28.06.2013 08:19 Ein Album mit einer "Palette an Sounds"

Musik Rock/Pop: LLOYD COLEs neues Meisterwerk "Standards" - Inspirierende Lebendigkeit

Lloyd Cole ist ab September 2013 auf Tournee

"Verdammt! Ich hab' all diese Notizbücher voller Ideen. Was würde passieren, wenn ich einfach mal richtig hart an diesen arbeiten und ein Album draus machen würde?", so Cole. Bild 1+2: Lloyd Cole © Kim Frank

Lloyd Cole ist ein englischer Songwriter

Neues Album Standards des Kuenstlers Lloyd Cole ist erschienen

Bild 3: Album "Standards" © Tapete Records

Von: GFDK - Tapete Records

"Standards", in New York und L.A. aufgenommen und von Olaf Opal gemixt, kommt wesentlich energetischer und rauer daher als Lloyds letzte Werke. Waren hier noch eher akustische Gitarren und sanfte Arrangements zu hören, überrascht "Standards" mit schrofferen Klängen, wenigen Keyboards und gaaaaanz vielen E-Gitarren! Dazu ausgestattet mit ein paar der wohl stärksten Kompositionen des englischen Songwriters seit geraumer Zeit, ist es jetzt schon eine der fulminantesten Neuveröffentlichungen des Jahres!

Abseits der dunklen Künste kommen Wiedergeburten ja eher überraschend daher. Fragen Sie einmal Lloyd Cole, der noch im September letzten Jahres keine Vorahnung von dem anstehenden kreativen Songwriting-Ausbruch haben konnte, der über ihn hereinbrechen sollte. Von Salon.com nach einer Rezension des neuen Bob-Dylan-Albums „Tempest“ gefragt, bereitete Mr. Cole schon eine freundliche Absage, eine Entschuldigung vor, um sich einen Nachmittag voll milder Enttäuschung zu ersparen. Aber dazu kam es dann doch nicht.

Energetische raue Musik

“Es ist vielleicht nicht das stärkste Album seiner Karriere geworden, besticht aber mit einer inspirierten Lebendigkeit – erstaunlich für jemanden in seinem Alter. 72! Ich nahm das als Tritt in den Allerwertesten. Denn ich dagegen dümpelte so vor mich hin. Es hat Jahre gegeben, in denen ich keinen einzigen Song geschrieben habe. Aber als ich dieses Album hörte, da dachte ich: Verdammt! Ich hab' all diese Notizbücher voller Ideen. Was würde passieren, wenn ich einfach mal richtig hart an diesen arbeiten und ein Album draus machen würde?“

Die Antwort auf diese Frage ist „Standards“, wohl mit das Beste, was Lloyd seit dem bahnbrechenden Debüt mit seiner Band The Commotions („Rattlesnakes“, 1984) aufgenommen hat. Die letzten zehn Jahre waren eher durch ruhigere Kompositionen und Aufnahmen, wie das Folk-Country- infizierte „Broken Record“ (2010), geprägt.Während dieses Album noch den akustischen Lloyd präsentierte, kommt „Standards“ leuchtend und unverschämt elektrisch daher. „Standards“ sieht seine Bezugspunkte eher in der Welt des elektrischen NYC-Rock, geprägt von Dylan (1965), Television (1977) bis hin zu Lou Reeds 80er Meisterwerken „The Blue Mask“ und „New York“.

Fred Maher (Drums) und Matthew Sweet (Bass) sorgen auf „Standards“, wie schon auf Lloyds Solo-Alben „Lloyd Cole“ (1990) und „Don’t Get Weird On Me Babe“ (1991) für den Backbeat. Joan (As Police Woman) Wasser spielt Piano und singt Backing Vocals. Lloyd singt, spielt Synthesizer und einige der knackigsten, stürmischsten und brennendsten E-Gitarren seiner Laufbahn. Insgesamt ein kompakter Sound, der sich, je nach Temperament des jeweiligen Songs, straff zieht und wieder entspannt.

Die Band komplettieren Mark Schwaber, Matt Cullen und Lloyds Sohn Will an der Gitarre, außerdem Commotions-Keyboarder Blair Cowan, Percussionist Michael Wyzik und Dave Derby (Backing Vocals).

„Ich wollte ein Album mit einer bewusst kleinen Palette an Sounds machen, wie ein Van Gogh, wie „Highway 61“. Ich mag‘s, wenn Alben einen Sound haben. Obwohl das Format immer wieder totgesagt wird, möchte ich trotzdem Alben machen. Nicht nur Haufenweise Songs – Alben! Mit der heutigen Technologie ist es einfach, jeden Sound hinzubekommen. Da ist die Gefahr, sich zu verzetteln, enorm. In den letzten zehn Jahren war ich hauptsächlich ein akustischer Musiker. Aber auf diesem Album findet sich gerade mal eine akustische Gitarre! „Standards“ ist ein Album für elektrische Gitarren, Bass und Drums mit ein wenig Piano und Synthesizern. Nicht monochrom, aber ein Album mit einem Sound.”

„Als ich anfangs an den Songs arbeitete, wurde mir klar, dass mindestens die Hälfte Rock‘n‘Roll-Songs waren, etwas, das – wie ich dachte – meiner Vergangenheit angehörte. Ich denke aber, man sollte die Songs selber Boss sein lassen. Und sie sagten mir, ich müsse eine Rock-Platte – oder zumindest eine Pop-Platte mit einer Rockband – machen.

„Standards“ beginnt mit dem einzigen Coversong auf dem Album: „California Earthquake“ aus der Feder von John Hartford, geschrieben unter dem unmittelbaren Eindruck des Erdbebens, welches 1971 Kalifornien traf. Mit seiner Vorahnung eines emotionalen wie psychologischen Zusammenbruchs führt der Song optimal ins Album ein.

„Ich bin wohl ein „Worst Case Scenario“-Mensch. Ich schreibe diese hundeelenden Songs schon so lange, wohl in der Annahme, dass diese mich irgendwie gegen die Szenarien, von denen ich erzähle, immunisieren könnten. Wie eine St. Christopher-Medaille. Wenn ich davon singe, kann es mir ja wohl nicht wirklich selbst zustoßen, oder?“

Lloyds Songs sind natürlich niemals so simpel gestrickt, dass sie nur eine Projektion seiner schlimmsten Ängste wären.„Ich lasse meine Songs gerne möglichst offen, so dass die Leute ihren eigenen Weg finden können, sie zu verstehen.“

Obwohl Lloyd das College vorzeitig verließ, um seine musikalische Karriere zu verfolgen, gibt es wohl kaum einen beleseneren, versierteren Connaisseur der Musik, Bücher und Filme. „Ich war immer hin und her gerissen zwischen der Campusbücherei und den New York Dolls. Mein guter Freund Robert Quine wählte hierfür gerne anerkennend das Wort „moronic“ (debil). Auf meinem ersten Album habe ich einen Song über jemanden, der viel zu belesen und analytisch ist, um Dinge authentisch fühlen zu können. Ich bin mir also der Zwiespältigkeit meines gewählten Berufes durchaus bewusst.“

„Es begann alles mit Gershwin und Louis Armstrong. Dann kamen jedoch Dylan, Leonard Cohen, Ray Davies, Paul Simon, Bowie und Prince, die mir zeigten, wie viel durch das Aufweichen der Grenzen zwischen „hoher“ und „niedriger“ Kunst zu erreichen ist. Ich finde das sehr aufregend, in gleicher Weise wie The Godfather aufregend ist – eine fantastische Arbeit für alle, nicht nur für Leute, die ins Museum gehen. Ich versuche Musik zu machen, die wirklich alle verstehen können.“

Beim ersten flüchtigen Blick auf „Standards“ vernimmt man textliche Kotaus zu Blondie, Iggy Pop, Billie Jo Spears, Nick Cave, den Stones und, natürlich, Dylan. Musikalisch gibt es Verweise zu Television und U2. „Es ist wie ein Spleen, manchmal merke ich gar nicht, dass ich es tue. Ich denke an das, was T.S. Eliot und Picasso über das kreative Stehlen sagten. Wer eine eigene Stimme besitzt, wird auch das, was er sich aneignet, zu etwas Neuem machen. Ich bin stets angezogen von kulturellen Referenzen. Diese können mit nur ein paar Wörtern soviel zu einem Song beitragen.“

Die Inspirationen für einen Lloyd-Cole-Song sind aber weit vielschichtiger, wie das Beispiel „Women’s Studies“ zeigt.

„Ich erinnere mich an ein Interview von Jools Holland mit Miles Davis bei The Tube TV Show. Miles war in prima Form, wollte aber partout nicht über seine Musik, sondern nur über seine Gemälde – die allesamt seine Frau von hinten zeigten – reden. Also nahm ich den Titel „Women’s Studies“ auf, wohl inspiriert durch Miles, und hatte damit einfach ein wenig Spaß. Im Laufe des Textes konnte ich dann noch auf ein paar eigene Erinnerungen zurückgreifen, als ich jung und zuweilen arg derangiert war.

Ich dachte früher immer, es gäbe einen großen Unterschied zwischen einem Dichter und Songschreiber. Heute nicht mehr. Es ist wirklich das gleiche Ding. Würde Byron heute leben, wäre er ein Songwriter.“

Wie Byron, ein englischer ,Midlander‘ mit einer schottischen Verbindung, und wie viele dieser schottischen Songwriter schaut Lloyd eher nach Westen für Inspiration als südwärts nach England. „Ich glaube wirklich, dass meine Arbeit mehr mit der amerikanischen Folkmusik gemeinsam hat als z.B „Jerusalem“, da bin ich mir sicher. So viel der Kunst, der Musik und Literatur, die ich liebe, kommt eher aus New York, Los Angeles und Chicago. Das erste Mal als die Commotions in den USA tourten, nahm ich einen vollen und einen leeren Koffer mit. Letzterer war auf der Rückreise voller Bücher und Platten. Diese Songs zu singen fühlt sich so an wie wieder der zu sein, der ich Mitte zwanzig war. Nur wenn ich in den Spiegel schaue oder Treppen steigen muss, realisiere ich mein wahres Alter. Meine ästhetischen Vorstellungen haben sich seitdem nicht allzu sehr verändert. Hoffentlich nur ein wenig weiterentwickelt.“

Und nach „Standards“, wie könnte es weitergehen? „Ich fühle mich bestärkt. Ich fühle mich, als könne ich Platten machen, solange ich dies will.“

Lloyd Cole hat bislang zwölf Studioalben veröffentlicht, darunter drei mit The Commotions und eine mit The Negatives. Eine „ambient collaboration“ mit der Krautrocklegende Hans Joachim Roedelius namens „Selected Studies Vol. 1“ erschien Anfang 2013.


Pressestimmen zum Album "Standards":
 
“… a rocking, reinvigorated return … terrific” UNCUT (8/10)

“Effortless craftsmanship from a gifted storyteller” Q

"Es ist nie zu spät für die große Platte eines Songschreibers, der über die Zeiten hinweg etwas Altertümliches geschaffen hat: ein Werk."  ROLLING STONE (****)

"...captivating!" MOJO (****)

"...a timeless classic." CLASSIC POP (*****)

"Lloyd Cole ist too legit to quit, und "Standards" gehört zu seinen besten Platten." SPIEGEL ONLINE

 

Konzerte in Deutschland und der Schweiz
Lloyd Cole live
präsentiert von Rolling Stone, Kulturnews und laut.de
29.09.13 D-Sylt - Friesensaal
26.11.13 D-Köln - Live Music Hall
27.11.13 L-Dudelange - Opderschmelz
29.11.13 D-Wawern - Alte Synagoge
30.11.13 D-Frankfurt - Brotfabrik
01.12.13 CH-Zürich - Viadukt
03.12.13 D-München - Feierwerk
04.12.13 - A-Salzburg - Rockhouse
05.12.13 A-Wien - Szene
08.12.13 D-Hamburg - Fabrik
09.12.13 D-Berlin - Heimathafen

Tickets gibt es für einen Teil der Konzerte schon im Tapete Records Shop.
Weitere werden bald hinzugefügt.



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