20.09.2013 07:50 Durch Auszeit erneut in Musik verliebt

Musik Rock: Nach Lifestyle-Wandel der Band Kings of Leon folgt ihr neues Album "Mechanical Bull"

Kings of Leon waren mit ihrem letzten Album Come Around Sundown sehr erfolgreich

Caleb über den Albumtitel: „Es geht ... um die Reise, die das Album darstellt. Man muss sich gut daran festhalten, dranbleiben - und wenn man damit fertig ist, weiß man mehr." Bild 1+2 © Dan Winters

Kings of Leon rocken ihr Publikum

Sechstes Studioalbum Mechanical Bull von Kings of Leon

Bild 3: Album "Mechanical Bull" © Sony Music

Von: GFDK - Sony Music - 3 Bilder

Mit „Mechanical Bull“ veröffentlichen Kings Of Leon ihr mittlerweile sechstes Studioalbum, das u.a. die Single „Supersoaker“ enthält. Die Aufnahmen fanden unter der Regie von Angelo Petraglia im bandeigenen Studio in Nashville statt. Mit ihrem letzten Album „Come Around Sundown“ hatte die Band Platz eins in den deutschen Charts erreicht, ebenso in der Schweiz, Österreich und Großbritannien.

In den USA gelang dem Quartett mit Platz zwei das beste Chartergebnis seiner Karriere. Kings Of Leon wurde im Jahr 2000 von den Brüdern Caleb, Jared und Nathan Followill sowie deren Cousin Matthew Followill in Tennessee gegründet. Der Aufstieg in die Riege der größten Rockbands unserer Zeit gelang ihnen mit dem 2008er-Album „Only By The Night“, das sich weltweit millionenfach verkaufte und der Band auch in Deutschland die erste Top Ten-Platzierung in den Single-Charts (mit dem Song „Use Somebody“) bescherte. Nach fünf Alben zwischen 2003 und 2010 legten die vier Musiker erstmals in ihrer Karriere eine mehrjährige Veröffentlichungs- und Tourpause ein.

„Zum ersten Mal hatten wir Gelegenheit, uns hinzusetzen und Gedanken darüber zu machen, was in all den Jahren passiert ist“, erinnert sich Sänger und Gitarrist Caleb Followill. „Die ganzen guten Dinge, aber auch die hässlichen. Und dieses Nachdenken inspirierte uns auch – wir beschlossen, eine Platte zu machen, die uns ganz einfach Spaß macht.“

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Die Entscheidung, eine Auszeit zu nehmen, fiel jedoch nicht ganz freiwillig. „Es fiel uns nicht leicht, zuzugeben, dass wir erschöpft sind“, räumt Caleb ein. „Aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem der Körper einfach den Dienst versagt. Und genau das ist passiert. Da wussten wir: es ist höchste Zeit für eine Pause. Doch in der Folge ergaben sich einige großartige Dinge“. „Wir haben uns wieder in das verliebt, was wir tun“, ergänzt Drummer Nathan Followill. „Wir haben fünf Alben in etwas über zehn Jahren gemacht. Wir hatten keine Beziehungen, keine Kinder, nichts in der Art. Wir waren gegenseitig unsere besten Freunde und einfach keine Lust, zu Hause in Nashville rumzusitzen und sechs Wochen lang nichts tun. Wir wollten lieber ein neues Album machen oder auf Tour gehen.“

Der Einfluss des neuen Lifestyles, den Familiengründungen zwangsläufig mit sich bringen, ist bei einigen Stücken des Albums nicht zu leugnen, u.a. bei „Beautiful War“ oder „Temple“. „Ja, natürlich sind viele der Songs davon beeinflusst, dass ich z.B. einige Zeit mit meiner schwangeren Frau auf dem Land verbracht habe“, sagt Caleb. „Und Kinder bringen auch jede Menge Verantwortung mit sich. Doch nachts, wenn sie ins Bett gegangen war, bin ich in mein Büro, habe mir ein Scotch eingeschenkt, mir meine Gitarre genommen und wollte einfach wieder jung sein. Ich wollte diese Verantwortung für kurze Zeit vergessen. Deshalb haben wohl viele Songs auf dem Album einen eher jugendlichen Fun-Vibe. Verantwortung zu tragen ist ein ziemlicher Balance-Act. Und dann versucht man nachts, den Jugendlichen wieder herauszuholen. Natürlich schreiben wir Songs, auf die unsere Familien stolz sein können, denn man kann ihren Einfluss darin hören. Doch dann gibt es wieder Phasen, in denen wir versuchen, über nichts zu schreiben, was mit uns zu tun hat. Wir versetzen uns in andere Leute hinein und versuchen, deren Leben nachzuempfinden.“  

Die erste Single mit dem Titel „Supersoaker“ trägt jedoch stark autobiographische Züge. „Bei diesem Song wollte ich einfach nur Spaß haben“, erinnert sich Caleb. „Eigentlich handelte er von einem Freund, aber dadurch, dass ich das Lied über ihn schrieb, war ich plötzlich selbst ein Teil davon. Denn der Freund war auf dem Weg, sehr erfolgreich zu werden. Das hat ihn abgeschreckt und er hat aufgegeben. Ich setzte mit dem Song dann fort, was er begonnen hat. Ich wollte auch viele Fun-Motive im Video haben, ‚Supersoaker‘ ist etwas aus unserer Kindheit.“

Der neue Tagesablauf und die neuen elterlichen Aufgaben einiger Bandmitglieder, wie Windelwechseln und Fläschchen aufwärmen, brachte für die gesamte Band Veränderungen mit sich – doch keiner der Followills weint den alten Zeiten nach. „Es ist einfach die großartigste Sache, die mir je passiert ist“, sagt Caleb. „Plötzlich hat man einen völlig neuen Grund, morgens aufzustehen. Und man möchte auch irgendetwas machen, auf das die Kinder eines Tages stolz sind. Man arbeitet deshalb härter und man arbeitet anders. Es ist so ein tolles Glücksgefühl, wenn man von der Bühne kommt, und man das Feedback der Menge spürt. Am nächsten Morgen wacht man dann auf und es nochmal ein ganz anderes Glücksgefühl, denn deine Familie ist mit dabei, um alles mit dir zu teilen. Es ist einfach toll.“

Die Anwesenheit der Frauen und Kinder auf den Konzertreisen das Kings Of Leon-Tourleben komplett umgekrempelt. „Man überdenkt Entscheidungen, die man am Abend trifft, wesentlich besser, wenn man weiß, dass man am nächsten Morgen um sieben aufstehen muss“, schmunzelt Caleb. „Man merkt sehr schnell, dass der Kater keine Gnade kennt“, ergänzt Nathan. „Die ersten Nächte dachte ich noch: ‚Ich kann das. Das macht doch Spaß!‘. Dann merkt man aber schnell: ‚Oh nein, ich kann’s doch nicht…‘“.

Doch auch im Sound sind Veränderungen festzustellen – die allerdings ausnahmsweise nichts mit dem Familienzuwachs zu tun haben. „Was den Sound angeht, so sind wir da nicht allzu sehr involviert“, erläutert Caleb. „Eigentlich mischen wir uns da nur gerade so viel ein, wie wir unbedingt müssen. Der rauere Sound von ‚Mechanical Bull‘ ist aber wahrscheinlich darauf zurück zu führen, dass wir uns ein eigenes Studio gebaut haben. Es klingt also zwangsläufig nicht wie die ‚Black Bird Studios‘ oder so. Das zweite Album haben wir in Ethan Johns Studio aufgenommen. Ein Heimstudio klingt auf jeden Fall anders als ein poliertes, professionelles Studio, wo extra Leute dazu geholt werden, die den Sound perfekt machen.“

„Außerdem spielen wir die Songs immer und immer wieder“, ergänzt Gitarrist Matthew Followill. „D.h. in einigen Takes sind oft Bass und Schlagzeug, manchmal auch der Gesang und die Gitarre, live aufgenommen. Daher klingt es ein wenig rauer. Aber wir wollten, dass es Spaß macht und aufregend ist. Für mich ist es unsere aufregendste Platte seit ‚Aha Shake Heartbreak‘.“

Über den Albumtitel „Mechinal Bull“ sollten sich Fans und Journalisten derweil nicht allzu lange Gedanken machen – jedenfalls, wenn es nach der Band geht. „Die Leute sollen eigentlich nicht an das Gerät, den ‚mechanischen Bullen‘, denken“, erläutert Caleb. „Es geht viel eher um die Reise, die das Album darstellt. Man muss sich gut daran festhalten, dranbleiben - und wenn man damit fertig ist, weiß man mehr. Und anschließend will man es wieder und wieder tun bzw. hören. Es soll Spaß machen und man sollte nicht ZU viel darüber nachdenken. Manchmal sind wir ein wenig zu ernst, doch diesmal wollten wir auf keinen Fall ernst sein. Wir wollten keinen Albumtitel, bei dem sich die Leute den Kopf zermartern und versuchen, etwas hinein zu interpretieren. Es soll lediglich ein Spaß-Name sein, es geht um Spaß und wir haben während der Entstehung des Albums oft beim ‚Mechanical Bull Riding‘ zugeschaut. Wir haben auch einen Filmausschnitt gesehen, in dem ein ‚mechanischer Bulle‘ vorkam. Und das war irgendwie ziemlich sexy.”

Rezensionen:

Die Zeit (deutsch)

http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/09/20/kings-of-leon-2_16722#more-16722

Musikexpress (deutsch)

http://www.musikexpress.de/reviews/alben/article476731/kings-of-leon-mechanical-bull.html

Clash (englisch)

http://www.clashmusic.com/reviews/kings-of-leon-mechanical-bull

Weiterführende Links:
www.kingsofleon.com