31.07.2011 07:02 von Henrik Ibsen

Nationaltheater Mannheim: Nora oder ein Puppenhaus am 24.9.2011

Von: Nationaltheater Mannheim

Nora, ihr Mann, der Rechtsanwalt, und die drei Kinder: das ist eine Familie wie aus dem Bilderbuch oder aus der Werbung – für Bau­sparverträge und rechtsdrehendes Joghurt. Das Glück ist groß und kurz davor noch grö­ßer zu werden. Der Rechtsanwalt steht kurz vor der Beförderung, die Familie kurz vor dem gesellschaftlichen Maximalaufstieg, die familiäre Finanzlage kurz vor der Totalent­spannung. Die Mehrung des Glücks ist nahe, das Wunderbare fast schon da.

Dann betreten drei Unglückliche das Wohn­zimmer des Glücks und aus Noras Vergangen­heit taucht ein Geheimnis auf, das alles kaputt zu machen droht: das ganze schöne Glück. Nora ist eine Arbeiterin des Glücks. Dieses Glück war zu Ibsens Zeit ein ausschließlich von Männern definiertes, in dem Frauen zwar als Glücksarbeiterinnen, nicht aber als Subjekte vorzukommen pflegten. Heute scheint sich die Definitionsgewalt des geglückten Lebens verstreut und multipliziert zu haben, ist vom Männlichen über das Weibliche ins Totale übergegangen.

Bilder und Verheißungen des Glücks sind überall und nirgends, ziehen uns das Geld aus den Taschen und scheinen gleichzeitig unser größtes Kapital zu sein – für eine Zukunft, die undenkbar ist, aber be­stimmt glücklich zu sein hat. Man arbeitet wirklich hart daran. Und der Übergang von der Glücksarbeiterin zur Sexarbeiterin ist ebenso fließend wie der Übergang von den GlücksarbeiterInnen zu den FaschistInnen des Glücks. Für uns alle. Die Regisseurin Cilli Drexel inszenierte in Mannheim zuletzt Der Menschenfeind und supernova (wie gold entsteht).

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