02.04.2013 07:59 Verschwenderische Vielfalt

Musik Klassik: Spontanietät und Spritzigkeit der Kompositionskunst des italienischen Meisters Giuliano Carmignola - VIVALDI CON MOTO

Musik Klassik: Spontanietät und Spritzigkeit der Kompositionskunst des italienischen Meisters Giuliano Carmignola - VIVALDI CON MOTO

Bild 1: Giuliano Carmignola © Anna Carmignola/DG

Bild 2: Album "Vivaldi con moto" © Universal Music

Von: GFDK - KlassikAkzente - 2 Bilder

Giuliano Carmignola gehört zu den führenden Solisten der historischen Aufführungspraxis. Für seine jüngste Vivaldi-Einspielung arbeitete der Geiger aus Venedig mit langjährigen Partnern, dem Venice Baroque Orchestra und Andrea Marcon, zusammen.

 

Antonio Vivaldi brüstete sich, schneller ein neues Violinkonzert zu komponieren, als es der Kopist abschreiben könnte. Das gehörte natürlich zum Grundtenor der Übertreibung, den die Kunststadt Venedig überhaupt zu dessen Lebzeiten umfing. Nichtsdestotrotz zählt sein Oeuvre für Streichinstrumente zu den umfangreichsten, das die klassische Musikliteratur zu bieten hat. Und es ist noch immer gut für Überraschungen, wie der Geiger Giuliano Carmignola und das Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andrea Marcon mit ihrer neuesten Vivaldi-Einspielung eindrucksvoll belegen.


Gewaltiges und herausforderndes Oeuvre

Insgesamt hat Antonio Vivaldi rund 240 Violinkonzerte geschrieben, bekannt ist davon aber noch lange nicht alles. Denn die Konzertpraxis beschränkt sich in der Regel auf einen Ausschnitt dieses gewaltigen Schaffens, etwa 40 Werke sind bis heute nicht aufgenommen worden. Eine sträfliche Vernachlässigung eines imposanten Repertoires, dem der barocke Ruf vorauseilt, sich letztlich zu wiederholen. Das allerdings ist ein Vorurteil, denn wenn man die Konzerte betrachtet, die Giuliano Carmignola für seine aktuelle Stellungnahme zum Thema Vivaldi ausgewählt hat, dann fällt vor allem die Vielfalt auf, mit der Vivaldi in der Lage ist, sich innerhalb der vorgegebenen Formprinzipien seiner Epoche zu bewegen. Seien es Farbspiele und dynamische Kontraste, Echowirkungen und Modulationen im letzten Augenblick, Tempoänderungen und komplexe Orgelpunktvariationen, immer hatte der Komponist etwas Ungewöhnliches und Überraschendes zu bieten, mit dem er sein Publikum bei Laune halten konnte.


Außergewöhnliche Musikalität

Giuliano Carmignola gehört zu den glühenden Verehrern Vivaldis und er ist selbst ein Günstling des Schicksals. Eine außergewöhnliche Musikalität wurde ihm in die Wiege gelegt, die von Kinderjahren an umsichtig und zielstrebig gefördert wurde. Die ersten Geigenstunden erhielt er von seinem Vater. Bald darauf genügte dessen Erfahrung nicht mehr und der Junge verließ seine Heimatstadt Treviso, um bei Kapazitäten wie Nathan Milstein, Franco Gulli und und Henryk Szeryng zu studieren. Es kam, wie erhofft. Carmignola gewann 1973 den Paganini-Wettbewerb in Genua, stieg in die erste Liga der international gefeierten Solisten auf und fundamentierte als Mitglied der Virtuosi di Roma oder an der Seite von Claudio Abbado und Giuseppe Sinopoli seinen Ruf. Und er entdeckte neben der bereits von seinem Vater wach gerufenen Begeisterung für die Musik des Barocks seine spezielle Vorliebe für die historische Aufführungspraxis.


Gegenseitige Inspiration

Carmignola beschäftigte sich nach den Tagen bei den Virtuosi ausführlich mit der Musik des 18. Jahrhunderts und lernte mit dem Cembalisten, Organisten und Musikwissenschaftler Andrea Marcon einen Gleichgesinnten kennen, der ihn auf seinem eigenen Weg weiter brachte: „Natürlich kann man auch ohne Ensembleleiter arbeiten, aber Andrea und ich, wir inspirieren uns gegenseitig. Wir sind inzwischen durch eine enge Freundschaft verbunden und es ist eine Freude, diese Musik mit ihm zu teilen“. Dazu gehört auch das herausragende, auf historischen Instrumenten spielende Venice Baroque Orchestra, das in besonderem Maße der Faszination der venezianischen Klangtradition nahe zu kommen versteht. Mit der Interpretation der Konzerte RV 187, RV 232, RV 243, RV 254, RV 281 und RV 283 ist dem Gespann Carmignola und Marcon gemeinsam mit dem ausgezeichneten Kammerensemble eine inspirierte Aufnahme gelungen, die dem Phänomen Vivaldi weitere, schillernde Facetten hinzufügen wird.

 

Hörprobe:

 

 

 

Quelle: http://www.klassikakzente.de