19.01.2017 07:02 Premiere 28. November

Bayerische Staatsoper feiert Premiere von Lady Macbeth von Mzensk

Kirill Petrenko dirigiert Lady Macbeth von Mzensk an die Bayerische Staatsoper

Für die Neuinszenierung von Lady Macbeth von Mzensk kehrt Harry Kupfer nach über 15 Jahren an die Bayerische Staatsoper zurück. Kirill Petrenko, Foto: Wilfried Hösl

Von: GFDK - Bayerische Staatsoper

Kirill Petrenko erarbeitet zusammen mit Regisseur Harry Kupfer die zweite Neuproduktion der Saison: Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk. Der Aufführung liegt die rekonstruierte früheste Fassung der Oper zugrunde. Anja Kampe gibt als Katerina Ismailowa ihr Rollendebüt. Premiere ist am Montag, 28. November.

Harry Kupfer und Kirill Petrenko


Für die Neuinszenierung von Lady Macbeth von Mzensk kehrt Harry Kupfer nach über 15 Jahren an die Bayerische Staatsoper zurück. Zuletzt inszenierte er hier die Uraufführung von Aribert Reimanns Bernarda Albas Haus (2000). Dies ist die zweite Zusammenarbeit zwischen Kirill Petrenko und dem Regie-Altmeister nach Palestrina in Frankfurt (2009).

Harry Kupfer inszeniert Lady Macbeth von Mzensk im Geist der Dialektik: Es stehen tiefgründige Monologe neben satirischen Genreszenen, emotionale Offenbarung neben Heuchelei, niederträchtiges Verhalten neben humanistischer Hoffnung. Und oft wechselt das eine sekundenschnell ins andere, oder zwei gegensätzliche Dinge schieben sich direkt übereinander. Das ist also einerseits abwechslungsreiche Vielfalt, aber andererseits auch in sich widersprüchlich – und zwar ganz bewusst. „Wir werden das Stück in die vorrevolutionäre Zeit verlegen, wo chaotische Zustände und Korruption in Russland herrschten … Die Bühne zeigt ein industrielles Umfeld mit Schrott, Dreck und Verwüstung – als Symbol für den Zustand der einzelnen Figuren“, so Harry Kupfer.

Oper in München

Anja Kampe singt erstmals die Titelpartie in diesem „Frauenstück“ (Kupfer). Zuletzt war die Sopranistin in der Neuinszenierung von Andreas Kriegenburgs Die Walküre zu erleben. Des Weiteren singen Anatoli Kotscherga, Sergey Skorokhodov, Misha Didyk, und Alexander Tsymbalyuk.

Oper Lady Macbeth von Mzensk


Die Oper schildert den Versuch der Selbstverwirklichung einer jungen Frau, der im Verbrechen endet und vier Menschen das Leben kostet. Der von Nikolai Leskow entworfene Stoff spielt in der Zarenzeit, aber er hat nicht nur fürs mittlere und späte 19. Jahrhundert Gültigkeit. Das Thema Frauenunterdrückung in der russischen Gesellschaft zieht sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Die Geschichte um Katerina ist ein Abbild der Gesellschaft: Sie zeigt die Despotie bis in die kleinste Zelle, bis in die Familie hinein.

Die Uraufführung von Lady Macbeth von Mzensk fand in Leningrad am 22. Januar 1934 statt. Es folgte kurz darauf eine Inszenierung in Moskau unter dem alternativen Titel Katerina Ismailowa. Diese beiden Interpretationen wurden innerhalb von nur zwei Jahren 177 Mal gegeben und zudem in Amerika und mehreren europäischen Städten gezeigt.

Am 26. Januar 1936 besuchte Josef Stalin eine Vorstellung im Bolschoi-Theater. Aus ungeklärten Gründen verließ er das Theater noch vor dem 4. Akt. Der Schmähartikel „Chaos statt Musik“ unterband kurz darauf alle weiteren Aufführungen der Oper. Mehrere Monate schlief Schostakowitsch angezogen neben dem gepackten Koffer, aus Angst, in der Nacht abgeholt zu werden. In den 1950er Jahren begann Schostakowitsch mit einer Umarbeitung der Oper, wobei er die anstößigsten Stellen in Text und Musik glättete, strich oder ersetzte. Die Neufassung wurde 1963 erstmals wieder offiziell aufgeführt. 2010 wurde im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe von Schostakowitschs Werken die rekonstruierte früheste Fassung publiziert, die unserer Neuinszenierung zugrunde liegt.