04.01.2013 07:02 O du — — — wie nenn ich dich? Käthchen!

Deutsches Theater Berlin: Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist bis zum 3.3.2013

Von: GFDK - Deutsches Theater Berlin - 5 Bilder

"Alles, was die Wehmut Rührendes hat, will ich aufbieten, Lust und in den Tod gehende Betrübnis sollen sich abwechseln, und meine Stimme, wie einen schönen Tänzer, durch alle Beugungen hindurch führen, die die Seele bezaubern; und wenn die Bäume nicht bewegt werden, und ihren milden Tau, als ob es geregnet hätte, herabträufeln lassen, so sind sie von Holz, und alles, was uns die Dichter von ihnen sagen, ein bloßes liebliches Märchen. O du — — — wie nenn ich dich? Käthchen!"

Weissagende Träume, dunkle Rätsel, ein Cherub, der Leben rettet, Liebe ohne Maß und Grenzen und ein wundersames Happy End vereinen sich in Kleists Schauspiel zu einem fantastischen Zaubermärchen. Die Geschichte vom 15-jährigen Käthchen und dem von ihr geliebten, nahezu vergötterten Graf Wetter vom Strahl ist Kleists erfolgreichstes und zugleich geheimnisvollstes Stück. Ein romantisches Ritterdrama, in dem sich unterschiedlichste Motive finden, die in ihrer Gesamtheit auf die Zerrissenheit des Autors deuten. Gerade 30 Jahre alt, am Leben verzweifelt, schwankend zwischen Hoffnung und Todessehnsucht, schafft Kleist sich auf dem Papier eine "Traum-Welt". Doch auch das hilft nicht; 1811 erschießt er sich in Berlin am Wannsee gemeinsam mit seiner "Seelenfreundin" Henriette Vogel.

Andreas Kriegenburg begibt sich im Kleist-Jahr 2011 mit sechs Schauspielerinnen und Schauspielern auf die Spur einer ungeheuerlichen Geschichte ohne Maß und Ordnung, entstanden im Kopf eines radikal versponnenen Autors. Kleists Biografie ist für Kriegenburg ein Wegweiser durch seine Inszenierung, in der er das Leben des Autors mit seinem Werk verknüpft. Wem soll man vertrauen, dem Verstand oder dem Gefühl? Was ist wahrer, der Traum oder die Wirklichkeit? Heinrich von Kleist, der Dichter extremer Gefühlslagen und radikaler Liebeskonzepte, setzt in seinem großen historischen Ritterschauspiel ganz auf das Gefühl und den Traum.

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Helena Huguet (Mitarbeiterin Presse, Online-Redaktion)
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