25.02.2013 08:00 von Johann Wolfgang von Goethe

Schauspiel Essen: Faust I + II, Premiere am 2. März 2013, Grillo-Theater

Schauspiel Essen Essen: Faust I + II, Premiere am 2. März 2013, Grillo-Theater

Bild 1: Foto: Sabrina Weniger

Bild 2: Agentur xhoch4

Bild 3: Ritchie Herbert

Von: GFDK - Schauspiel Essen - 3 Bilder

Am Ende seines Lebens – 100 Jahre ist Faust da alt – wird er ihn nicht ausgesprochen haben, oder nur in seinen Träumen, jenen Satz, mit dem er seine Seele dem Teufel überschrieben hätte. Er wird nicht, oder nur in seinen Träumen, zu irgendeinem Augenblick gesagt haben: “Verweile doch, du bist so schön.”

Denn der Augenblick der Zufriedenheit ist für Faust immer Traum geblieben: Innehalten liegt ihm nicht. Nicht im Streben nach absolutem Wissen, nicht in der Liebe. Atemlos hetzt Faust an der Seite Mephistos, seines teuflischen Alter Egos, durch die Welt und erfindet sich ständig neu: Das “Projekt Gretchen” scheitert furios, doch Faust ist ein Meister des Vergessens.

Ein neuer Selbstentwurf muss her: Am Hofe des Kaisers macht er nun Karriere, revolutioniert das Finanzwesen, avanciert zum Shootingstar der Politik. Sogar den Krieg kann Faust mithilfe Mephistos für den Kaiser entscheiden und erhält zum Dank ein Stück Land: Hier will er seine Utopie einer neuen, freien Gesellschaft verwirklichen. Doch sein Reich hat Faust der Natur abgekämpft, die dort lebenden Menschen versklaven oder töten lassen. Zufrieden oder gar glücklich macht ihn das nicht. Weder Mangel noch Not noch Schuld können ihm etwas anhaben, doch sein ganzer unermesslicher Reichtum schützt ihn nicht vor der Sorge, die ihn schließlich erblinden lässt. Während dessen beginnen um ihn herum die Geschöpfe des Teufels sein Grab zu schaufeln und Mephisto fordert seinen Lohn …

Höher, schneller und weiter: Der “Global Player” Faust verbietet sich den Stillstand. Schnell und radikal erfindet er sich immer wieder neu, erprobt die verschiedensten Lebensmodelle und wird damit zum Vorreiter einer bis zur Raserei beschleunigten, globalisierten Gesellschaft, die sich der Mobilität, der Flexibilität, der Rastlosigkeit verschrieben hat – und dafür den Preis zahlt.

Kontakt

Martin Siebold

martin.siebold@tup-online.de