25.03.2014 08:45 Neue Single "Destroyer"

Musik: Sphärisch! Indie-Rockband PEER ist wieder da - Und zwar mit ihrem neuen Album "Galaktika"

Peer veroeffentlichen neues Album Galaktika

PEER sind immer noch das schiefe Lächeln, der scharfe Blick, die zärtlich Geste und die kleine erhobene Faust. Wie gut ist es, dass es sie gibt. © Andreas Hornoff

Peer sind experimentierfreudige Musiker

Bild 2: Album "Galaktika" © Sitzer Records / Broken Silenc

Von: GFDK - Björn Köhler

Die 5-köpfige Band PEER veröffentlicht ihr zweites Album „Galaktika“ Anfang Mai. Die Combo vereint Figuren der Indie-Szene der Stadt Berlin um den Sänger und Texter Peer Göbel (le mobilé, undertube). Die Musik ist geprägt von klassischem Gitarren-Indie, Sing-er-Songwriter-Folk, den ganz großen Klavierballaden und etwas varietéartigem Wahnsinn, ergänzt um Bläser, Streicher und Chöre.

PEER sind also wieder da. Auf der Bühne, bald beim Plattenhändler, auf YouTube mit der neuen Single „Destroyer“, im Kopfhörer in der U-Bahn und in den Herzen all derer, die nicht aufhören können, das Schlechte zu erkennen und an das Gute zu glauben. Über drei Jahre nach dem so liebevollen wie kämpferischen Debüt-Album „Wir sind Peer“ mit dem viralen Hit „Schutzraum“ (den das Intro kürzlich in ihre Liste der „50 Hits, die du noch nie gehört hast“ aufnahm) veröffentlicht sie nun ihre zweite LP. 10 fantastische Songs, kleintei-lig und hochdynamisch produziert von dem befreundeten Sven van Thom.

Textlich beschreiben PEER die Verstrickungen des gar nicht so eigenen Lebens mit der (Arbeits-)Welt, so präzise wie poetisch wie kaum eine andere Band. Schon zum ersten Album schrieb die taz: „PEER spielen da nicht nur ein paar Hits runter, sie haben auch die Parolen, die eine Zeit auf einen einzelnen Satz bringen.” Auf „Galaktika“ heißt es in dem Opener „Drop D“: „Ich lese meine Kontoauszüge / als Dokumentation meines Lebens“. Die Erkenntnis der Verhältnisse durch Selbstbeobachtung ist eine außergewöhnliche Gabe des Texters Peer Göbel.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

In „Newton“ wird mit Buzzwords und Fetzen von Zeitgeschichte nur so um sich geworfen, wie einst in Billy Joels „We Didn’t Start the Fire“. Das banale wie furchtbare Weltgesche-hen rauscht unerbittlich vorbei. Was bleibt, ist eine physikalische Konstante. „Die Erde dreht sich unter uns, wir fallen trotzdem nicht runter“. Danke, Newton. Die bittersüße Re-trospektive auf einen romantischen Herbstnachmittag in „Pferderennen“ überrascht mit himmlischem Chorgesang, und „1000 Höhenmeter“ erzählt von einer abenteuerlichen Urlaubsreise. Einer „Zwischenzeit“ im wörtlichsten Sinne, in der Leichtigkeit, Mut und Freiheit erlebbar sind, wo Gefahren lauern und die Elemente toben. Eine Hymne an die besonderen Momente und das Fernweh ohne jeglichen Selbstfindungsquark.

Im düster-trotzigem Titelstück „Galaktika“ und im beschwingten „Diese Fragen“ geht es dann wieder um die zentralen Themen im PEER-Kosmos. Wie umgehen mit den persön-lichen Anforderungen (die eben auch eine kollektive Überforderung sind) durch die Le-benszusammenhänge, mit den ganzen Kompromissen und der Erkenntnis, nicht mehr ganz jung zu sein. Peer Göbel singt dazu: „Wir brauchen etwas, worauf wir uns freuen können“ und „Wir werden nicht aufhören, diese Fragen zu stellen, ob wir wirklich dahin wollen, wohin wir gerade gehen.“ Es sind mehr Feststellungen als Lösungen, mehr Ge-wissheiten als Aufforderungen, in denen die Antworten vielleicht schon drinstecken. Leben ohne Resignation bleibt schwierig, aber möglich. Mit „Auf hoher See“ gelingt PEER nichts weniger als ein Schlaflied für die gehetzte Generation Party&Praktikum, der auch auf einer Beerdigung nicht fehl am Platz wäre. Ein zeitloser Song, der trotzdem zum Weitermachen ermutigt: „Wer niemals aufbricht, kommt nirgendwo an“.

PEER sind immer noch das schiefe Lächeln, der scharfe Blick, die zärtlich Geste und die kleine erhobene Faust. Wie gut ist es, dass es sie gibt.

Text: Benjamin Walter

„Galaktika“ - Titel & Artwork

Der Album-Titel „Galaktika“ folgt der Tradition, den Namen von einem Lied auf der Platte zu übernehmen, das für das ganze Album stehen kann. Letztlich wurde die konkrete Benennung an einem verrauchten Konzertabend im Kaffee Burger von der befreundeten Musikerin Kitty Solaris vorgeschlagen. Im gleichnamigen Song heißt es: „Ich hätte auch lieber etwas in Anspruch nehmendes zu tun / stattdessen muss ich zuhause rumsitzen und die ganze verdammte letzte Staffel von Battlestar Galactica sehen. (…) Wir brauchen etwas, worauf wir uns freuen können.“ Das Lied verhandelt in einigen Wendungen die Anforderungen des Arbeitslebens und die Veränderungen zwischen dem, was man früher Jugend und Erwachsensein nannte. Es handelt von Scheitern und Weitermachen sowie dem Gedanken, das Gute, das einem widerfährt, auch zu bemerken, und darüber hinaus es selbst in der Hand zu haben, Dinge zu ändern - einige zentrale Themen des Albums. Nicht zuletzt korrespondiert das futuristische Sujet für die ausgewiesenen Science-Fiction-Fans der Band auch in seiner Grundidee mit dem Album: über das Vorgegebene hinaus-zuweisen, neue Räume zu eröffnen, so wie gute Science Fiction immer eine Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen einschließt. 

Das Artwork von „Galaktika“ beruht auf Kunstwerken des französischen Illustrators und Autors Albert Robida (1848-1926), einem hierzulande eher unbekannten Science-Fiction- / Steampunk-Wegbereiter des fin de siècle. Anders als sein Zeitgenosse Jules Verne interessierte sich der hauptberufliche Karikaturist weniger für technologisch befeuerte Abenteuergeschichten, sondern für den Alltag und die bürgerliche Gesellschaft in der Zukunft. Robidas Voraussagen umfassten u.a. das „Telephonoskop“, ein Gerät mit einem Bildschirm, mit dem man Übertragungen von anderen Orten der Welt sehen kann und mit entfernten Menschen sprechen (also die Ideen von Fernsehen und Videotelefonie / Skype), die Gleichstellung der Frauen (Wahlrecht, Berufe wie Ärztin/Anwältin, Autos fahrend, Hosen tragend und rauchend), Massentourismus und Umweltverschmutzung. Sein Hauptwerk, die Roman-Trilogie „Le Vingtième Siècle“ (1883-1890), ist nie auf Deutsch erschienen.

Die Vorlage für das Album-Cover stammt von 1882 und trägt den Titel „La Sortie de l'opéra en l'an 2000“, zeigt also Robidas Entwurf für die Abreise nach einem Opern-besuch im Jahr 2000, was der Band auch wegen des Verweises auf das verehrte Queen-Album „A Night at the Opera“ gefiel.

PEER - Band History

PEER gründeten sich Ende 2007 als Erweiterung des Soloprojekts von Peer Göbel, der unter dem Namen „Peer“ zuvor schon ein Album und eine EP herausbrachte. „Lieder, um sie auf das Ende eines Mixtapes zu machen“ (2005) war ein Konzeptalbum mit 27 Songs zwischen 7 Sekunden und zwei Minuten, die „Gassenhauer“-EP (2006) versuchte mitsamt Blaskapelle, den Berliner Schlager der 20er Jahre wiederzubeleben („Ditt is do ulkig mit die Liebe/ am Ende biste immer anjeschmiert“). Zuvor hatte er mit le mobilé zwei Alben herausgebracht und war mit seinem Musik-Videoblog Undertube für den Grimme Online Award 2007 nominiert. Die Band setzte sich aus Freunden der Berliner Indieszene zusammen, Marv spielte zuvor bei Hund am Strand Schlagzeug, Phil greift außerdem noch bei ampl:tude in die Tasten, Thommi spielte bei Sumo und Ersatzband, Daniel hat seine eigene Band The Grand Coulee.

2010 erschien das Debüt-Album „Wir sind PEER“ bei Sitzer Records. Es folgten Touren mit ClickClickDecker, Ja, Panik und Locas in Love sowie Festivalauftritte, Peer wurde solo Stammgast bei der Flittchengala in Berlin. Seit 2011 veranstalten PEER eine monatliche Konzertreihe in Berlin. Beim „Great Magic Songwriting Circus“ führen sie als Zirkusband durch den Abend und stellen sich dem Songwriting Mortale: Zu Beginn werden aus dem Publikum zehn Wörter und zwei Akkorde gesammelt, am Ende des Abends ist ein neuer Song geschrieben und wird uraufgeführt.

2013 wurde das zweite AlbumGalaktika“ im eigenen Proberaum mit Sven van Thom aufgenommen und in einer Crowdfunding-Kampagne bei Startnext.de durch die Fans finanziert.

Pressestimmen

„Vielleicht ist die Band PEER bald davon befreit, als ungehörter Hitlieferant bezeichnet zu werden, denn ihr neues Album wird locker über Crowdfunding finanziert. Grund dafür sicher auch: Diese Hymne auf die neue Generation Praktikum.“ (Intro)

„Die Single "Destroyer" und das Snippet zum neuen Song "Newton" stimmen übrigens optimistisch.“ (Musikexpress)

„PEER brauchen jedoch keine fancy Klamotten und Undercut, sind auch nicht 18 Jahre alt und springen zu ihren Pop-Songs auch nicht bunt im Kreis. Der Haufen erwachsener Männer trinkt bestimmt gerade ein Bier im Aufnahmezimmer, macht Rockmusik (aber ganz sanft) und ist sozusagen halbfrisch, aber nicht weniger schön. So ganz ohne Geschwurbel und Blingbling, dafür mit umso mehr Schweiß, Gitarren und Witz.“ (Mit Vergnügen)

PEER sind:

Peer Göbel – Gesang, Gitarre│Daniel von Fromberg – Gitarre, Gesang│Martin Thomas (Marv) – Schlagzeug, Gesang│Philipp Guhr – Klavier, Virus, Gesang│Thomas Heinrich – Bass, Gesang

peerband.defacebook.com/peerbandstartnext.de/peer

PEER on Tour

2.5.2014 Berlin, Südblock - Auftritt bei der Flittchengala

3.5.2014 Berlin, Zosch (Record Release Konzert) + Support: Freizeit 98
1.8.2014 Burg Friedland, Jenseits von Millionen Festival

Mehr tba.

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