21.05.2012 12:20 Mit Alvis Hermanis Inszenierung „Platonov“

Berlin - Abschluss des Theatertreffens 2012 - Erfolgreiches Festival unter neuer künstlerischer Leitung - das 49. Theatertreffen geht zu Ende

Platonov media gallery (c)Berliner Festspiele/Krafft Angerer - Burgtheater im Akademietheater, Wien

Von: Jagoda Engelbrecht

Mit Alvis Hermanis Inszenierung „Platonov“ geht am 21. Mai das
49. Theatertreffen in Berlin zu Ende – insgesamt 20.000 Zuschauer begleiteten das Festival. Am heutigen Montagabend, den 21. Mai endet mit der letzten Vorstellung von Alvis Hermanis „Platonov“ das 49. Theatertreffen.

Neben den zehn bemerkenswertesten Inszenierungen realisierte das Festival unter der neuen künstlerischen Leiterin Yvonne Bühnenhölzer und dem Intendanten Thomas Oberender ein dichtes Veranstaltungskonzept
unter den inhaltlichen Schwerpunkten „Zeit“ und „Kollektive“.

So fanden in den letzten 18 Tagen zahlreiche Aufführungen und szenische Lesungen, Workshops, Autoren- und Künstlergespräche, Konzerte und Preisverleihungen statt, die - ausgehend von der ästhetischen Bandbreite der zehn ausgewählten Produktionen - in unterschiedlichster Weise
die Entwicklungen der Produktionsstrukturen des deutschsprachigen Raums reflektierten.


Ein Drittel der eingeladenen Inszenierungen entstanden als Kollektivarbeiten.
Mit dabei war die deutsch-britische Gruppe Gob Squad, das norwegisch-deutsche Regie-Trio Vinge/Müller/Reinholdtsen sowie Milo Rau und das International Institute of Political Murder.


Die neuen Produktionsbedingungen für Theaterkünstler und die damit verbundenen Herausforderungen an ihre Konzepte und gesellschaftliche Positionen, die sich auch in der diesjährigen Auswahl niederschlugen, wurden in begleitenden Veranstaltungsformaten reflektiert:

Im inzwischen bereits traditionellen Akademieprogramm des Internationalen
Forums mit Teilnehmern aus 17 Ländern wurde das Thema „Unterwegssein als neues Zuhause“ untersucht. Der Stückemarkt lud zum ersten Mal ein Theaterkollektiv mit einem Projektkonzept ein.

Auch die Themenveranstaltungen in den neu gegründeten
Veranstaltungsformaten griffen Diskurse der diesjährigen Auswahl auf: der Künstlergipfel, der Open Campus (in Kooperation mit dem internationalen Forschungskolleg „Verflechtungen von Theaterkulturen“ der Freien Universität Berlin), das Projektlabor (veranstaltet vom Stückemarkt) und das Forum Kulturpolitik (eine Initiative der Heinrich- Böll-Stiftung und des Theatertreffens).

In ihnen wirkten neben zahlreichen Künstlern, Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten Teilnehmer aus 31 Ländern mit. Im Rahmen des Theatertreffens 2012 wurden drei renommierte Preise verliehen:

Mit dem Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung wurde die Schauspielerin Sophie Rois geehrt. Den Alfred-Kerr-Darstellerpreis übergab die diesjährige Jurorin Nina Hoss an Fabian Hinrichs für seine schauspielerische Leistung in „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“ (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin).


Erstmalig fand die Preisverleihung des 3sat-Preis auf der großen Bühne im
Haus der Berliner Festspiele statt. Geehrt wurde der Regisseur Nicolas Stemann für „Faust I + II“ („Ein Theater auf der Höhe der Zeit und auf Augenhöhe mit dem Publikum. Richtungsweisend.“ - Jurybegründung)

Platonov

von Anton Čechov
Deutsch von Peter Urban

Burgtheater im Akademietheater, Wien

Regie Alvis Hermanis
Bühne Monika Pormale
Kostüme Eva Dessecker
Licht Gleb Filshtinsky
Dramaturgie Klaus Missbach

Mit:
Dörte Lyssewski: Anna Petrovna Vojniceva, junge Witwe, Generalin
Philipp Hauß: Sergej Pavlovič Vojnicev, Sohn General Vojnicevs aus erster Ehe
Johanna Wokalek: Sofia Egorovna, seine Frau
Peter Simonischek: Porfirij Semënovič Glagoljev 1
Dietmar König: Kirill Porfirjevič Glagoljev 2, sein Sohn
Franz J. Csencsits: Gerasim Kuzmič Petrin
Hans Dieter Knebel: Pavel Petrovič Ščerbuk
Yohanna Schwertfeger: Marja Efimovna Grekova
Roland Kenda: Ivan Ivanovič Trileckij, Oberst im Ruhestand
Martin Reinke: Nikolaj Ivanovič, sein Sohn, ein junger Arzt
Michael König: Abram Abramovič Vengerovič 1, ein reicher Jude
Fabian Krüger: Isaak Abramovič 2, sein Sohn, Student
Martin Wuttke: Michail Vasiljevič Platonov, Dorflehrer
Sylvie Rohrer: Aleksandra Ivanova (Saša), seine Frau, Tochter von I.I. Trileckij
Brigitta Furgler: Katja

Fast hat man das Gefühl, in einen Big-Brother-Container zu blicken – trügen die Schauspieler nicht Gehröcke, steife Hemdkrägen und gestärkte Blusen. Hatten Generationen von Theatermachern ihren ganzen Ehrgeiz darauf verwendet, die unsichtbare vierte Wand einzureißen, stellt Alvis Hermanis sie wieder auf – in einer vielleicht noch nie dagewesenen Radikalität.

Platonov

Ort:

Haus der Berliner Festspiele, Große Bühne

Preis/Kategorie:

€ 15 – 53