16.09.2012 07:13 Erinnerungen an Norwegens magische Frühjahrstage

Musik Jazz: Zwei herausragende Musiker aus zwei musikalischen Welten - Bugge Wesseltoft und Henning Kraggerud

Bugge Wesseltoft, Henning Kraggerud

© ACT / CF Wesenberg

Von: ACT Music & Vision - 3 Bilder

Wieder einmal spielt Schloss Elmau eine Hauptrolle bei einer ACT-Produktion. Das stets von Kultur durchflutete, dem Alltag entrückte Traumhotel am Fuße des Wettersteinmassivs inspirierte zuletzt etliche ACT-Künstler zu herausragenden, teilweise preisgekrönten Alben, von Joachim Kühn und Michael Wollny über Gwilym Simcock bis zu Dieter Ilg. Diesmal bahnte es eine neue und überraschende Zusammenarbeit an, baute damit zugleich eine Brücke von der Klassik zum Jazz und verhalf vielen zu einer lange ersehnten Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte.

Im Frühjahr 2011 hörte ACT-Labelchef Siggi Loch auf Schloss Elmau ein Konzert des norwegischen Geigers Henning Kraggerud. Anschließend kamen beide ins Gespräch, bei dem Kraggerud auf das legendäre Weihnachtsalbum „It’s Snowing On My Piano“ (ACT 9260-2) seines Landsmanns Bugge Wesseltoft zu sprechen kam: „Das ist unsere absolute Lieblings-CD. Jedes Jahr von Anfang Dezember bis Ende Januar läuft sie nonstop bei uns zu Hause.“ Darüber erfreut stellte sich Loch als Produzent des Albums vor. „Warum machen Sie nicht ein neues Album für die restlichen Monate des Jahres?“ fragte Kraggerud daraufhin. „Würden Sie denn dabei sein?“ konterte Loch. „Sofort“, lautete die spontane Antwort. Blieb nur noch, Bugge Wesseltoft von dem Vorhaben zu überzeugen. Der aber sagte ohne Zögern zu, und so trafen sich alle drei im November 2011 zur Einspielung von „Last Spring“ im berühmten Osloer Rainbow Studio des Toningenieurs Jan Erik Kongshaug wieder, wo auch schon „It’s Snowing On My Piano“ aufgenommen worden war. Es ist bestimmt kein Zufall, dass der klassische Musiker Kraggerud ein Fan dieses mit weit über 100 000 Exemplaren bis heute meistverkauften ACT-Albums ist, das seit seinem Erscheinen 1997 vielfach für seine „fast überirdische Schönheit“ und „als größte Weihnachts-CD, die der zeitgenössische Jazz hervorgebracht hat“ (WAZ) gerühmt wurde. Schon rein statistisch ist es bei über 50 000 verbreiteten Alben unter den gerade mal fünf Millionen Einwohnern Norwegens unwahrscheinlich, dass ein einheimischer Musiker es nicht hat. Zumal es mit seiner zeitlosen, meditativen Kraft und dank seines Rückgriffs auf die elegische Volksmusik Norwegens dort wie anderswo mittlerweile zu Weihnachten gehört wie Lametta am Christbaum.

Es sind darüber hinaus ganz konkrete musikalische Vorlieben Kraggeruds, die seine enge Beziehung zum einerseits minimalistischen und „klassisch“ strengen, zugleich aber die Variation und den Geist der Freiheit feiernden „It’s Snowing On My Piano“ erklärlich machen. Ist der 38-Jährige doch nicht nur einer der erfolgreichsten jungen Sologeiger, der mit den besten Orchestern – zuletzt unter anderem mit dem dänischen Nationalorchester bei den BBC Proms und mit dem London Philharmonic Orchestra - und Dirigenten an den wichtigsten Konzerthäusern wie der Royal Albert Hall gespielt hat. Darüber hinaus gehört er zu den absoluten Lieblingen des amerikanischen Publikums.

Vielmehr lebt sich der vielseitige Schüler von Camilla Wicks
und Emanuel Hurwitz auch als Kammermusiker (unter anderem in einem All-Star-Quartett mit Joshua Bell, Leonidas Kavakos und Martha Argerich), als Festivalleiter, Hochschulprofessor und Komponist, und nicht zuletzt als versierter Improvisator aus.

Kraggerud gehört damit zur wachsenden Zahl klassischer Musiker, für die sich die zwei großen Kunstmusiken Klassik und Jazz nicht ausschließen, sondern ergänzen – was für die überwiegend auch klassisch gebildeten modernen Jazzer ohnehin selbstverständlich ist. Wichtig für Bugge Wesseltoft, den Großmeister der Synthese von Live-Elektronik und Jazz-Improvisation, um sich nun im Duett wieder von seiner stillsten, „klassischsten“ Seite zu zeigen. Gemeinsam drehten Wesseltoft und Kraggerud das Winter-Thema des Vorbilds nun eine Jahreszeit weiter und stellten für „Last Spring“ ein schillerndes Programm aus 16 auf irgendeine Art dem Frühling verbundenen Stücken (selbst das als Weihnachtslied bekannte „Maria durch ein Dornwald ging“ ist ursprünglich eben ein Pilgerlied) zusammen, das wieder vor allem auf norwegischer Volksmusik fußt. Schon das Titelstück basiert auf einem Thema des großen nordischen Romantikers Edvard Grieg, der im Ton auch auf vielen anderen Stücken präsent ist. Neben Volksliedern wie „Om Kvelden“ oder „Hei Hu“ werden heimische, uns eher unbekannte Komponisten verschiedener Epochen herangezogen: Von der 1888 gestorbenen Anne Haavie und Lars Soraas dem Älteren über den 1986 gestorbenen dänischen Organisten Otto Mortensen bis zur noch jungen Sängerin und Lyra-Spielerin Oyonn Groven Myhren. Es gibt allerdings auch eine Improvisation über die barocke La Folia, das älteste melodischharmonische Satzmodell überhaupt, und zum Schluss erkling das Wiegenlied von Johannes Brahms.

Wie schon der Titel verrät, ist „Last Spring“ ein Rückblick auf den Frühling. Kein jauchzender, wirbelnder Aufbruch also, sondern getragene, minimalistische Meditationen. Ganz ausgerichtet auf die Details, auf die Varianz der Melodien, auf die Weite und Schönheit des Klangs. Und völlig auf das möglichst perfekte Zusammenspiel abgestellt: Wie Wachs verschmelzen die sanften Pianotupfer Wesseltofts mit den, die ganze Palette der Gefühle ansprechenden, auch mal im Pizzicato oder Détaché gezogenen Melodiebögen, die Kraggerud seiner Guarneri-Geige aus dem Jahr 1744, seiner Harald-Lund-Viola und seiner weltweit einmaligen, sechssaitigen Viola Concorda entlockt.

So gelingt es diesem magischen Duo, dem Frühling neue klangliche Ideen und Facetten abzugewinnen, ganz im Sinne der Ausgangsidee: Es dürfte klar sein, was demnächst von Februar bis Mai bevorzugt im Hause Kraggerud erklingen wird. Und wahrlich nicht nur dort.

 

 

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