01.05.2014 08:40 Jenseits von Zeit und Raum

Musik Jazz: Ulf Wakenius kreiert mit seinem Gitarrenspiel magische Momente - Neues Album "Momento Magico"

Ulf Wakenius veroeffentlicht sein Album Momento Magico

In den letzten Jahren hat sich Wakenius vor allem an der Seite der Sängerin Youn Sun Nah hervorgetan. © Act / Lennart Sjöberg

Ulf Wakenius verzaubert mit seinem Gitarrenspiel

Album "Momento Magico" © Act

Von: GFDK - ACT

Die fortwährende Suche und die Sucht nach den magischen Momenten in der Musik, ist das, was Jazzmusiker antreibt: „Ich war gesegnet, solche Momente bei meiner Arbeit mit wundervollen Künstlern wie Oscar Peterson, Herbie Hancock, Pat Metheny, Youn Sun Nah und anderen zu erleben“, erzählt der Gitarrist Ulf Wakenius. Darum, um die außergewöhnlichen Momente jenseits von Zeit und Raum, die einen das ganze musikalische Leben lang verfolgen, geht es auf dem neuen Album „Momento Magico“.

In den letzten Jahren hat sich Wakenius vor allem an der Seite der Sängerin Youn Sun Nah hervorgetan. Nicht viele Star-Gitarristen würden sich wohl so klaglos in die unvermeidliche Begleiterrolle bei der „heimlichen Königin des Jazz“ (Süddeutsche Zeitung) fügen, die nicht mehr nur in ihrer französischen Wahlheimat ein Star ist: Ihr und den gemeinsamen magischen Momenten hat Wakenius den Titeltrack gewidmet, der das oft von den beiden gespielte „Frevo“ mit Klängen von Wolfgang Amadeus Mozart kombiniert. Und mindestens zwei weitere Stücke wären wohl ohne diese Zusammenarbeit nicht auf „Momento Magico“ gelandet: Zum einen die in ein sanftes Bossa-Kleid gehüllte „Gnossienne“ des von Wakenius seit jeher verehrten Erik Satie, das dem gemeinsamen Frankreich-Manager Axel Matignon gewidmet ist. Und der abschließende Chanson-Klassiker „La Mer“ von Charles Trenet, das Wakenius zur minimalistischen, höchst delikaten Ode an die Schönheit Frankreichs macht.

Bescheidenheit durchzieht das ganze Album des Schweden, der sich sonst vor allem live durchaus auf die Rolle des Showman versteht: Berühmt sind seine perkussiven Einlagen auf den Saiten, oder die vielen Schlenker beim Ending von „Blues For Oscar“, seiner Hommage an Oscar Peterson, in dessen Quartett er ja zehn Jahre lang saß. Hier nun konzentriert sich Wakenius ganz auf die akustische Gitarre, auf die Erforschung ihres natürlichen Klangs, der in seiner Vielfältigkeit wie geschaffen dafür ist, verschiedenste magische Momente wieder aufleben zu lassen.

Und wie die bereits genannten Stücke hat Wakenius jeden Song des Albums einem Weggefährten, Freund oder einem prägenden Einfluss gewidmet. Was bei einem schwedischen Jazzer der mittleren Generation unweigerlich mit Esbjörn Svensson beginnt. Die bewegende „Ballad For E.“ von Svenssons lebenslangem Freund und Schlagzeug-Begleiter Magnus Öström, ohnehin von schlichter Schönheit, verdichtet sich unter Wakenius' Fingern zur puren Essenz. Genau wie „Liberetto“ die Schönheit der Kompositionen des Bassisten Lars Danielsson ehrt, mit Wakenius' unverwechselbarem, mehrstimmigem Balladenstil mit körperlosen Bassnoten und filigranen Läufen.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Seit jeher ist Wakenius' Spiel neben dem amerikanischen Jazz auch von der Weltmusik inspiriert und durchdrungen. Auch den für ihn wichtigsten Volksmusiken sind deshalb auf „Momento Magico“ Stücke gewidmet, diese allesamt selbst komponiert: „Hindustan Blues“ zieht mit der für Wakenius typischen synkopischen Rhythmisierung Raga-ähnliche Linien und lehnt sich klanglich an die indische Gitarre an; „Mali On My Mind“ erinnert an die Wiege des Blues in Westafrika. „The Dragon“ versucht, den Ton des chinesischen Instruments Pipa auf die Gitarre zu übertragen und tut dies mit großer Wucht. „Esperanto“ schließlich verarbeitet Einflüsse aus Griechenland, Russland und dem Mittleren Osten.

Würde das bisher Erwähnte anderen Musikern bereits als Basis für mehrere Album reichen, genügt es Wakenius noch lange nicht. In dem berührenden „Requiem For A Lost Son“ erinnert er an den früh, mit 26 Jahren verstorbenen Sohn des großen Kollegen John Scofield. Ein flinkes „Preludio“ ist Keith Jarrett zugedacht, die jazzigen „Notes For OP And Wes“ ehren Wes Montgomery, das laut Wakenius „ultimative Genie der Jazzgitarre“ und erwecken die Erfahrungen mit dem legendären Oscar Peterson Quartet zu neuem Leben, „die mein Leben verändert haben“. „Sugar Man“ ist inspiriert vom Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ des schwedischen Dokumentarfilmers Malik Bendjelloul über das Leben des lange verschollenen, zwischen Amerika, Afrika und Australien pendelnden Singer/Songwriters Sixto Rodriguez. Gerade zwei Minuten dauert dieser mehrstimmige, schwebende, von mit bluesiger Leadstimme durchzogene Folksong, und zeigt doch das ganze Spektrum von Wakenius' ganz auf den Dienst an der Musik konzentrierten Virtuosität.

Was Wakenius hier aus der Erinnerung an viele magische Momente geschaffen hat, ist in jedem Fall dazu geeignet, nun dem Hörer den einen oder anderen solchen zu verschaffen.


 

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