28.01.2012 07:02 von HEINRICH VON KLEIST

In die Tochter verliebt und des Hauses verwiesen - Schauspiel Köln: DAS ERDBEBEN IN CHILI am 28.1.2012

© Oliver Fantitsch / Schauspiel Köln

Von: Schauspiel Köln

Ein junger Spanier, Jeronimo Rugera, der in St. Jago, der Hauptstadt Chilis, als Hauslehrer des Edelmannes Henrico Asteron angestellt war, hat sich in dessen Tochter Donna Josephe verliebt und ist des Hauses verwiesen worden.

Die Tochter, die seine Liebe erwidert, wird vom Vater in ein Karmeliterkloster geschickt, wo das Liebespaar seine Beziehung heimlich fortsetzt. Donna Josephe wird schwanger und bekommt ihr Kind auf den Stufen der Kathedrale.

Aufgrund der Schändung des Klosters werden beide eingekerkert und Donna Josephe zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Während Donna Josephe sich auf dem Weg zu ihrer öffentlichen Hinrichtungsstätte befindet und Jeronimo im Gefängnis den Entschluss fasst, sich das verhasste Leben zu nehmen, beginnt die Erde zu beben und legt die Stadt und ihre staatlichen, kirchlichen und juristischen Institutionen in Trümmer.

Donna Josephe mit ihrem Sohn und Jeronimo entkommen dem Chaos und fliehen vor die Tore der Stadt in die Natur, wo sie sich glücklich unter anderen Flüchtlingen wiederfinden. Nach der Katastrophe herrscht ein fast paradiesischer Zustand, alle Standesgrenzen scheinen aufgehoben.

Als bekannt wird, dass in der Stadt ein Dankgottesdienst abgehalten wird, entschließen sich beide, mit ihrem Sohn daran teilzunehmen und gehen in eine neue, unerhörte Katastrophe.

Das Erdbeben von Lissabon aus dem Jahr 1755 erschütterte in Europa die Philosophen, Theologen und Schriftsteller der Aufklärung und stellte ihr Weltbild in Frage.

Neben Voltaires »Candide oder der Optimismus« ist Kleists Erzählung, geschrieben 1807 vor dem Hintergrund der Französischen Revolution, rückgreifend auf das ähnlich verheerende Erdbeben in Santiago de Chile von 1647, die wohl radikalste Auseinandersetzung mit diesem historischen Weltbildbruch.

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