18.03.2013 08:00 Inszenierung Beate Baron

Staatsoper Berlin: Vanitas Natura morta in un atto von Salvatore Sciarrino bis zum 3.4.2013

Von: GFDK - Staatsoper Berlin - 2 Bilder

VANITAS, Vergänglichkeit, ist der Titel eines Musiktheaterwerks von Salvatore Sciarrino, das 1981 in Mailand uraufgeführt wurde und sich auf ganz allgemeine Art mit Vergehen und Verlöschen auseinandersetzt. Nachdem die Werkstatt im Oktober 2010 mit INFINITO NERO des italienischen Komponisten wiedereröffnet wurde, wird in dieser Spielzeit die zeitlich deutlich längere musikalische Aktion VANITAS auf die Bühne kommen.

Sciarrinos Kunst, Handlungsmomente zu zergliedern fand in diesem Werk seinen ersten Höhepunkt. Musikalisch am untersten dynamischen Stärkebereich angesiedelt, unterzieht Sciarrino – parallel zur Vereinzelung und Atomisierung einer Handlungsreflexion – das musikalische Material einem Abtastungsprozess mikrotonaler Bereiche mittels Glissandi und Flageoletttrillern.

Damit verweigert er auch musikalisch einen klaren Handlungsverlauf. Mindestens ebenso wichtig ist für den Komponisten die Problematik der Sprachvertonung insgesamt. Im Falle des kantatenähnlichen »Still-Leben in einem Akt« für die denkbar kleine Besetzung Mezzosopran, Violoncello und Klavier, stellt Sciarrino in fünf Sprachen eine Anthologie barocker Dichtung zusammen, die er, ohne auf den Sinn der benutzten Wörter zu verzichten oder sie in Phoneme zu zerlegen, zu einem minimalistischen Gesangstil verdichtet. Dessen neuartige Ausdruckssprache wurde nicht nur für seinen eigenen Kompositionsstil elementar, sondern prägt seitdem die Vokal- und Musiktheaterkompositionen der nachfolgenden Generation.  
 
In VANITAS wird die Palette sprachlicher Artikulationsweisen genutzt, um seelische Erschütterung ebenso wie menschlich entrückte Reflexion abzubilden. Vergänglichkeit wird hier gleichsam am Beispiel des Er- und Verklingens von Musik auf bis dahin ungehörte Weise erfassbar gemacht.

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