15.04.2011 08:00 Beweisstück eines Verbrechens

Landestheater Tübingen: CORPUS DELICTI von Juli Zeh bis zum 21.5.2011

Von: Landestheater Tübingen

Das Menschliche ist ein nachtschwarzer Raum, in dem wir herumkriechen, blind und taub wie Neugeborene. Man kann nicht mehr tun, als dafür zu sorgen, dass wir uns beim Kriechen möglichst selten die Köpfe stoßen. Das ist alles.“

Das so genannte „Corpus delicti“ ist in der Juristensprache das Beweisstück eines Verbrechens. In der Science-Fiction-Gesellschaft des gleichnamigen Stücks von Juli Zeh, in der absolute Gesundheit und körperliche Schönheit zur ersten Bürgerpflicht geworden sind, ist schnell ein solches Corpus Delicti gefunden: Schon eine heimlich gerauchte Zigarette gilt als Verstoß gegen die Gesundheitsnorm und reicht aus, um einen Verfechter von „Freiheit und Abenteuer“ zum gefährlichen Staatsfeind zu erklären.

So wundert es nicht, dass auch persönliche Eigenschaften wie Mitgefühl, Vertrauen, Liebe, selbstständiges Denken und eine „gesunde“ Portion Skepsis als schwerwiegende Systemgegnerschaft gelten. Die junge Biologin Mia Holl, eigentlich keine Kritikerin des Gesundheitsstaates mit dem Namen „Methode“, kann sich diese subversiven Eigenschaften jedoch nicht abgewöhnen. So gerät sie in die Mühlen des Staatsapparates, als sie versucht, die Unschuld ihres Bruders Moritz zu beweisen, der sich – wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung – im Gefängnis umgebracht hat.

Juli Zeh konfrontiert ihre Leser geschickt und ziemlich spannend mit dem philosophischen Für und Wider ihrer aller Metaphysik beraubten Beinahe-Idealgesellschaft. Die Kunst dieser Autorin besteht gerade im scharfsinnigen Gedanken-Pingpong ihrer Versuchsanordnungen, in einem heiter-diskursiven Furor, wie ihn früher Friedrich Dürrenmatt beherrschte.“ (DER SPIEGEL)

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