20.11.2012 08:02 von Henrik Ibsen

Nationaltheater Mannheim: Nora oder Ein Puppenhaus bis zum 06.12.2012

Nationaltheater Mannheim:  Nora oder Ein Puppenhaus bis zum 06.12.2012

Copyright: Hans Jörg Michel

Von: GFDK - Nationaltheater Mannheim - 4 Bilder

Nora und ihr Mann Torvald, der Rechtsanwalt: ein Paar wie aus dem Bilderbuch oder aus der Werbung – für Bausparverträge und rechtsdrehendes Joghurt. Das Glück ist groß und kurz davor noch größer zu werden. Der Rechtsanwalt steht kurz vor der Beförderung, das Paar kurz vor dem gesellschaftlichen Maximalaufstieg, die familiäre Finanzlage kurz vor der Totalentspannung.

Die Mehrung des Glücks ist nahe, das Wunderbare fast schon da. Dann betreten drei Unglückliche das Wohnzimmer des Glücks und aus Noras Vergangenheit taucht ein Geheimnis auf, das alles kaputt zu machen droht: das ganze schöne Glück.

Nora ist eine Arbeiterin des Glücks. Zu Ibsens Zeit war dieses Glück ein ausschließlich von Männern definiertes, in dem Frauen zwar als Glücksarbeiterinnen, nicht aber als Subjekte vorzukommen pflegten. Heute scheint sich die Definitionsgewalt über das, was geglücktes Lebens sein soll, ausgestreut und multipliziert zu haben, ist vom Männlichen über das Weibliche ins Totale übergegangen. Bilder und Verheißungen des Glücks sind überall und nirgends, ziehen uns das Geld aus der Tasche und scheinen gleichzeitig unser größtes Kapital zu sein – für eine Zukunft, die zwar undenkbar ist, aber auf jeden Fall glücklich zu sein hat.

Man arbeitet wirklich hart an diesem kommenden Glück. Und der Übergang von der Glücksarbeit zur Sexarbeit ist ebenso fließend wie der Übergang von den GlücksarbeiterInnen zu den FaschistInnen des Glücks. Für uns alle.

Cilli Drexel ist Hausregisseurin am Nationaltheater und inszenierte hier zuletzt Molières Der Menschenfeind und supernova (wie gold entsteht) von Philipp Löhle.

Kontakt

Sandra Strahonja
Tel.  0621 - 16 80 444 
E-Mail: sandra.strahonja@remove-this.mannheim.de