01.11.2013 09:00 Ballett

Opernhaus Zürich: Woyzeck - liebt Marie, mit der er ein uneheliches Kind hat

woyzeck am opernhaus zuerich

das Mitgefühl zu den Entbehrenden und Leidenden ist so selbstverständlich wie sein Hass gegen jene; (c) Judith Schlosser

woyzeck balletz opernhaus zuerich
Von: GFDK - Opernhaus Zürich

Am 17. Oktober 2O13 jährte sich der Geburtstag des deutschen Dichters Georg Büchner zum 2OO. Mal. Die letzten Monate seines  viel zu kurzen Lebens verbrachte er als Privatdozent in Zürich, wo er auch begraben ist. «Ich hoffe noch immer, dass ich leidenden, gedrückten Gestalten mehr mitleidige Blicke zugeworfen als kalten, vornehmen Herzen bittere Worte gesagt habe», schreibt er in einem Brief an seine Eltern.

Theater in Zürich

Dabei ist ihm das Mitgefühl zu den Entbehrenden und Leidenden so selbstverständlich wie sein Hass gegen jene, «die (...) die grosse Masse ihrer Brüder ihrem verachtenden Egoismus opfern». In nur 23 Lebensjahren hat Büchner in wenigen Werken die Grenzen und Abgründe des Menschen erkundet: Melancholie, Wahnsinn, Verbrechen, Sexualität. Heute gilt er als einer der grössten deutschen Autoren des 19. Jahrhunderts und als Bahnbrecher der Moderne. Sein Fragment gebliebenes Drama Woyzeck beschreibt schlaglichtartig das Schicksal eines einfachen Soldaten. Woyzeck liebt Marie, mit der er ein uneheliches Kind hat.

Doch der karge Sold reicht für die drei kaum zum Überleben. Um sich etwas hinzuzuverdienen, rasiert Woyzeck hin und wieder einen Hauptmann und stellt sich einem Doktor für medizinische Experimente zur Verfügung, die seine körperliche und geistige Gesundheit gefährden. Demütigungen und Willkür seiner Vorgesetzten versucht Woyzeck zu ignorieren,  doch  als Marie sich mit einem Tambourmajor einlässt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Im Fieberwahn der Eifersucht ersticht Woyzeck seine Liebste.

Freunde der Kunst

In der Neufassung seines 2O11 für das Norwegische Nationalballett entstandenen Balletts Woyzeck übersetzt Christian Spuck die metaphernreiche prägnante Sprache Büchners in eindringliche choreografische Bilder. In reizvoller Kombination mit Spucks Ballett Leonce und Lena wirft das Ballett Zürich an zwei Abenden einen neuen, ungewöhnlichen Blick auf einen bis heute modernen Dichter.

julika.weinecker@opernhaus.ch