17.01.2014 08:45 Tiefgründig & mysteriös

Musik: HighAsAKite entführen Zuhörer auf ihrem Debütalbum "Silent Treatment" in eine abenteuerliche Klangwelt

HighAsAKite veroeffentlichen ihr Debuetalbum Silent Treatment

„Ich denke, es ist ein sehr romantisches Album,“ sagt Håvik. „Es geht viel um Kriege in den eigenen vier Wänden." Foto: Album "Silent Treatment" © Propeller Recordings

Von: GFDK - Patricia Nigiani

Norwegens Highasakite machen Popmusik, allerdings der abenteuerlichen Indiepop Sorte, voller Kontraste. Ihre Melodien und Instrumentierung sind kühn und dennoch nicht prahlerisch, das Abebben des Einen erlaubt die Entfaltung des Anderen; ob es Ingrid Helene Håviks außerweltlicher Gesang oder die dynamische Kombination von Synthesizer, Bläser und Perkussion ist. Nach zahlreichen Auftritten auf internationalen Festivals und der EP In And Out Of Weeks folgt nun 2014 das Debütalbum Silent Treatment.

Die Ursprünge der Band sind im Trondheim Jazz Konservatorium zu finden, wo Sängerin und Songwriterin Håvik und der Schlagzeuger Trond Bersu sich kennenlernten und gemeinsam begannen Lieder zu schreiben, aufzunehmen und aufzutreten. Das Paar ging dann mit Thomas Dahl (Krøyt) als Produzent ins Studio, hatten dabei allerdings das Gefühl, es fehle noch etwas für den Sound, der ihnen vorschwebte. Als Konsequenz kam Øystein Skar an den Synthesizern hinzu, später stießen dann noch Marte Eberson (ebenfalls Synthesizer) und Kristoffer Lo (Gitarre, Flugabone und Perkussion) dazu. Diese Kombination verleiht der Band eine reichere Textur und einen potenteren Sound.

Schon früh wurde Håvik von ihrer Mutter, einer Gesangslehrerin und Chorleiterin, zum Singen ermutigt. Ihre Stimme verfügt über eine eindrucksvolle Bandbreite und Vielseitigkeit, die einen ebenso beruhigen wie auch erstaunen kann. Darin vergraben findet man unvergessliche Texte; die verführerischen Worte ein Schwerpunkt von Highasakites Musik. Es ist fast unmöglich Silent Treatment über einen längeren Zeitraum zu lauschen, ohne dabei über die verschleierten Themen zu stolpern und sich dann darüber zu wundern. Während ein Großteil des Materials der EP von Kindheit und Nostalgie inspiriert worden war, ist das Debütalbum thematisch tiefgründiger und mysteriöser.

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Håvik möchte jedoch nicht allzu viel über die Bedeutung der Lieder verraten, was die Neugierde nur noch weiter schürt. „Es lagern Geschichten hinter ihnen [den Songs], aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich sie erzählen möchte. Mir sind andere Menschen egal, wenn ich sie schreibe. Ich schreibe das, was für mich gut klingt und schöne Bilder in meinem Kopf entstehen lässt.“

Passenderweise finden viele der Themen auf Silent Treatment in einer Welt der Beziehungen hinter verschlossenen Türen statt. „Ich denke, es ist ein sehr romantisches Album,“ sagt Håvik. „Es geht viel um Kriege in den eigenen vier Wänden. Wenn Menschen dich mit Schweigen strafen (Engl.: Give s.o. the silent treatment), ist das sehr normal, aber fühlt sich wirklich furchtbar an.“

Bei all der textlichen Tiefe und den geschichteten Kompositionen können Highasakite eines besser als alles andere: große Pop Refrains, die sich sofort festsetzen und nachhallen, wie unverkennbar in der ersten SingleSince Last Wednesday“ zu hören. Inmitten all der lyrischen Komplexität und Dichte der herumwirbelnden Synthesizern und der perkussiven Kraft, ist Håvik vielschichtige Stimme die Basis für die Melodien und liefert somit die größte Attraktion der Band.

Håvik nennt u.a. Mary Margaret O’Hara, Fever Ray und Diamanda Galás als ihre Lieblingskünstler, aber weitere nicht musikalische Referenzpunkte haben obskurere Ursprünge. In frühen Auftritten nahm die Band die Ästhetik der Native Americans an und trugen Gesichtsbemalung und Federschmuck. Das Interesse daran war teilweise einem norwegischen Dokumentarfilm namens Indian Summer geschuldet, der eine große Faszination auf Håvik ausübte. Der Film folgt dem Leben von Torstein, einem Schizophrenen, der sich mit einem Indianer identifiziert. „Als ich ein Kind war, träumte ich immer davon, eine Indianerin wie Pocahontas zu werden,“ erzählt sie. „Es war eine wirklich schöne Dokumentation. Es wirkt so, als ob er der Natur sehr nahe sei,“ etwas womit sich Håvik identifizieren könnte.

Eine Vielfalt an Einflüssen und Inspirationen sind in Silent Treatment vorhanden. Sie sind vielleicht nicht offensichtlich, aber an vielen Stellen sind subtile Spuren zu finden. Eine der auffälligsten und ungewöhnlichsten Elemente, die Håvik berührten, war der Frauenchor des bulgarischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens. Håvik erinnert sich, dass sie während ihres Jazz Studiums in Trontheim beim ersten Hören des Albums Le Mystère des Voix Bulgares völlig „weggeblasen“ wurde.

„Ich fand es richtig cool und verstand nicht, wie sie so klingen konnten,“ erzählt Håvik. Obwohl der Stil schwer zu meistern war, ist sie als Sängerin, willens zu experimentieren. Während sie schrieb, verbrachte sie einige Zeit in Ithaca im Staat New York und in Istanbul. Sie glaubt, dass beide Orte ihre Spuren in der Musik hinterlassen haben, insbesondere die „wunderschönen“ Aufrufe zu den Morgengebeten in der Türkei.

Oslo ist aber die Stadt, in der sich die Band niedergelassen hat, eine Stadt, die Håvik ans Herz gewachsen ist. Die norwegische Hauptstadt ist bekannt für ihre Musikszene und ist auch eine kreative, fruchtbare Umgebung, in der Håvik und Highasakite gedeihen konnten. „Da gibt es so viele Musiker und ich fand es wirklich erfrischend, von dem Ort wegzukommen, an dem ich studiert hatte, da ich nie das Gefühl hatte, ich könne von dem rein „Jazz-artigen “ Denken wegkommen. Als ich nach Oslo zog, fand ich mehr Freiheit, um alles zu vergessen, das ich gelernt hatte und erwachsen zu werden.“

Album-Veröffentlichung: 28.02.2014

 

 

Patricia Nigiani
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Weiterführende Links:
www.highasakite.no/‎