04.01.2013 08:40 Keine Band ohne Meinung!

Musik Rock: The Joy Formidable stellen ihr neues Album "Wolf's Law" vor

Musik Rock: The Joy Formidable stellen ihr neues Album "Wolf's Law" vor

Bild 1-3: The Joy Formidable © JF Minchin

Bild 4: Album "Wolf's Law" © Warner Music

Von: GFDK - Warner Music - 4 Bilder

In ihrer Heimat UK sind The Joy Formidable seit dem Debüt "The Big Roar" (2010, Platz 31) längst kein Geheimtipp mehr, auch "Twilight"-Fans schätzen die Band seit dem Beitrag "Endtapes" zum Soundtrack "Breaking Dawn, Part 1". Nun stellen sich die Alternative Rocker auch bei uns der breiten Öffentlichkeit vor

2011 war ein Wendepunkt für The Joy Formidable. Nachdem man einen weltweiten Vertrag bei Canvasback Music, einer Abteilung von Atlantic Records, unterzeichnet hatte, veröffentlichte das aus Ritzy Bryan (Lead Vocals, Gitarre), Rhydian Dafydd (Bass, Backing Vocals) und Matt Thomas (Drums, Percussion) bestehende Trio sein Debütalbum „The Big Roar“. Auch ihre Live-Show dehnte sich gewaltig aus, nachdem sie sich Anfang des Jahres als eine jener Bands ins Gespräch gebracht hatten, die bereit für den Durchbruch auf größeren Bühnen ist und gesteigerte Anerkennung verdient hat.

Dass die Band beim neuen Album „Wolf's Law“ die Gelegenheit beim Schopf gepackt hat, ihren Horizont und Sound zu erweitern, wird niemanden überraschen, der mit ihrer bisherigen Arbeit oder ihren Live-Shows vertraut ist. Schließlich haben sie die Blaupause ihrer Lebenseinstellung auf ihrem Debütalbum und bei den begleitenden Live-Shows auf dem ganzen Globus vorgestellt. Als die Venues größer wurden, entwickelte sich auch ihr Sound weiter: Songs wurden mit mitreißender Selbstsicherheit niedergerissen und wiederhergestellt. Ein Höhepunkt war ihre monatelange Tour mit den Foo Fighters und Auftritte bei renommierten Festivals wie Glastonbury oder Reading and Leeds, sowie ein Headliner-Slot bei New Yorks angesehenem Terminal 5, nach dem die New York Times jubilierte: „Eine kunstvolle Dissonanz der Stile, … ein fröhlicher Aufruhr“. Auf der beheimateten Seite des Ozeans wurde das ausverkaufte London Forum zur bis dato größten UK-Headliner-Show der Band. Nach diesem stimmten viele einem früheren NME-Review bei, das feststellte: „The Joy Formidable haben schon immer so viel größer geklungen als die Bühnen, auf denen sie spielen.“  
 
„Wolf's Law” ist ein schamlos verschachteltes Album. Auf lyrischer Ebene behandelt es Politik sowohl persönlicher als auch globaler Natur; während sich „The Leopard And The Lung” auf die kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai konzentriert, ist man mit „Tendons” laut Ritzy „so nah wie nie zuvor an ein Liebeslied herankommen – freilich ein sehr sonderbares Scheiß-Liebeslied“. Die Erfahrung von seinen verschiedenen Aufnahme-Locations und deren Einfluss auf den Denkprozess seiner Schreiber ist auf „Wolf's Law“ durchweg greifbar. Die ersten Aufnahmen fanden in der nordwalisischen Heimat der Band statt, während der Großteil des Albums in einer Hütte in Portland, Maine, entstand, wo Winterschneestürme und Verwehungen von bis zu drei Metern Höhe jeden Kontakt zur Außenwelt blockierten – Naturextrema, die zwangsläufig einen Einfluss auf das Album haben mussten. Die Aufnahme-Sessions waren wie eine Klausur, die Ritzy folgendermaßen beschreibt: „Wir befanden uns in einer Aufnahme-Luftblase ohne Gefühl für Zeit oder Tag und Nacht. Dank dieser Einsamkeit konnten wir uns voll auf das Album konzentrieren, das wir so nirgends anders hätten schreiben können.“ Daher überrascht es auch nicht, dass sich die Notlage der natürlichen Welt in einer Zeit zügellosen Materialismus und Konsums darauf Gehör verschaffte. 
 
Da wir hier von The Joy Formidable reden, handelt es sich hierbei selbstredend um kein phrasendreschendes Album mit politischen Zitaten – jedem, der den extra in Auftrag gegebenen Kurzfilm zum Titeltrack (welcher kurioserweise gar nicht auf dem Album selbst enthalten ist) gesehen hat, dürfte aufgefallen sein, dass The Joy Formidable keine Band ohne Meinung sind. Für Rhydian verfolgt die bloße Existenz ihrer Musik und Texte den Zweck, sich mit Themen wie diesen auseinanderzusetzen: 
 
„Wie bringt man seine Frustration über die ständig wachsende materialistische Welt zum Ausdruck, die so viel Augenmerk auf Celebrity Culture legt und einen Trend zur Simplifizierung und Zelebration der Eindimensionalität aufweist, weil es schlichtweg vermarktbarer ist? Wir demonstrieren durch unser Album und unsere Kunst, dass es auch andere Wege gibt, andere Dinge, die wichtig sind, und bleiben unserer Vision treu.“  
 
Bei weiteren Aufnahmesessions in London und dem Mixing in New York durch Andy Wallace (Jeff Buckley, Rage Against The Machine, Nirvana) fungierte die Atmosphäre der zu den zugebautesten, kommerziellsten Städte der Welt zählenden Metropolen als Kehrseite zur ländlichen Isolation. Auf dem gesamten Album beschäftigt sich die Band daher lyrisch mit ihrem Gefühl, dass wir in einer Welt leben, in der Gier und Materialismus immer beherrschender werden – ein Leitthema, das vor allem in „Maw Maw Song“ zum Ausdruck kommt, einem donnernden Stück elektronisch angehauchten Rocks, das den Gedanken des Überkonsums, der die moderne Welt versinnbildlicht, klanglich repliziert. Diese inhaltlichen Gedanken harmonieren mit dem Artwork des Albums, das vom Künstler Martin Wittfooth stammt, einem Kanadier, dessen wiederkehrende Themen die Auswirkungen des menschlichen Fortschritts auf die natürliche Welt und das Sterben der Umwelt im Namen des Fortschritts sind. 
 
Die Wiederverbindung der Band mit der natürlichen Welt wurde durch ein steigendes Interesse an der Mythologie und den Gepflogenheiten der amerikanischen Ureinwohner gestärkt – ein Gebiet, das auch die Kunst von Carl Ray sowie die Kreatur-Legenden amerikanischer Indianer-Geschichten umfasste. Daher ist der Albumtitel „Wolf's Law“ sowohl als Referenz zum Wolf zu sehen, der die Mythologie der amerikanischen Ureinwohner prägt, als auch zur medizinischen Theorie des Wolffschen Gesetzes, das besagt, dass auf einen bestimmten Körperteil ausgeübte Belastung diesen Teil verändern und stärken, damit er mit der Belastung umzugehen lernt. Sich an neue Gegebenheiten anzupassen und eine spirituelle Einstellung zu finden, sind wichtige Gedankenmodelle hinter diesem Album.
 
Es kann ein gefährlicher Pfad für eine moderne Band sein, einen ernsthaften Diskurs innerhalb der Grenzen von (im weitesten Sinne) Popmusik zu wagen. Man muss es The Joy Formidable hoch anrechnen, dass sie diese Tatsache erkannt und trotzdem ignoriert haben. Für sie besteht das Ziel der Band darin, zum Nachdenken anzuregen und Köpfe zu bewegen – mit „Coolness der Coolness wegen“ haben sie nichts am Hut. Rhydian erklärt: 
 
„Für mich heißt Coolness nicht, dass man etwas vortäuscht oder versucht, irgendwo hineinzupassen. Als Band werden wir uns für niemanden verbiegen. Alle unsere Lieblingskünstler sind und waren einzigartig, sie haben das Rudel angeführt und nicht versucht hinterherzulaufen. Musik ist ein Diskurs, und wir wollen die Leute herausfordern sich zu engagieren, zu investieren, zu reagieren und zu fühlen. Wir wollen ein Katalysator sein.“
 
Angesichts der Tatsache, dass die bisherige Geschichte von The Joy Formidable zu gleichen Teilen auf Tour wie daheim geschrieben wurde, ist es keine Überraschung, dass das Trio seine Musik nicht durch Geografie begrenzt sieht. Man braucht nur die Internationalität der Einflüsse auf dem Album und der daran Beteiligten zu beachten, um eine Band zu sehen, die durch ihre Kunst definiert und offen für jedwede Inspiration ist, unabhängig von ihrem Entstehungsort. Demnach ist es nur passend, dass „Wolf's Law“ seine ersten Schritte auf internationalen Festivals machen wird, beginnend mit dem Auftritt beim Reading and Leeds Festival im August 2012, der zweifellos als Katalysator für viele weitere Auftritte im kommenden Jahr gelten darf.
 
Was die nächsten Jahre anbelangt, peilt die Band genau das an, was sie mit „Wolf's Law“ erreichen wollte. Ritzy bemerkt (zu Recht): „Was heutzutage von einer Gitarrenband erwartet wird, kann ziemlich langweilig sein.“ Nur zu gerne halten The Joy Formidable Abstand von diesem Etikett und denken gleichzeitig in noch größeren Bahnen über die Zukunft nach. Rhydian fasst zusammen: 
 
„Wir wollen den Sound weiter ausdehnen, immer weiter nach vorne gehen, noch mehr mit Komposition herumexperimentieren und sowohl weitere Alben für The Joy Formidable als auch für andere Projekte schreiben. Wir wollen uns aber auch selbst herausfordern, ständig neue Wege zu finden. Um das Gefühl zu bewahren, dass alles möglich ist.“
 

VÖ: 18.01.2013

 

 

 

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