22.09.2012 07:06 am 12. und 13. Oktober 2012 - jewils 20.30 Uhr

Kellertheater Frankfurt - Ich mach ja doch was ich will von Doug Wright - Das unglaubliche Leben der Charlotte von Mahlsdorf Theaterstück von Doug Wright

Foto: Kellertheater Frankfurt

Von:

Aus Anlass des 10-jährigen Todestages erinnert Compagnie en route mit ihrer Inszenierung dieses Theaterstücks an Charlotte von Mahlsdorf, Deutschlands wohl bekanntesten Transvestit. Das Stück erzählt ihr außergewöhnliches Leben und würdigt ihre Lebensleistung: Den Aufbau und Erhalt eines Gründerzeitmuseums und ihren Kampf für mehr Toleranz in unserer Gesellschaft.

„Ich mach ja doch, was ich will“ ist ein furioses Ein-Mann-Stück, ausgezeichnet u.a.mit dem Pulitzerpreis. Ein Reigen von Figuren, mit Charlotte im Mittelpunkt, lässt Ihr Leben auf der Bühne lebendig werden. Charlotte von Mahlsdorf wird 1928 in Berlin-Mahlsdorf als Lothar Berfelde geboren. 17-jährig wird sie in Berlin von der SS in Mädchenkleidern aufgegriffen. Ihren brutalen Vater hat sie im Krieg erschlagen. Bei Kriegsende entkommt sie aus dem zerbombten Gefängnis und erlebt den Einmarsch der Roten Armee in Berlin.


Nach 1945 wird ihr Leben nicht leichter, im real exisierenden Sozialismus gibt
es Menschen sie offiziell gar nicht. Dennoch kämpft sie mit den DDRBehörden
um die Errichtung ihres Museums in Berlin-Mahlsdorf, wo sie Möbelstücke, Inventar, ja ganze Einrichtungen aus der Gründerzeit vor der Zerstörung rettet und bewahrt, so auch die berühmte Berliner Lesben-und Schwulenkneipe „Mulackritze“ aus den 20er Jahren.


1992, nach der Wiedervereinigung, erhält sie das Bundesverdienstkreuz, kurz
darauf wird aber auch ihre kurzzeitige Zusammenarbeit als IM mit der Stasi
bekannt. Endgültig berühmt wird sie durch einen Film von Rosa von
Praunheim und Auftritte in vielen Fernsehtalkshows. Nachdem eines ihrer
Gartenfeste von Neonazis überfallen wird, wohl aber auch verletzt durch üble
Pressekampagnen in Zusammenhang mit den Stasivorwürfen, wanderte sie
nach Schweden aus, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbringt. Am 30. April
2002 stirbt sie bei einem Besuch in Berlin.


„Ich mach ja doch, was ich will“ ist eine eindringliche Geschichte über den
Idealismus, den es braucht, eine Idee gegen alle Widerstände zu
verwirklichen, auch über den Preis der dafür bezahlt werden muss und
zugleich auch eine spannende Zeitreise durch das Deutschland des
Zwanzigsten Jahrhunderts, seine politischen Höhen und Tiefen.


Weltweit aufgeführt, ist es nach erfolgreichen Inszenierung des Berliner
Renaissancetheaters mit Dominique Horwitz im Jahr 2007 erst das zweite Mal,
dass Doug Wright‘s Stück in Deutschland gezeigt wird. Unsere Inszenierung, bei der wir vom Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf unterstützt werden, setzt schon durch die Wahl des „Spielorts“, nämlich Charlottes Arbeitskeller, einen eigenen Akzent. Das Bühnenbild zeigt den alten wandfüllenden Schrank, der in seinen unzähligen Schubladen immer noch ihre Schätze birgt: alte Schlüssel, Gardinenreiter, Geschirr, Trödel... jede Schublade könnte ihre eigene Geschichte erzählen.


“Ich bin geboren um alles zu erhalten, zu sammeln, ganz zu machen ...!“
Charlotte von Mahlsdorf Gastspiele führten uns bereits nach Wiesbaden und Leipzig. Die Berliner Premiere wird am 5.Oktober 2012 am Originalschauplatz, dem Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf sein. Inr Frankfurt spielen wir wieder am 12./ 13. Oktober, - 20.30 Uhr im Kellertheater Frankfurt, Mainstr. 2, 60311
Frankfurt.

Karten zum Preis von € 12,--(ermäßigt € 6,--) gibts unter www.ADticket.de , post@compagnie-en-route.de,telefonisch unter 0176-34040959 oder an der Abendkasse.


Regie führt Carola Moritz, das Bühnenbild ist von Friedrich-W. Gärtner,
Bastian Korff verkörpert Charlotte von Mahlsdorf sowie alle anderen Figuren
des Stücks.


Compagnie en route ist eine freie Theaterbühne, die sich europäischen
Themen verschrieben hat. Mit Theaterstücken und musikalischen
Programmen verwirklicht sie Projekte, die unsere heutigen gesellschaftlichen
Befindlichkeiten durchleuchten und hinterfragen.

Nach „En passant“ – einem Crossover Projekt zwischen Chansons und Fotografie, das am 28. Januar 2012 in den Kammerspielen in Wiesbaden Premiere hatte, ist dies ihre zweite Produktion.
Weitere Informationen über die Beteiligten:

am 12. und 13. Oktober 2012  - jewils 20.30 Uhr

im Kellertheater Frankfurt, Mainzer.2, 60311 Frankfurt.


www.carolamoritz.de
www.bastiankorff.de
www.gaertnerdesign.de