14.11.2012 08:05 Hommage an die Grande Dames des Blues und Soul

Musik Jazz: Zweites gemeinsames Projekt von China Moses & Raphaël Lemonnier „Crazy Blues", Vorfreude auf den 25.01.2013

Musik Jazz: Zweites gemeinsames Projekt von China Moses & Raphaël Lemonnier „Crazy Blues", Vorfreude auf den 25.01.2013

Bild 1: China Moses © Benoît Peverelli

Bild 2+3: China Moses & Raphaël Lemonnier © Benoît Peverelli

Bild 4: Album "Crazy Blues" © Emarcy/Universal Jazz

Bild 5-7: China Moses © Benoît Peverelli

Von: GFDK - Universal Music Jazz - 7 Bilder

Der Großteil der Musiker neigt dazu, sich nur in stilistisch engen Grenzen zu bewegen. Aber es gibt auch Künstler, die von Natur aus neugieriger und kreativer sind und musikalische Projekte starten, die sie gelegentlich weit aus ihrer Komfortzone herauslocken. China Moses und Raphaël Lemonnier gehören dieser Gattung an. Es sind Musiker, die zunächst so unterschiedliche Karrieren eingeschlagen haben, dass man niemals auf die Idee gekommen wäre, dass sich ihre Wege eines Tages kreuzen könnten.


Als Tochter der stimmgewaltigen Jazz-Diva Dee Dee Bridgewater und des 1995 verstorbenen Theater-, Film- und Fernsehregisseur Gilbert Moses wuchs China Moses in einem inspirierenden künstlerischen Ambiente auf. Die außergewöhnlich talentierte Sängerin brachte ihre erste Single “Time” 1996 im Alter von nur 16 Jahren heraus. Den Video-Clip dazu lieferte kein Geringerer als Jean-Baptiste Mondino, der auch Musikvideos für Madonna, David Bowie, Sting, Björk, Neneh Cherry und Les Rita Mitsouko geschossen hat. Der Erfolgssingle folgten drei Soloalben: “China” (1997), “On Tourne En Rond” (2000) und “Good Lovin’” (2004). Mit ihnen etablierte sich China in der boomenden französischen Rhythm’n’Blues-Szene. Darüber hinaus gastierte sie auf Alben von französischen HipHop-Größen wie Fabe, DJ Cam, Nèg’Marrons und Diam’s, arbeitete mit DJ Mehdi, Karriem Riggins, Guru, Meshell Ndegeocello, Jalane, Anthony Marshall und Sinclair, verdingte sich aber auch als Moderatorin bei MTV und synchronisierte die Stimme der Prinzessin Tiana  in der französischen Version des Disney-Films “Küss den Frosch”.


Pianist Raphaël Lemonnier hingegen konzentrierte sich in seiner Karriere lange Zeit ganz auf den Jazz. Mit sechzehn Jahren gab er seinen Einstand in der Nîmes Big Band unter der Leitung des großen, Anfang dieses Jahres verstorbenen Jef Gilson, in dessen Bigband u.a. auch Bill Coleman,  François Jeanneau, Michel Portal, Jean-Luc Ponty, Bernard Lubat und Henri Texier gespielt hatten. Danach ging er mit Klarinettist Guy Laborys Creole Jazz Band auf Gastspielreise nach New Orleans. Eine besondere Leidenschaft entwickelte  Lemonnier für den Boogie-Woogie, den der bei Philippe Lejeune studierte. Auch Philippe Duchemin, ein Adept der Stile von Fats Waller, Erroll Garner und Oscar Peterson, half ihm seinen musikalischen Jazzhorizont zu erweitern. Um seine Leidenschaft für den Jazz voll auszuleben, zog Raphaël Lemonnier 1997 nach New York, wo er u.a. mit dem ehemaligen Mingus- und Dolphy-Pianisten Jaki Byard spielte. Noch im Jahr seiner Ankunft nahm er mit seinem Jazz-Trio sein erstes Album auf, das er seinem großen Vorbild Erroll Garner widmete. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich begann er sich stilistisch zu öffnen und und arbeitete u.a. mit dem Flamenco-Gitarristen Gregorio Ibor-Sanchez und der Nouvelle-Chanson-Sängerin Camille zusammen.


Bei dieser Gelegenheit lernte er auch China Moses kennen, die damals als Background-Sängerin von Camille auftrat. Und es machte schnell “klick” zwischen den beiden, als sie feststellten, dass eines ihrer musikalischen Idole Dinah Washington war. So beschlossen sie, ein gemeinsames Projekt zu starten: “Gardenias For Dinah”. Das Live-Programm diente als Inspiration für das erste Album, das sie zusammen aufnahmen und unter dem Titel “This One’s For Dinah” 2009 bei Blue Note herausbrachten. Das Album erhielt weltweit hervorragende Kritiken. “Wer den Sound einer lasziven Blues-Shouterin mag”, schrieb beispielsweise Sarah Seidel bei Spiegel-Online, “wird dieses Album mögen: China Moses covert Dinah Washington. Ihre Hommage klingt so rau und traditionell und ursprünglich, als sei sie in einem verrauchten Jazzclub der fünfziger Jahre aufgenommen worden.”


Jetzt haben China Moses und Raphaël Lemonnier unter dem Titel “Crazy Blues” ein neues Projekt aufgenommen. Diesmal ist es eine Hommage an die Grande Dames des Blues und Soul, die China seit geraumer Zeit fasziniert haben: dazu gehören Mamie Smith, Helen Humes, Lil Green und Ma Rainey, aber auch Stars wie Esther Phillips, Nina Simone, Janis Joplin, Etta James, Ann Peebles und Donna Summer. Sowie natürlich Dinah Washington.


Um Vergleichen mit den Originalen aus dem Weg zu gehen, bemühten sich China Moses und Raphaël Lemonnier, den Kompositionen durch die Arrangements einen innovativen Dreh zu geben. So peppen sie beispielsweise den Lil-Greene-Klassiker “Why Don’t You Do Right?” durch eine fetzige Hornsection auf, während bei Dinah Washingtons “You’re Crying” ein sehr modern klingendes Streicherensemble zum Einsatz kommt. Zu den Album-Highlights gehören Chinas Duette mit dem zwar schon 76-jährigen, aber sehr jugendlich wirkenden Sly Johnson (in Esther Phillips’ Cherry Wine”) und dem nur halb so alten britischen Sänger Hugh Coltman (in “Closing Time”).


Durch ihre erfrischenden Interpretationen gehen China Moses und Raphaël Lemonnier zwar auf wohltuende Distanz zu den Orignalaufnahmen der präsentierten Songs, bewahren aber zugleich deren eigentlichen Geist. Mit “Crazy Blues” ist ihnen so nach “This One’s For Dinah” ein noch größerer und durch und durch unterhaltsamer Geniestreich gelungen.

Am 11. und 12. Januar 2013 wird China Moses in Ludwigshafen mit Orchester auftreten.

 

VÖ: 25.01.2013

 

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