15.08.2013 08:42 Er hat alles, was ein exzellenter Musiker braucht!

Musik Klassik: Debüt-Album "Reveries" des Ausnahmetalentes Felix Klieser - Romantische Werke für Horn und Klavier

Felix Klieser ist ein Ausnahmetalent ohne Arme

„Die Zeit der Romantik hat mich von Anfang an fasziniert“, so Klieser. In keiner Epoche kommt die Klangvielfalt des Instrumentes besser zur Geltung. Schon Schumann schwärmte „Das Horn ist die Seele des Orchesters,“ so Klieser. © Steven Haberland

Felix Klieser und Christof Keymer kreiierten eine gemeinsame CD

Bild 2: Felix Klieser und Christof Keymer © Steven Haberland

Felix Klieser praesentiert sein Debuetalbum Reveries

Bild 3: Album "Reveries" © Edel

Von: GFDK - Hasko Witte - 3 Bilder

Der junge Hornist Felix Klieser ist ein Ausnahmetalent. Nicht allein, dass er mit seinen 22 Jahren bereits zu den besten Hornisten unseres Landes gehört, sondern dass er sein Instrument trotz seines Handicaps perfekt beherrscht. Felix Klieser ist ohne Arme geboren und spielt Horn mit den Füßen. Wie geht das? „Kein Problem“ sagt der junge Künstler und zeigt sein Stativ. Daran hängt - in Kopfhöhe fixiert – sein Instrument. Er sitzt dahinter und lässt seinen Fuß das übernehmen, was andere Hornisten mit der linken Hand tun: die Ventile bedienen.

Bereits als Fünfjähriger erhält er Hornunterricht, nachdem er seine Eltern von seiner festen Absicht überzeugte, dieses Instrument zu lernen. Felix Klieser erweist sich als hochtalentiert – mit 17 wird er Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, er ist Bundespreisträger im Wettbewerb „Jugend musiziert“ und wird mit dem „Life Award“ in der Kategorie „Kunst und Kultur“ ausgezeichnet. Klieser gastiert unter Sir Simon Rattle in der Berliner Philharmonie und konzertiert mit Sting auf dessen Welttournee. 2011 nimmt er in Hannover das reguläre Musikstudium auf. Dort lernt er den Pianisten Christof Keymer kennen, der ihn seitdem am Klavier begleitet.

Mit „Reveries“ präsentiert der sympathische Künstler sein Debüt-Album – das in Koproduktion mit dem Bayrischen Rundfunk entstanden ist. Das Repertoire, romantische Werke für Horn und Klavier, hat er selbst ausgewählt. „Die Zeit der Romantik hat mich von Anfang an fasziniert“, so Klieser. In keiner Epoche kommt die Klangvielfalt des Instrumentes besser zur Geltung. Schon Schumann schwärmte „Das Horn ist die Seele des Orchesters“.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Dieser erkannte die musikalischen Möglichkeiten des damals neuartigen Ventilhorns und schrieb eine der bekanntesten Kompositionen für Horn und Klavier. Für Felix Klieser war die Hommage Schumanns an das Horn Ansporn und Quelle der Inspiration zugleich. Für sein Debüt-Album wählte er neben Schumanns Adagio und Allegro verschiedenste Werke von Komponisten aus Frankreich, Russland und Deutschland. Abwechslungsreich ist die Auswahl, reizvoll die Stimmungsbilder. „Es sind so verschiedene Kulturen, aber alle aus einer Zeit“, sagt der junge Hornist. „Es war damals eine Zeit des Umbruchs, es herrschte Aufbruchstimmung und dies ist in der Musik fühlbar.“ Wen wundert’s,  dass sich Felix Klieser für diese Zeit begeistert - befindet er sich doch selbst auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt.

JOSEF GABRIEL RHEINBERGER
Sonate Es-Dur für Horn und Klavier, op. 178

REINHOLD GLIÈRE
4 Stücke für Horn und Klavier aus op. 35

ALEXANDER GLASUNOW RÊVERIE
Andantino Des-Dur für Horn und Klavier, op. 24

ROBERT SCHUMANN
Adagio und Allegro As-Dur für Horn und Klavier, op. 70

CAMILLE SAINT-SAËNS
Romanzen für Horn und Klavier, op. 36, op. 67

RICHARD STRAUSS
Andante C-Dur für Horn und Klavier, op. posth.

Felix Klieser – Horn • Christof Keymer - Klavier


FELIX KLIESER

Was bedeutet der Begriff „Ansatz“ bei einem Hornisten? Felix Klieser muss nicht lange überlegen: „Stellen Sie sich einen kleinen Jungen vor, der auf einem Bobby Car sitzt und das Motorengeräusch eines Autos nachahmt. Brrrrrrr. Das isses auch schon.“

Der 22-jährige Göttinger ist gewohnt, plastisch und einleuchtend zu erklären. Denn wenn Felix musiziert, kommen ohnehin Fragen auf. Wie kann jemand Horn spielen, der keine Arme hat? „Kein Problem“ sagt Felix und zeigt sein Stativ. Daran hängt - in Kopfhöhe fixiert - sein Horn. Dahinter sitzt er auf einem Stuhl. Geschickt bewegt Felix seinen linkes Bein in Kopfhöhe und lässt seinen Fuß das übernehmen, was andere Hornisten mit der linken Hand tun: Die Ventile bedienen. Statt einer rechten Hand im Schalltrichter hilft ihm ein Stopfdämpfer auf einem weiteren Stativ, den Klang im Instrument zu regulieren. Den kann er mit dem rechten Fuß in den Trichter rollen. Und auch wieder heraus.

Auch Felix ist beweglich. Mit dem Körper und mit dem Geist. Denn wer ohne Arme auf die Welt kommt, muss erfinderisch sein. Gemeinsam mit einem Instrumentenbauer hat er diese Spielvorrichtungen entwickelt.
Auf die Frage, was denn seine Eltern meinten, als er sich als Fünfjähriger ausgerechnet das Horn ausgesucht habe, kontert er: „Wenn ich gesagt hätte, ich will Handball spielen, wäre das vielleicht eine größere Herausforderung gewesen.“

Mit Worten kann Felix Klieser sehr gut umgehen. Doch noch mehr liebt er es, ohne sie auszukommen. Das sei ja gerade der Reiz am Musik machen. Emotionen zu übertragen, ohne dass man darüber spricht. Lyrisch, weich, kantabel soll sein Spiel klingen. Verschiedenste Farben möchte er hörbar machen, die seine musikalische Dramaturgie aufscheinen lassen. Das klingt nach musikalischer Erfahrung. Die hat Felix Klieser über mehrere Jahre im Bundesjugendorchester, aber vor allem im Unterricht bei seinem Lehrer Markus Maskuniitty an der Musikhochschule in Hannover und bei solistischen Meisterkursen sammeln können.

Ungewohnt sei die Aufnahmesituation für ihn gewesen, räumt Felix Klieser nach seiner ersten solistischen Studioproduktion ein. Im Regieraum war davon nichts zu spüren. Selbstbewusst und souverän absolvierte er das Pensum, spielte fünf, sechs Stunden auf seinem Horn und ließ sich vom Rotlicht im Studio nicht aus der Ruhe bringen. Dazwischen höchstens mal eine kurze Mittagspause in der Kantine. Dass Felix sein Besteck mit dem Fuß, statt mit der Hand hielt, nahm dort kaum jemand wahr. Genauso, wie alle im Regieraum in kürzester Zeit vergessen haben, dass bei Felix etwas anders sein könnte. Verständlich - schließlich hat er alles, was ein exzellenter Musiker braucht!

Album-Veröffentlichung: 30.08.2013


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