02.05.2012 07:45 Ein Fest für Auge und Ohr

Maifestspiele am Staatstheater Wiesbaden: Heute abend wird noch einmal Giacomo Puccinis römischer Opernthriller ‚Tosca‘ aufgeführt

(c) Martin Kaufhold

Von: Lucia Zimmermann - 6 Bilder

Ein Fest für Auge und Ohr: Giacomo Puccinis römischer Opernthriller ‚Tosca‘ in einer opulenten, halb-filmischen Inszenierung und Ausstattung des argentinischen Regisseurs Hugo de Ana, mit den internationalen Gesangsstars Michèle Crider, Kamen Chanev und Ko Seng Hyoun. Die musikalische Leitung hat der Musikdirektor der Israeli Opera, David Stern.

Mit ‚Tosca‘ hatte sich Giacomo Puccini endgültig als der führende italienische Opernkomponist seiner Zeit etabliert. Und wie schon bei ‚La Bohème‘ hatte er wieder den Sinn für den richtigen Stoff zur richtigen Zeit: 1900 wurde die Oper uraufgeführt, die exakt 100 Jahre früher spielt, nämlich 1800, zur Zeit der napoleonischen Republiken in Italien. Als Vorlage diente das französische Drama ‚La Tosca‘ des Modeschriftstellers Victorien Sardou, das auf die Schauspielerin Sarah Bernhard zugeschnitten war. ‚Tosca‘ spielt zu einer festgelegten historischen Zeit an festgelegten Orten – und zwar in Rom. Nie zuvor war so viel Rom auf der Bühne wie in ‚Tosca‘: Der erste Akt spielt in der Kirche Sant' Andrea della Valle, der zweite im Palazzo Farnese, der dritte auf der Plattform der Engelsburg. Giacomo Puccini entwickelte eine Klangwelt, in der die Atmosphäre der barocken, römisch-katholischen ‚ewigen‘ Stadt auf harte Politik, zügellose Leidenschaft und Gewalt trifft. Die Sängerin Floria Tosca und ihr Geliebter, der Maler Cavaradossi, geraten in die politischen Wirren der Revolution und die Intrigen des Polizeichefs Scarpia. Scarpia will Angelotti, den Kopf der republikanischen Bewegung in Rom, ausschalten, und er will die schöne Tosca besitzen. Beides führt ihn zu Cavaradossi, der in der Kirche Sant' Andrea della Valle arbeitet, wohin sich Angelotti flüchtet und wo Tosca ihren Geliebten trifft. Als Scarpia sie mit der Folterung Cavaradossis erpressen will, schreitet Tosca zum Äußersten: Sie geht zum Schein auf seine Bedingungen ein und ersticht ihn, um Cavaradossis Leben zu retten. Doch der Traum von Freiheit und Glück währt nicht lange. Die von Scarpia zugesagte, nur fingierte Erschießung Cavaradossis auf der Plattform der Engelsburg war ein tückischer Betrug. Tosca entkommt auch dem toten Scarpia nicht und stürzt sich von der Engelsburg in die Tiefe. Giacomo Puccinis ‚Tosca‘ – ein musikalischer Thriller von höchster Spannung und faszinierender musikalischer Gestaltung. Neben den berühmten Arien ‚Vissi d’arte‘ und ‚E lucevan le stelle‘ gilt das große ‚Te Deum‘ am Ende des ersten Aktes als grandioser Höhepunkt, in dem sich die liturgischen Gesänge mit dem Verlangen Scarpias nach Tosca mischen. In ‚Tosca‘ ist alles ‚bigger than life‘: Personen, Konflikte, Leidenschaften, Schauplätze. So entwickelte Regisseur Hugo de Ana ein visuelles Konzept, in dem durch dynamische und sich überlagernde Film-Projektionen römischer Architektur immer wieder neue Perspektiven und Visionen des barocken Rom entstehen. Die Filme wurden eigens für diese Produktion an den Originalschauplätzen in Rom – in Sant' Andrea della Valle und auf der Engelsburg – gedreht. Auf zwei riesigen Projektionsleinwänden vor und hinter der Szene setzt sich die Bühnenhandlung fort. Wir erleben die Protagonisten sowohl auf der Bühne als auch auf der filmischen Ebene. David Stern (Musikalische Leitung) ist Musikdirektor der Israeli Opera Tel Aviv und war Chefdirigent des Sinfonieorchesters und Theaters St. Gallen. Der amerikanische Dirigent entstammt einer bedeutenden New Yorker Musikerfamilie. Nach seinem Dirigierstudium an der Yale University und an der Juilliard School of Music in New York erhielt er 1990 eine Assistentenstelle am Théâtre du Châtelet in Paris, wo er seine Ausbildung bei Künstlerpersönlichkeiten wie Christoph von Dohnányi, Pierre Boulez und John Eliot Gardiner abschloss und auch Gelegenheit hatte, mit Jeffrey Tate, Myung-Whung Chung und Antonio Pappano zu arbeiten. Neben der erfolgreichen Arbeit mit traditionellen Sinfonie- und Kammerorchestern und zahlreichen weltweiten Opernproduktionen verschreibt sich Stern auch intensiv der Arbeit mit Ensembles der historisch informierten Aufführungspraxis. David Stern hat im Laufe seiner Karriere eine Vielzahl renommierter Klangkörper dirigiert, darunter das Radio Filharmonisch Orkest der Niederlande, das Gürzenich-Orchester Köln, Orchestra Nazionale della RAI Torino, Orchestre de Paris, New Moscow Symphony Orchestra, das Tokyo Metropolitan Orchestra, Jerusalem Symphony Orchestra, Academy of St. Martin in the Fields, die Camerata Salzburg sowie das English Chamber Orchestra. Als Operndirigent hat David Stern in den vergangenen Jahren vielbeachtete Arbeiten an der English National Opera, der Opéra de Lyon, der Hong Kong Opera und der Israeli Opera Tel Aviv vorgelegt. Nach einer ersten Chefposition beim Philharmonischen Orchester Südwestfalen war er von 1997 bis 1999 Chefdirigent der European Academy of Music in Aix-en-Provence und wurde mit ausgewählten Produktionen zu namhaften Festivals wie den Wiener Festwochen und dem Edinburgh Festival eingeladen. Seit 2003 ist er Künstlerischer Direktor des von ihm gegründeten Ensembles Opera Fuoco; außerdem ist er Erster Gastdirigent bei Concerto Köln. Hugo de Ana (Inszenierung, Bühne, Kostüme) ist bekannt für spektakuläre und opulente Inszenierungen wie für ausgeklügelte Bühnenlichtkonzepte. Der argentinische Regisseur ist zu Gast an den großen Opernhäusern der Welt. Seine Karriere begann er am Teatro Colón in Buenos Aires als Technischer Direktor und Produktionsleiter mit Inszenierungen von ‚Turandot‘, ‚Don Carlo‘ und ‚Medea‘. Im Anschluss war er in Santiago de Chile tätig, wo er drei aufeinander folgende Jahre den Kritiker-Preis als bester Regisseur erhielt. Es begann eine Zusammenarbeit mit dem Teatro Zarzuela in Madrid und dem Teatre del Liceu in Barcelona, wo er u.a. ‚Armida‘, ‚Andrea Chénier‘, ‚Die Walküre‘ und ‚Otello‘ inszenierte. 1990 folgte mit Rossinis ‚Mosè in Egitto‘ in Bologna die erste Arbeit in Italien, an die sich schon bald Engagements an der Mailänder Scala, der Arena di Verona und dem Teatro San Carlo in Neapel anschlossen. In Deutschland entstanden u.a. ‚Tosca‘ an der Staatsoper Stuttgart und ‚Don Carlo‘ an der Deutschen Oper Berlin. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen Marco Tutinos ‚Senso‘ und ‚Boris Godunow‘ am Teatro Massimo in Palermo, ‚Il barbiere di Siviglia‘ und ‚La Traviata‘ in der Arena di Verona 2011 und ‚Die lustige Witwe‘ in Maribor. Michèle Crider (Tosca) ist eine der bedeutendsten Sopranistinnen im italienischen Fach. Nach Gesangsstudien in den USA setzte sie ihre Ausbildung am Studio des Opernhauses Zürich fort. Im Jahre 1988 war sie Finalistin des Luciano-Pavarotti-Wettbewerbs und 1989 gewann sie einen der drei ersten Preise beim Internationalen Genfer Musikwettbewerb. Michèle Crider gastiert regelmäßig an den großen Opernhäusern der Welt, darunter am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Metropolitan Opera in New York, der San Francisco Opera, der Los Angeles Opera, der Deutschen Oper Berlin und den Staatsopern von Wien, München, Berlin und Hamburg, an der Mailänder Scala, der Arena di Verona, am Opernhaus Zürich, in Barcelona, Madrid, Rom, Florenz, Paris, Moskau und Amsterdam. Sie arbeitet mit großen Dirigenten wie Riccardo Muti, Daniel Barenboim, Zubin Mehta, James Levine, Semyon Bychkov und Riccardo Chailly zusammen. Das Repertoire der Sopranistin umfasst die großen italienischen Rollen in Opern Verdis und Puccinis wie u.a. Leonora in ‚Il Trovatore‘ und ‚La forza del destino‘, Amelia in ‚Un ballo in maschera‘, Elvira in ‚Ernani‘, Elisabeth in ‚Don Carlo‘, die Titelrollen in ‚Luisa Miller‘, ‚Aida‘, ‚Madama Butterfly‘, ‚Tosca‘, ‚Manon Lescaut‘, Odabella in ‚Attila‘, Desdemona in ‚Otello‘. Zu ihren jüngsten Engagements gehören Tosca an der Wiener Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin und in Tel Aviv sowie Elvira in ‚Ernani‘ in Tel Aviv. Kamen Chanev (Cavaradossi) erhielt seine Gesangsausbildung am Konservatorium in Sofia sowie an der Accademia Musicale in Rom. Er ist Preisträger des schwedischen Jussi Björling-Wettbewerbs. Sein Operndebüt gab er als Duca di Mantua in ‚Rigoletto‘ in Sofia, seither gastiert er z.B. an der Staatsoper Prag, am Opernhaus Zürich, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, der Arena di Verona, in Graz, Philadelphia, Atlanta, Seoul, Tokio und Peking. Als Des Grieux in ‚Manon Lescaut‘ debütierte er 2007 an der Wiener Staatsoper, wo er inzwischen auch als Pinkerton in ‚Madama Butterfly‘ zu erleben war. Besonders gefragt ist der bulgarische Tenor derzeit zudem als Cavaradossi. Engagements 2011/12 umfassen ‚Tosca‘ an der Bayerischen Staatsoper München, in Rom (wo er außerdem in ‚Aida‘ auftritt), Hamburg, Budapest und in Tel Aviv (weiteres Engagement für ‚Cavalleria rusticana‘). Kamen Chanev gab 2010/11 an der Oper Frankfurt sein Rollen- und Hausdebüt als Verdis Don Carlo. Zudem wurde er diese Saison für ‚Turandot‘ und ‚Pique Dame‘ in Warschau verpflichtet. An der Deutschen Oper Berlin sang er in ‚Un ballo in maschera‘ und ‚Madama Butterfly‘. Der koreanische Bariton Ko Seng Hyoun (Scarpia) beendete 1985 sein Gesangsstudium an der Musikakademie in Seoul. Anschließend setzte er seine Ausbildung an der Accademia della Scala in Mailand fort. Er debütierte 1982 in ‚Le nozze di Figaro‘ an der Oper in Seoul. 1990 gab er sein Italien-Debüt als Scarpia beim Puccini-Festival in Torre del Lago. Aufgrund seines Erfolges wurde er in den Folgejahren immer wieder nach Torre del Lago und zu zahlreichen weiteren Festivals eingeladen. 2009 sang er am Teatro dell' Opera in Rom Tonio in ‚I pagliacci‘. Der Künstler tritt regelmäßig in Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und der Schweiz auf, u.a. als Amonasro in ‚Aida‘, Conte di Luna in ‚Il Trovatore‘ und Alfio in ‚Cavalleria rusticana‘. An der Deutschen Oper Berlin sang er in einer großen Operngala unter Kent Nagano sowie 2011 als Carlo Gérard in ‚Andrea Chénier‘. Er ist Gesangsprofessor an der Hanyang University in Seoul.

Aufführungsdauer: 2 Stunden 45 Minuten, zwei Pausen

Musikalische Leitung David Stern
Inszenierung / Bühne / Kostüme Hugo de Ana
Szenische Einstudierung Julia Pevzner
Licht Avi Yona Bueno
Chor Yishai Steckler
Mit:
Tosca Michèle Crider
Cavaradossi Kamen Chanev
Scarpia Ko Seng Hyoun
Angelotti Noah Briger
Sagrestano Vladimir Braun
Spoletta Yossef Aridan
Sciarrone Yair Goren
Carceriere Alexei Kanonikoff
Pastore Laura Sonnabend
 
  The Israeli Opera Chorus
  Jugendchor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden (Leitung: Dagmar Howe)
  The Israel Symphony Orchestra Rishon LeZion

 

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