02.08.2014 08:00 Wolfgang Amadeus Mozart

Bregenzer Festspiele: "Die Zauberflöte" - Fantasy-Spektakel mit Botschaft

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Erzählt wird die Selbstfindung eines jungen Menschenpaares; © Bregenzer Festspiele/Karl Forster

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Von: GFDK - Bregenzer Festspiele

Auch wenn Die Zauberflöte jedem Opernfreund bekannt ist, so fasziniert ihre Mischung aus Popularität und Weltsicht immer wieder neu.

Mit viel Hintersinn inszenierte Intendant David Pountney nun Wolfgang Amadeus Mozarts Welterfolg auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Das Werk ist klug gewählt, markierte es bei seiner letzten Aufführung unter der Regie von Jérôme Savary 1985 in Bregenz einst den Aufbruch in eine neue Ära. Fortan bestimmten ausschließlich seriöse Opern in fantasievoll-aufwendigen Regiekonzepten das Spiel auf dem See. Die Festspiele gewannen internationales Format, wurden zum viel beachteten Top-Thema in Zeitung und Fernsehen.

Bregenzer Festspiele

Dabei geht es in Mozarts Opernhit um ein überaus bedeutendes Thema, „den Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. So beschrieb der Philosoph Immanuel Kant das Wunder der Aufklärung nur wenige Jahre vor der Zauberflöten-Uraufführung in Wien 1791. Diese Aufforderung zur eigenen Entscheidungskraft, zu Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit findet sich auch im Opernlibretto, das sich der Schauspieler und Theatermann Emanuel Schikaneder intelligent erdachte: Auf der Grundlage einer scheinbaren Märchenhandlung – der Suche des Prinzen Tamino nach der entführten Königstochter Pamina – entsteht eine Sinnreise zwischen Gut und Böse, Lichtreich und Nachtreich.

Zauberkräfte werden durch Weisheit gebannt. Prüfungen müssen bestanden werden. Drei rätselhafte Knaben begleiten die Reise. Doch die Figuren sind bewusst doppeldeutig angelegt: Die böse Königin der Nacht, Paminas Mutter, ist in ihrer Verzweiflung auch sympathisch, und der gute Priester Sarastro, der die Königstochter entführen ließ, entpuppt sich als moralisierender Besserwisser und überlässt die bildhübsche Geisel seinem lüstern-brutalen Sklaven Monostatos.

Spiegel der Realität

In der Zauberflöte geht es also nicht nur um die vordergründige Handlung. Erzählt wird die Selbstfindung eines jungen Menschenpaares. Das entrückte Märchen wird zum Spiegel der Realität. Zur Entstehungszeit befand sich die Welt im Zeitalter der französischen Revolution. Die absolutistischen Alleinherrscher – symbolisiert in der Königin der Nacht – waren der Vergangenheit geweiht. Das erstarkte Bürgertum mit seinen vom Freimaurertum durchzogenen pseudo-religiösen Tugenden und Werten – symbolisiert im Priester Sarastro – war selbst in Riten erstarrt. Dem jungen Paar Tamino und Pamina, die sich schließlich in den Armen liegen, gehört die Zukunft.

Doch wohin führt sie? Für Regisseur Pountney sind die beiden jungen Leute „die Repräsentanten der neuen Ordnung, einer aufgeklärten Weltordnung, die weder die überflüssigen Hierarchien und den Aberglauben von Monarchen und Priestern länger benötigen noch deren antike musikalischen Merkmale.“ Denn Mozart lässt sowohl die Königin der Nacht als auch den Priester Sarastro ganz bewusst in einer rückblickenden Musiksprache singen, während die Jugend ihre Arien im modern-psychologischen Tonfall der „Empfindsamkeit“ gestaltet.

Identifikationsfigur Papageno

Damit die Handlung nicht allzu ernst bleibt, erfand der Textdichter Schikaneder den Vogelfänger Papageno, den er selbst spielte. Dieser heitere Naturmensch besitzt den gesündesten Menschenverstand von allen. Stets ein pfiffiges Liedchen oder einen weisen Spruch auf den Lippen, war er bereits bei den ersten Aufführungen der Zauberflöte ein gefeierter Publikumsliebling. Papageno ist Identifikationsfigur und Querkopf. Das sektenähnliche Gebaren der Sarastro-Priester und deren Prüfungsrituale sind ihm verdächtig. Kurz vor Schluss steigt er mit seiner Liebsten Papagena einfach aus und gründet eine Familie.

Träume wahr werden lassen

Die Inszenierung der Bregenzer Festspiele rückt die Oper in eine bunt leuchtende Fantasy-Welt. Flankiert von drei riesigen „Drachenhunden“ spielt die Handlung auf einem mit Gräsern bewachsenen Schildkrötenpanzer. Für den Bühnenbildner Johan Engels symbolisiert er den „Wald des Lebens“. Zum ersten Mal wird im See außerdem eine Drehbühne eingesetzt sowie eine Karussellschiene unter Wasser. Ein visuelles Spektakel, an dem auch Zauberflöten-Textautor Schikaneder seine Freude gehabt hätte, setzte er doch selbst gerne aufwendige Effekte ein.

Freunde der Kunst

Das macht die Oper für den Intendanten Pountney zur idealen Wahl für die Seebühne: „Mozart und Schikaneder kannten die Möglichkeiten perfekt, die gute Unterhaltung bieten kann, um mit einem Publikum zu kommunizieren, und gleichzeitig gingen sie in keinem Moment Kompromisse ein, wenn es darum ging, ihr Theater als eines der Ideen zu präsentieren, das die zentralen humanistischen und rationalen Fragen der Aufklärung ansprach.“ Auf diese Weise erschließt sich auch das märchenhaft begrünte Bühnenbild: Pountney: „Wenn die Wälder der Komplexität für den menschlichen Geist zu düster und dicht werden, stimuliert Kultur die Fantasie, den Ausweg in Träumen zu finden, und Träume wahr werden zu lassen.“ Auch so ist die ewig aktuelle Zauberflöten-Story zu deuten.

info@bregenzerfestspiele.com