12.11.2012 08:08 Lieder und Visionen

Musik Klassik: "Inspiration - Hildegard von Bingen" - Die neue CD liturgischer Gesänge des Vocalensembles VocaMe

Musik Klassik: "Inspiration - Hildegard von Bingen" - Die neue CD liturgischer Gesänge des Vocalensembles VocaMe

Bild 1+2: VocaMe © Severin Schweiger

Bild 3: Album "Inspiration - Hildegard von Bingen" © Berlin Classics

Von: GFDK - Hasko Witte - 3 Bilder

Zuerst absolute Stille - plötzlich beginnt eine glockenklare Frauenstimme eine kostbare Melodie in den Kirchenraum zu zeichnen. Weitere Stimmen schließen sich an, abwechselnd treten sie nun hervor, machen einander Platz, bilden einen Rahmen zur Entfaltung. Klänge von Harfe oder Hackbrett treten hinzu, sie durchqueren den Tonraum, beleuchten dabei sanft die Stufen, über die auch der Gesang gleitet.

Inspirierte Musik wie diese muss mit Inspiration wiederbelebt werden, dies ist die Überzeugung des Ensembles VocaMe, dasbereits mit einer CD mit Musik der byzantinischen Komponistin Kassia große Aufmerksamkeit auf sich zog. Hildegard von Bingen selbst sprach davon, als Ungelehrte ("indocta") "Auditionen" erfahren zu haben. Dies erklärt vielleicht die Sonderstellung ihrer Musik, die "wie aus dem Nichts auftauchte und wieder verschwand", wie Michael Popp, künstlerischer Leiter von VocaMe, im Einführungstext zur CD anmerkt. Er zeigt sich überzeugt, "dass gerade im Umgang mit Hildegard die intuitive und somit künstlerisch kreative Annäherung - bei aller Notwendigkeit der neuzeitlichen Analysemethoden - unabdingbar und letztlich 'authentischer' ist als die überwiegend modern ausgerichtete rational erklärende Herangehensweise." Daraus folgt ein Ansatz, der sich bewusst Freiheiten nimmt: "Auch die Aufnahme selbst sollte - ohne uns mit der Größe einer Figur wie Hildegard vergleichen zu wollen - inspirierend und kreativ sein. Sie sollte neben der Genialität der originalen Überlieferung auch ein kleines Stück unserer individuellen Auseinandersetzung mit diesem Werk, also einen neuen Klang, zu Gehör bringen", so Popp.

Hildegard von Bingens Bedeutung ist in diesem Jahr auch von der Kirche auf spektakuläre Weise unterstrichen worden, indem sie nach der Heiligsprechung nun auch in den Rang einer katholischen Kirchenlehrerin erhoben wurde. Dies ist ein Titel, der in der gesamten Geschichte zuvor nicht mehr als 33 Personen verliehen worden war und die Bedeutung diesereinzigartigen Frau vor aller Welt herausstellt. Eine "Renaissance" hat Hildegard von Bingen wohl kaum nötig, aber zum Anlaß für eine inspirierte Neudeutung ihrer Musik kann man dies schon nehmen.

Sigrid Hausen - studierte in Salzburg am Mozarteum, u. a. bei Nikolaus Harnoncourt und besuchte Meisterklassen für Gesang und historische Aufführungspraxis. 1985 war sie Gründungsmitglied des renommierten Mittelalter-Ensembles ESTAMPIE, mit dem sie seither als Gesangssolistin bei Festivas im In- und Ausland konzertiert und zahlreiche CD-Produktionen erarbeitet hat.

"Die Lieder von Hildegard von Bingen verbinden Ruhe und Weite, Leichtigkeit und Tiefe. Diese Lieder gemeinsam zu bearbeiten und zu singen, ist für mich ein spirituelles Erlebnis; das Individuelle tritt zurück vor dem gemeinsamen Erlebnis, der Zusammenklang bekommt etwas Materielles und Flüchtiges zugleich."

Sarah M. Newman wurde 1984 in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren und studierte an der Juillard School und an der Manhattan School of Music in New York City. Sie ist festes Mitglied des Palestrina Ensembles, des Philharmonischen Chors München und des bekannten Mittelalter Ensembles Estampie; Konzerte führten sie unter anderem zum Tanglewood Festival, den Landshuter Hofmusiktagen und dem Early Music Festival in Stockholm.

"Mich fasziniert und berührt es, den Unterschied zwischen der Musik Kassias und Hildegards zu entdecken. Kassias Musik und Botschaft ist für mich konkreter und geerdet, dagegen empfinde ich Hildegards Werk, Musik und Texte, stark mit ihren Visionen verbunden. Die Lieder sind wie vielfarbige Pinselstriche eines impressionistischen Malers."

Gerlinde Sämann studierte Klavier und Gesang am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Seit den frühen 90-ern ist die blinde Künstlerin in zahlreichen Ensembles der alten Musik zu hören: Akademie für alte Musik Berlin, Sigiswald Kujken und La Petite Bande, Joshua Rifkin, Ton Koopman, Amsterdam Barock. "Mit Vocame zu arbeiten ist etwas Besonderes. Ich erlebe uns Fünf sowohl in der Probenarbeit als auch auf der Bühne als einzigartiges Team, und das, was wir produzieren, trägt jetzt schon unsere eigene Handschrift. Der Sound ist unverwechselbar Vocame, und darüber können wir uns sehr freuen."

Petra Noskaiová ist gefragte Spezialistin für Renaissance- und Barockmusik. Zusammen mit Ensembles wie La Petite Bande und Huelgas Ensemble konzertiert sie regelmäßig auf Festivals in Europa, Amerika und Asien und realisiert CD Aufnahmen (über 40 Titel). Daneben führt sie mit dem Ensemble Quasars Werke zeitgenössischer Komponisten auf. Seit 2010 ist sie Mitglied von VocaMe.

"Bei VocaMe verbinden wir unsere Erfahrungen mit ungewohnten Ausdrucksmitteln. Das ergibt für mich ganz außerordentliche Klänge.Die stimmlichen Verschiedenheiten zwischen jeder von uns schenkt uns eine breite Skala von Expression und Ton; im Unisono verschmelzen wir zu einem homogenen Klang."

Michael Popp beschäftigt sich schon seit mehreren Jahrzehnten mit Alter Musik. Noch während des Musikstudiums am Mozarteum (u.a. bei Nikolaus Harnoncourt) gründete er 1985 zusammen mit Sigrid Hausen und Ernst Schwindl das Ensemble ESTAMPIE, das seitvielen Jahre zu den bedeutenden Mittelalterensembles weltweit gehört. Zahlreiche Konzerte, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, Tanz- und Theateraufführungen und Performances dokumentieren das äußerst vielseitig angelegte Engagement der Gruppe. Es wurden 12 CD´s und DVD´s veröffentlicht. Daneben trat Popp noch als Gründer mehrerer Ensembles auf, die ESTAMPIE sehr nahe stehen: Die Mittelalter- Elektronik- Gruppe QNTAL existiert seit 1992 und hat sich ebenfalls mit vielen Auftritten im In- und Ausland, sowie acht CD´s und DVD international einen Namen gemacht.

Das AL ANDALUZ PROJECT ist eine Zusammenarbeit mit spanischen und marokkanischen Musikern und widmet sich der Musik der muslimisch sephardisch-christlichen Musik Spaniens. Diese Gruppe erhielt 2012 den "Ruth" für internationale Folkmusik, den bedeutendsten Kritikerpreis Deutschlands in diesem Bereich.

Hildegard von Bingen wurde im Jahr 1098 in Bermersheim in der Pfalz geboren. Seit ihrem fünften Lebensjahr wurde sie regelmäßig von Visionen heimgesucht. Diese Gabe brachte ihr später den Titel "prophetissa teutonica" (die deutsche Prophetin) ein und machte sie zur bedeutendsten Frau und Mystikerin des Mittelalters. Früh zog sie in das Benediktiner Kloster auf dem Disibodenberg, südwestlich von Bingen. Im Jahr 1136 übernahm sie die Leitung des Klosters. Sie gilt als erste praktizierende Ärztin, als erste Naturforscherin und nahm es sich sogar heraus, öffentlich zu predigen. Ihr gut erhaltener Briefwechsel mit Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa gibt viel Aufschluß über die starke Persönlichkeit und den Charakter Hildegard von Bingens. Darüber hinaus wird sie als Kosmologin, Dichterin und natürlich auch als Komponistin bis zum heutigen Tag verehrt. Sie starb am 17.09.1179 und hinterließ neben Schriften über Glauben, Menschen, Tiere und Naturheilkunde auch 77 liturgische Gesänge.

Schon im Jahr 1228 erfolgte der Antrag auf Heiligsprechung bei Papst Gregor IX., doch erst in unserer Zeit wurde diesem Antrag entsprochen. Am 10. Mai 2012 ließ Papst Benedikt XVI. sie in das Buch der Heiligen schreiben und am 7. Oktober 2012 wurde sie in den Rang einer Kirchenlehrerin erhoben. Mit dem Titel Kirchenlehrer wurden bisher nur wenige, dafür aber besonders bedeutende Theologen bezeichnet.

VocaMe

Hildegard von Bingen - Lieder und Visionen

01. Studium Divinitatis

02. O virga ac diadema I

03. O virga mediatrix

04. Tu rubes ut aurora

05. Columba aspexit

06. O quam mirabilis

07. O virtus Sapientiae

08. Rex noster

09. O spectabilis viri

10. O ignis Spiritus

11. Aer enim

12. Spiritus Sanctus

13. Cum processit

14. O tu illustrata

 

VÖ: 16.11.2012

 

Hasko Witte

Promotion-Manager Edel:Kultur

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