17.11.2012 07:02 Sprache ist Handeln, Sprache ist Macht

Junges Theater Göttingen: OLEANNA – EIN MACHTSPIEL am 21.11.2012

© Eulig

Von: GFDK - Junges Theater Göttingen

John, ein Professor mittleren Alters, und die zwanzigjährige Studentin Carol treffen in Johns Büro aufeinander. Die Hierarchie ist klar – die Macht auch. Zunächst.

Zu studieren, ist nicht leicht. Carol findet sich nicht zurecht. Sprache ist das wichtigste Instrument für einen fairen Umgang miteinander. Und die Studentin Carol will nur fair behandelt werden, wenn sie ihren Professor, John, um Hilfe bittet.

Carol, die die Worte ihres Professors nicht versteht, da diese sich dem Wissenschaftsdiskurs fügen, droht in Johns Seminar durchzufallen. Er bietet ihr Nachhilfe an, da er sie „sympathisch“ findet. Dabei überschreitet er Carols Grenzen des Sagbaren und erzeugt eine Wirklichkeit, in dem er sich als der Überlegenere konstituiert.

Doch Professor sein, ist auch nicht leicht. Denn als ihm der Missbrauch seiner Stellung vorgeworfen und das Gespräch mit Carol als sexistischer Übergriff ausgelegt wird, versteht der Professor die Welt nicht mehr. Carol beginnt, mit ihm zu „spielen“ und das männliche Selbstbewusstsein durch fundamentale Sprachkritik auf eine harte Probe zu stellen. Auch wenn Carol Johns Sprache nicht versteht, kennt sie die Regeln der performativen Politik. Sie „dreht den Spieß um“ und nutzt die Macht der Sprache, um John offen Sexismus vorzuwerfen und ihn anzuzeigen.

John verteidigt sich und muss damit den Konflikt annehmen. Deshalb will er mit Carol reden. Ein sprachlicher Machtkampf weitet die Kampfzonen aus. Und die Situation gerät außer Kontrolle.

Am Ende verletzt John Carols Körper wortwörtlich. Für Carol existiert aber schon lange kein Unterschied mehr zwischen dem Angriff auf sie als Person oder ihren Körper. Die Grenzen des Körpers sind die Grenzen der Gesellschaft und Johns „Hate Speech“ verletzt Carols Körper stellvertretend für die (feministische) Gesellschaft.

Der Mikrokosmos Professor – Studentin stellt eindrucksvoll die (patriarchale) Hierarchie dar. Im sprachlichen Machtkampf wird die Hierarchie verhandelt und infrage gestellt.

Oleanna  ist ein irritierendes, provozierendes Stück, welches sich hervorragend dazu eignet, die hierarchischen und patriarchalen (Sprach-)Strukturen der Gesellschaft kritisch zu reflektieren.

Oleanna wird an ausgewählten Terminen auch in verschiedenen Räumen der Georg-August-Universität gezeigt.

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