28.03.2012 07:31 Karrierewende mit “The Artistry Of Freddie Hubbard”

Musik Jazz: Trompeter Freddie Hubbard - Persönlicher Durchbruch mit erstem Impulse-Album

Freddie Hubbard © Universal Music

Von: jazzecho

Als der Trompeter Freddie Hubbard im Juli 1962 mit “The Artistry Of Freddie Hubbard” sein erstes eigenes Album für Impulse Records aufnahm, konnte er, obwohl er gerade einmal 24 Jahre alt war, schon ein erstaunliches Curriculum vorweisen: Er hatte Ornette Coleman bei der Einspielung des Meilensteins “Free Jazz” begleitet, auf diversen John-Coltrane-Alben für Prestige mitgewirkt, an der Seite von Quincy Jones, Eric Dolphy, Herbie Hancock, Bill Evans und Dexter Gordon Aufnahmen gemacht und in Art Blakey’s Jazz Messengers mit Wayne Shorter und Curtis Fuller die Bläserfrontline gebildet. Ab 1960 hatte er außerdem eine Reihe von eigenen Alben für Blue Note aufgenommen. Und er war auch auf zwei der emblematischen Alben in Erscheinung getreten, die Creed Taylor gleich nach Gründung von Impulse Records produziert hatte: John Coltranes “Africa/Brass” und Oliver Nelsons “Blues And The Abstract Truth”.

Persönlicher Durchbruch mit erstem Impulse-Album

All dessen ungeachtet, maß Freddie Hubbard - wie Ashley Kahn in seinem Buch “Impulse! Das Label, das Coltrane erschuf” berichtet - seinem ersten Impulse-Album eine ganz besondere Bedeutung bei: “...Hubbard sieht sein Debüt auf Impulse noch immer als persönlichen Durchbruch: Es war das erste ganz von ihm allein komponierte und arrangierte Album, eine Leistung, die im Titel zum Ausdruck kommt.” [Kahns Buch erschien 2006, zwei Jahre vor Hubbards Tod.]

Karrierewende mit “The Artistry Of Freddie Hubbard”

“Produzent Bob Thiele nannte es ‘Die Kunst’ wegen meiner Kompositionen”, verriet Hubbard dem Autor. “Ich denke, das war eine Wende in meiner Karriere, denn ich komponierte damals, und wenn man komponiert, dann ist es oft so, dass es klingt wie von jemand anderem. Ich hatte ein paar Arrangements für meine Alben bei Blue Note geschrieben, ‘Ready For Freddie’ und ‘Hub-Tones’. Bei dem Zeug für Blue Note hat mir die Tenorsaxophonistin Tina Brooks geholfen, aber auf ‘The Artistry’ fand ich, dass die Arrangements wirklich nach mir klangen.”

Kontrastreiche Band mit John Gilmore, Curtis Fuller und Tommy Flanagan

Neben drei Eigenkompositionen nahm Hubbard für das Album auch selbst arrangierte Versionen von Duke Ellingtons “Caravan” und George Gershwins “Summertime” auf. Seine Band hatte er mit dem Avantgarde-Tenorsaxophonisten John Gilmore (Sun Ra!), Posaunist Curtis Fuller, dem einfühlsamen Pianisten Tommy Flanagan, Bassist Art Davis und Schlagzeuger Louis Hayes ausgesprochen interessant und kontrastreich besetzt.

Hubbards zweiter Geniestreich für Impulse: “The Body & The Soul”

Hubbards zweites Impulse-Album “The Body & The Soul” stand “The Artistry” in nichts nach (beide Alben erhielten im All Music Guide vier Sterne). Nur war er diesmal nicht mit einem festen Sextett zu hören, sondern wahlweise mit einem Septett, einer 16-köpfigen Bigband und einem Orchester mit Streichern. Auch das aus Eigenkompositionen, Standards und einer Bossa bestehende Material war noch abwechslungsreicher. Neben Hubbard glänzte als Solist vor allem Tenorsaxophonist Wayne Shorter. Aber auch das restliche, mit Stars gespickte Line-Up konnte sich sehen lassen: es bot u.a. Eric Dolphy, Curtis Fuller, Philly Joe Jones, Melba Liston, Clark Terry, Ernie Royal, Cedar Walton, Jerome Richardson und Reggie Workman auf.

Anlässlich des 50. Jubiläums des Impulse-Labels wurden die beiden Klassiker “The Artistry Of Freddie Hubbard” und “The Body & The Soul” jetzt innerhalb der neuen IMPULSE 2-ON-1-Serie zusammen auf einer Midprice-CD veröffentlicht. Beide Alben wurden neu digital remastert, die kompletten LP-Artworks sind im farbigen Booklet reproduziert. Quelle: www.jazzecho.de