführung. Donizetti reagierte mit dem Pragmatismus eines Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts und verlagerte das Geschehen in einen unverfänglicheren Kontext als den der Schiller-Adaption seines 19-jährigen Librettisten Giuseppe Bardari mit dem Bühnentod einer Königin: Die Oper hieß nun »Buondelmonte« und handelte von einem florentinischen Adligen zwischen zwei Frauen.

Die Premiere konnte 1834 stattfinden, Erfolg hatte diese Notversion nicht. Und erst nach einer weiteren Überarbeitung Donizettis gelang es schließlich, »Maria Stuarda« 1835 in Mailand uraufzuführen. Trotz weiterer Aufführungen in anderen Städten in den Folgejahren konnte das Werk aber erst im 20. Jahrhundert den Rang einnehmen, der ihm gebührt: »Maria Stuarda« ist eines der herausragenden Glanzstücke des italienischen Belcanto, und Donizettis Musik beschreibt einfühlsam und aufrührend den Konflikt zwischen der englischen Königin Elisabeth, eingeführt mit leidenschaftlicher Deklamation und temperamentvoller Melodienführung, und ihrer Verwandten, Widersacherin und Gefangenen Maria Stuart, die gefühlvoll in Legato-Kantilenen immer selbstbewusster ihrer Hinrichtung entgegengeht.

Die Begegnung der beiden Königinnen gehört zu den großen musikalischen Erfindungen des Komponisten, die Duett-Form wird aufgebrochen, Arioso und Rezitativ wechseln sich ab und sind verwoben, die Musik verdichtet sich zu einem Wechselbad der Emotionen und Spannungen. Anders hingegen die männlichen Figuren: Sowohl der zwischen den beiden Frauen stehende Graf Leicester als auch die Adligen Talbot und Cecil bleiben als Figuren musikalisch und szenisch im Hintergrund, der Konflikt ist auf die beiden weiblichen Hauptfiguren konzentriert.  
 
Der junge Schauspiel- und Opernregisseur Karsten Wiegand, der unter anderem Verdis »Rigoletto« in Hannover inszeniert hat, untersucht bei seiner ersten Arbeit an der Staatsoper Unter den Linden den Konflikt zwischen zwei Frauen, der durch ein symbiotisches Abhängigkeitsverhältnis entsteht. Auf der einen Seite Elisabeth, protestantische Königin von England, die in politische Machtstrukturen eingebunden ist und ihre Herrschaft durch den Thronanspruch Maria Stuarts bedroht sieht; auf der anderen Seite die katholische Maria Stuart, schottische Königin und Gefangene von Elisabeth, selbstbewusst, schön, verehrungswürdig.

Eine, die auch aus der Gefangenschaft noch zahlreiche Verehrer und Anhänger an sich binden kann, eine ständige Bedrohung für Elisabeth und doch auch mit dieser auf Leben und Tod verbunden. Maria ist physisch zwar in der Gewalt ihrer Cousine Elisabeth, sie ist aber auch Elisabeths lebender Albtraum, den diese schließlich loszuwerden versucht.

Kontakt

Victoria Dietrich  
Fax +49 30 20 35 42 04  
pressoffice@remove-this.staatsoper-berlin.de