25.01.2012 05:02 Ein Volksstück von Bertolt Brecht

Schauspiel Köln: HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI am 27.1.2012

© David Baltzer / Schauspiel Köln

Von: Schauspiel Köln - 3 Bilder

Im April 1940 gelingt Brecht mit Hilfe der finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki die Reise per Schiff nach Helsinki, im Sommer zieht er auf ihr vier Stunden von Helsinki entferntes Gut Marlebäck.

Hier, im finnischen Exil, in der – wie er sagt – „Inzwischenzeit“ arbeitet er Hella Wuolijokis Volksstück »Die Sägemehlprinzessin« und einige ihrer Erzählungen in »Herr Puntila und sein Knecht Matti« um, „ein kleines fettes Kalb von einem Stück“.

Der Gutsbesitzer Puntila, ein „vorzeitliches Tier“, ist ein finnischer Bacchus – menschenfreundlich, sympathisch und kumpelhaft, wenn er betrunken ist, nüchtern jedoch „direkt zurechnungsfähig“, jemand, „dem man alles zutrauen kann“, ein Ausbeuter, eine Gefahr für seine Untergebenen. Nüchtern will er seine Tochter Eva mit einem Attaché verheiraten, betrunken mit seinem Chauffeur Matti.

Betrunken verlobt er sich in einer Nacht mit der Schmuggleremma, dem Apothekermädchen, dem Kuhmädchen und der Telefonistin, im Anfall von Nüchternheit wirft er sie alle vom Hof. Zuletzt wendet Matti Puntila und Eva den Rücken zu:

„Der Schlimmste bist du nicht, den ich getroffen / Denn du bist fast ein Mensch, wenn du besoffen. / Der Freundschaftsbund konnt freilich nicht bestehn. / Der Rausch verfliegt.Der Alltag fragt: Wer wen?“

In seiner Schrift »Theaterarbeit« zitiert Brecht Marx: „Die Geschichte ist gründlich und macht viele Phasen durch, wenn sie eine alte Gestalt zu Grabe trägt. Die letzte Phase einer weltgeschichtlichen Gestalt ist die Komödie. Warum dieser Gang der Geschichte?

Damit die Menschheit heiter von ihrer Vergangenheit scheide.“ Mit seiner Inszenierung von Brechts Komödie, die in sich Posse, Schwank und Moritat vereint, arbeitet der ausgewiesene Komödienspezialist Herbert Fritsch zum ersten Mal am Schauspiel Köln.

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