28.12.2015 07:31 La Juive von Fromental Halévy

Oper in Mannheim: Meister-Regisseur Peter Konwitschny erzählt von der Liebe in Zeiten des Fundamentalismus

Premiere in Mannheim: La Juive von Fromental Halévy

Die Oper La Juive von Fromental Halévy warnt vor Antisemitismus und zeigt gleichzeitig, wie schnell jede Art von religiösem Dogma zu Hass und Gewalt führt. (c) annemie augustijns/ NTM

Von: GFDK - Sandra Strahonja

Die hochdramatischen Ensembles und bravourösen Arien machten dieses Spitzenwerk mit Recht zum weltweit größten Erfolg der französischen Grand Opéra. Meister-Regisseur Peter Konwitschny erzählt hochspannend von der Liebe in Zeiten des Fundamentalismus.

Man braucht keinen Opernführer gelesen zu haben, um zu verstehen, wie die von ihrem christlichen Liebhaber verratene Jüdin zur Terroristin wird und was da sonst noch vor sich geht bei diesem Konstanzer Konzil, wo der katholische Adel seinen blutigen Sieg über die Hussiten feiert, während auf der Straße der Mob sich in Pogromen gegen jüdische Nachbarn austobt.

Die Oper warnt vor Antisemitismus und zeigt gleichzeitig, wie schnell jede Art von religiösem Dogma zu Hass und Gewalt führt. Das fundamentalistische Klima macht nicht nur die Liebe zwischen Jüdin und Katholik unmöglich, es bringt auch zwei Väter in schlimmste Konflikte. Der Jude Éléazar muss in seiner berühmten Arie „Rachel, quand du Seigneur“ nicht nur erkennen, dass er sein Versprechen, das Kind zu beschützen, nicht halten konnte, sondern auch, dass er selbst und sein religiöser Extremismus es sind, die seine Tochter dem Henker überliefern. Aber auch der Kirchenfürst Brogni kann seinen Vorsatz der christlichen Nächstenliebe nicht auf Dauer einlösen und muss erleben, wie seine Menschlichkeit an seiner politischen Funktion, die ihn immer wieder Todesurteilen zwingt, zerbricht. Nur einmal scheint kurz Hoffnung auf – wenn sich im Gefängnis zwei Frauen, die eigentlich Rivalinnen sind, gegen die Grausamkeit der Welt verbünden. Mit ihrer tiefen Auslotung der Charaktere und der aktionsreichen Tragik wie Komik sinnlich erfahrbar machenden Spielweise garantiert diese dichte Inszenierung ein Musiktheater-Erlebnis der Extraklasse.

Oper am Nationaltheater Mannheim

Es inszeniert Peter Konwitschny, einer der wichtigsten und streitbarsten Regisseure des internationalen Musiktheatergeschehens der letzten Jahrzehnte. Mit seinen Inszenierungen hat er Maßstäbe gesetzt und kontroverse Diskussionen ausgelöst. Peter Konwitschny erhielt 1988 den Kunstpreis der DDR, 1993 den Konrad-Wolf-Preis der Berliner-Akademie der Künste, 1997 das Bundesverdienstkreuz, 2005 den Berliner Theaterpreis und 2007 den Preis des Internationalen Theaterinstituts. Er war fünfmal „Regisseur des Jahres“ (Opernwelt). Mit La Juive ist erstmals eine Regiearbeit Peter Konwitschnys am Nationaltheater Mannheim zu sehen.

Eine Koproduktion des Nationaltheaters Mannheim mit dem Kunsthuis Opera Vlaanderen (Belgien)

Theater in Mannheim

Musikalische Leitung Alois Seidlmeier- Inszenierung Peter Konwitschny - Bühne und Kostüme Johannes Leiacker- Licht Manfred Voss- Konzeptionelle Mitarbeit und Dramaturgie Bettina Bartz - Produktionsdramaturgie Antwerpen/Gent Luc Joosten - Dramaturgische Betreuung Mannheim Merle Fahrholz - Chor Francesco Damiani

mit Astrid Kessler / Ludmila Slepneva (Rachel) - Roy Cornelius Smith / Zurab Zurabishvili (Eléazar) - Andreas Hermann / Juhan Tralla (Léopold) - Vera-Lotte Böcker / Estelle Kruger (Princesse Eudoxie) - John In Eichen / Sung Ha (Cardinal de Brogni) - Joachim Goltz / Jorge Lagunes (Ruggiero)

Chor, Orchester und Statisterie des Nationaltheaters Mannheim

die nächsten Vorstellungen: 12. (B-Premiere) , 20., 28. Jan., 5. Feb.

Kartentelefon: 0621 – 16 80 150

Dauer: 3 Stunden und 15 Minuten, inkl. einer Pause